Nightlife-Guru: Auf der Frat Party der Studentenverbindung Neoborussia

Nightlife-Guru

Der Nightlife-Guru war Donnerstagnacht in Herdern. Er ging mit einer Reihe von Vorurteilen auf eine Studentenverbindungsparty der Neoborussia, die größtenteils nicht bestätigt wurden.

Stereotype und Vorurteile

Es ist kalt in Herdern, als der Nightlife Guru die Villa der Studentenverbindung Neoborussia Halle zu Freiburg betritt. Links und rechts der Hansastraße, in der die Verbindung residiert, stehen Herderns Villen und Fachwerkhäuser. Nur in wenigen Zimmern brennt noch Licht. Die großen Häuser wirken leer, fast gespenstisch. Nur im Haus der Neoborussen blinkt ein Disco-Licht in rosa, grün und blau. Der Bass dröhnt aus aus dem Wohnzimmer. Hier findet also die "Frat Party" statt, zu dem die Neoborussen geladen haben.

"Ein Mal feiern wie in einem amerikanischen College Film! Egal, ob Freshman, Junior oder Senior Year, bei unserer FRAT-PARTY ist jeder willkommen", so haben sie die Party auf Facebook beworben. Der Guru atmet tief durch. Er war noch nie in einem Verbindungshaus. Was wird ihn erwarten? Er denkt an Jurastudenten in Polo Ralph Lauren und Segelschuhen, betrunkene Münchnerinnen und viel Bier. Und ein bisschen rechts sollen sie ja auch sein. Meine Begleitung und ich schauen uns an. Wollen wir da wirklich rein? Ja, wollen wir. Los geht’s.

Tür und Publikum

Die Tür ist auch wie in einem in einem amerikanischen College-Film, nämlich verschlossen. Der Guru klingelt. Es öffnet ein junger Mann mit Hemd und Schärpe. Er guckt uns an, die Augen zugekniffen. "Wer seid ihr?" Der Guru ist überrascht: Wenn man schon auf Facebook zu der Party einlädt, sollte man auch damit rechnen, dass Gäste kommen. "Wir sind zwei Externe und wollten mal eure Verbindung anschauen." Der junge Mann wirft einen prüfenden Blick auf den Guru und seine Begleitung, zögert kurz und sagt dann "OK".

Es öffnet sich die Tür in die Welt der Landsmannschaft Neoborussia Halle zu Leipzig. Wenig später erfährt der Guru, dass die Neoborussen 2015 von von 25 Unbekannten überfallen wurde. Einem Borussen wurde ein Bierkrug auf dem Kopf zerschlagen. Er musste ins Krankenhaus. Vielleicht sind die deswegen ein bisschen misstrauisch.

Wir stehen auf dem langen Parkettflur der Landsmannschaft. Viele Besucher haben sich die für Verbindungsstudenten typische Schärpe umgehängt. Da wir keine haben, fallen wir auf. Rechts ist die Garderobe (kostenlos), geradeaus das zum Dancefloor umfunktionierte Wohnzimmer. Die Jungs tragen Oettinger-Hoodies und kein Ralph Lauren. 1:0 für die Neoborussen. Der Guru geht aus Klo, neben ihm steht ein junger Verbindungsstudent. Er trägt ein rosa Ralle-Polo. 1:1.

Im Raum der Ahnungslosen

Neben dem Dancefloor ist ein kleiner Sitzbereich. Auf der Couch sitzen ein Mädchen und zwei Jungs. Keiner trägt Schärpe. Wir setzen uns zu ihnen. Auf die Frage, wie sie auf die Party gekommen sind, erzählt das Mädchen, dass ihr Bruder bei den Neoborussen ist. Die beiden Jungs sind Freunde von ihr. Dann erklärt sie uns das Studentenverbindungs-Einmaleins. Die Neoborussen sind eine Landsmannschaft. Der Unterschied zur Burschenschaft sei, dass Landsmannschaften unpolitisch sind. Alle Landsmannschaften organisieren sich im Dachverband Coburger Convent, kurz CC. Befreundete Landsmannschaften organisieren sich in sogenannten Cartellen. Die drei sind nett und wir fühlen uns nicht mehr so verloren im Meer der Schärpen und Oettinger Pullis.

Das Aufregerle

Das Aufregerle des Abends ist, dass sich die Vorurteile des Gurus nicht so wirklich bestätigen wollen. Niemand hetzt über Ausländer, niemand diskutiert laut über Sylt-Urlaube oder Business-Class-Flüge, nichtmal übermäßig viele Jura-Schnösel sind da.
Das einzige was nervt: Die Corpsbrüder sind sehr darauf bedacht, Nachwuchs zu rekrutieren. Wer nur zwei neugierige Fragen über die Verbindung stellt, dem wird direkt ein Flyer mit allen Semesterveranstaltungen der Borussen überreicht. Nach der dritten Frage soll man schon die Handynummer austauschen. Der Guru lehnt ab. Die Leute mit denen man redet, sind wirklich freundlich. Nur hat der Guru den Eindruck, dass sie einem die purpur-schwarz-weiß-schwarze Schärpe der Neoborussen förmlich überwerfen wollen.

Rhythm and Booze

Die Drinks sind unverschämt günstig. Ein Euro für Bier und Shots, zwei Euro für Longdrinks. Da kann nicht mal die Mudom Bar mithalten. Serviert wird in der holzvertäfelten Bar gleich neben dem Wohnzimmer. Am Eingang gab’s Getränkemarken im Wert von 5 oder 10 Euro. Cuba Libre haut rein. Rückerstattung der Getränkemarken ausgeschlossen. Also gleich noch ein Bier bestellen, zwei Corpsbrüder zapfen es frisch vom Fass. Bier schmeckt auch gut. Eigentlich ganz nice hier.Für die Musik sorgt DJ B-Rush. Klingt gut. Richtig abgedanct wird aber nicht.

Das Aufheiterle

Wir treffen ein Mitglied der einzigen Freiburger Frauenverbindung AV Merzhausia. Der Guru wusste nicht, dass es in Freiburg sowas gibt. Findet er gut. Im Gegensatz zu den Neoborussen ficht die AV Merzhausia nicht. Die junge Frau meint, dass sie enttäuscht ist von dem Stura, der ihrer Meinung nach immer wieder Vorurteile gegen Studentenverbindungen schürt. "Die sollen sich lieber mal selber ein Bild machen", meint sie. Dann geht sie mit uns in Garten. Sie will uns den Pool der Neoborussia zeigen. "Der Pool ist halt besonders geil im Sommer", meint sie. Glaubt der Guru ihr. "Hier kann man nachts nach ner Party reinspringen. Das ist ganz gut, um wieder nüchtern zu werden."

Finale

Der Guru ist verwirrt. Er steht vor dem leuchtenden Haus der Borussen, neben ihm der Pool, in der Hand das Bier. Nüchtern werden sollte er jetzt auch. Sonst gibt er denen noch wirklich seine Handynummer. Also gehen wir zur Garderobe. "Schreibt uns einfach, wenn ihr noch was wissen wollt", sagt ein netter Verbindungsstudent. Der Guru bedankt sich. "Aber zuerst schreibe ich noch was über euch", denkt er sich. Der Vollmond scheint hell auf Herderns Villen als wir das Verbindungshaus verlassen. So schlimm war es nicht. Sorry, Stura.
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