Nightlife-Guru: BZ-Versteigerung im Jazzhaus

Nightlife-Guru

Die Rekordsumme von 31.990 Euro hat am Samstagabend die Benefiz-Versteigerung "Aktion Weihnachtswunsch" der Badischen Zeitung im Jazzhaus gebracht. Wer bot mit? Was waren die schrägsten Auktionsobjekte? Der Nightlife-Guru hat sich ein paar Notizen gemacht. Charitanement pur.



An der Tür

Kein Roter Teppich, nicht mal ein grüner, geschweige denn einer aus Solarzellen. Dabei ist die Aktion Weihnachtswunsch der BZ aus der Freiburger Promi-Agenda doch genauso wenig wegzudenken wie der alljährliche Presseball. Karten gibt’s schon lang keine mehr aber der Nightlife-Guru kommt natürlich überall rein.

Bingo. Zwei junge BZ-Azubis machen auf Gentle-Bouncer und winken mich freundlich ins Jazzhaus. Ich platze mitten in den Eröffnungssermon hinein und muss mir also die grundlegenden Abendinfos mühsam zusammensuchen. Die Moral von der Geschicht’? Nightlife-Guru, verspät’ dich nicht!



Inneneinrichtung / Deko

Die Bühne gleicht einer Freiburger Dauerwerbesendung. Alltägliches steht neben Skurrilem, Historisches neben Kunst. Omas Dachboden meets die-Preisecke-vom-Glücksrad meets Christie’s.

Meine Favoriten: ein Benzinkanister-großer Jil-Sander-Flakon, der Gatten ein Jahrzehnt lang davon entbindet, ihren Frauen unentwegt Duftwässer schenken zu müssen; Plüschbär, -hund und -tiger, falls das Schießen auf der Mess’ in die Hose gegangen ist; ein Deko-Vogelkäfig für die Zeit nach der Schweinegrippe: The Return of the Bird Flu. Hinten, neben dem Mischpult: die Lospreise (Gutscheine, Kulinaria, Nippes).

Wer war da?

BZ-Mitarbeiter aller Regionen, Abteilungen und hierarchischer Ebenen, Politiker, Kulturschaffende, Unternehmer, VIPs. Natürlich OB Salomon, SPD-Bundestagsabgeordneter Erler, ZMF-Macher Heisler, Kabarettist Deutschmann, Can-Artist Soucek, SC-Pressesprecher Raschke, Dompfarrer Stoffel, VAG-Chefin Berger, FWTM-Chef Dallmann. Und ich. Die üblichen Verdächtigen, unter Ausschluss der Zwillingsschwestern Glam und Sex.

Ebenfalls abwesend: Marc Terenzi, Gina Lisa Lohfink und Giulia Siegel, die höchstwahrscheinlich im Schneerotlichtmilieu hängen geblieben sind.



Auktionsatmosphäre

Charitanement, das heißt: Unterhaltsame Wohltätigkeit. Es wird ersteigert, dass das Konto kracht, gegrüßt, geplant, e weng geflirtet. Adrett gekleidete BZ-Azubinen summen zwischen den Bietwütigen umher und bringen 5-Euro-Lose an den (vor allem) Mann. Zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten. Und immer, wenn’s monoton zu werden droht, betritt BZ-Herausgeber Christian Hodeige die Bühne und mutiert zum gnadenlosen Auktionator.

In bester Solomon-Burke-Manier feuert er das Publikum an, fordert immer wieder zu Szenenapplaus auf und erzielt am Ende die Rekordsumme von 9000 Euro für ein 16-köpfiges Candle-Light-Dinner in der Turmstube des Freiburger Münsters. „Wie isch der denn heut’ drauf,“ wundert sich hinter mir ein Kleingeist. So, wie man drauf sein muss, um das Jazzhaus ins Dreisam-Sotheby’s zu verwandeln! And by the way: Wer war eigentlich noch mal Tobias Meyer?



Catering

Getränke liefert das Jazzhaus, deftige Speisen das Naschhäusle. Getrunken wird vornehmlich großes Fürstenberg, Weiß- und Rotwein; was das Essen betrifft, bekämpften die meisten ihren Hunger vermittels saftiger Burgunderschinken-Brötchen. Auch Gulaschsuppe und eine unwiderstehliche Wienerle-Kartoffelsalat-Kombi werden angeboten. Als ich mich endlich dazu entscheide, meine letzten 5 Euro in Wurst und Stärke zu investieren, ist schon alles weg. Ich tröste mich mit einer 1-Euro-Brezel über das Versäumnis hinweg und tausche das Restgeld in Flüssiges um.

Auf dem Klo um halb Zehn

Neben mir stellt sich ein Senior ans Pissoir. Er trägt eine braune Anzughose und ein dunkelgrünes Sakko. Ich kann nicht, wenn jemand neben mir steht, und warte ab. Nachdem er fertig ist, geht er zum Waschbecken, wäscht sich die Hände und betätigt den Händetrockner. Als er weg ist, läuft’s.



Aufheiterle

Bewusste und unbewusste Leoparden-Retro-Looks bei den Damen; ein Zeitungs-Anzug (von der Sohle bis zum Scheitel) eines Herren.

Erregerle

Für 5 Euro ersteigere ich mir 30 Sekunden mit einer ansehnlichen Auszubildenden, die kokett Lose feilbietet. Was es zu gewinnen gäbe, frage ich unschuldig. Unter anderem eine Uhr von Mercedes-Benz, antwortet sie stolz. Welche Los-Farbe sie mir den empfehlen würde, frage ich. Grün, wie die Hoffnung, antwortet sie. Ich lächle, sie lächelt, ich ziehe ein grünes Los, öffne es und lese: „So’n Pech – Los gleich noch mal!“



Fazit

Eine sinnvolle Veranstaltung mit hohem Promi-Faktor und unterhaltsamem BZ-Herausgeber. Wer sich schon immer eine Freiburger Straßenbahnhaltestelle oder einen Geländerpfosten der alten Wiwili-Brücke ins Wohnzimmer stellen wollte, darf hier auf keinen Fall fehlen. Das wohltätige Endergebnis spottet indes der Wirtschaftskrise: 32 Riesen. Plus 5 Euro von mir.

[Fotos: Benedict Glockner]

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