Nightlife-Guru: Auf der Closing-Party des El Haso

Nightlife-Guru

Das vegane Restaurant El Haso am Siegesdenkmal muss schließen. Am Freitagabend lud es zu einer Closing-Party. Gab es Tränen und Zusammenbrüche? Abrissparty? Der Nightlife-Guru war dabei.

Die Jungs und Mädels an der Tür

Die Jungs und Mädels an der Kasse sind entspannt, lassen sich Zeit für Smalltalk mit den ankommenden Gästen. Die Schlange ist ohnehin überschaubar und im Regen muss niemand stehen. Die Kasse befindet sich ausnahmsweise im Vorraum, der das Restaurant El Haso und den White Rabbit Club verbindet, denn in beiden Location wird gefeiert. Im El Haso legen Freunde des Restaurants auf, im White Rabbit die Eardrum-DJs. Neben dem Kassentisch achten die Türsteher des White Rabbit mit routinierten Blicken darauf, dass sich niemand ohne Stempel vorbei mogelt. Alles easy.

Inneneinrichtung und Deko

Im Vorraum ist’s voll. Ich bahne mir meinen Weg Richtung El Haso-Tür, von der mir fröhlich-ausgelassene Vibes entgegenschlagen. Es riecht nach gesundem Essen und ein bisschen nach Schweiß. Kein Wunder, denn die Party ist schon in vollem Gange. Hände fliegen nach oben und Jubelschreie werden laut. Auch mein Freitagabend kann nun losgehen.



Die Tische, an denen sonst Seitan-Burger, Gemüseauflauf und veganer Nachtisch serviert werden, sind weggeräumt. Lediglich an den Wänden des Gewölbekellers gibt es noch Sitzgelegenheiten, die um halb eins allerdings kaum in Anspruch genommen werden – außer um darauf zu tanzen. In der Mitte des Raumes schweben vier Discokugeln, hunderte weiße Lichtpunkte drehen ihre Runden durch das gut besuchte El Haso.

Partyatmosphäre und Klangwaren-TÜV

Am DJ-Pult stehen Günther Ghetto, Dieter K. und ein ominöser DJ namens La Banana Sensa Senzo. Sie kommen aus dem Umfeld des DJ-Kollektivs Radio Taka Tuka, das über diverse deutsche Städte verteilt lebt, einen Podcast betreibt und in der Weihnachtszeit regelmäßig eine Party in Freiburg veranstaltet. Mehr weiß ich nicht über sie. Sie spielen ausschließlich Vinyl: Disco der 70er-Jahre, Electro-Funk und Italo der 80er, vereinzelt aktuellen Deep House. Klassiker wie Bruce Weeden und Michael Fortes The Voice of "Q" oder Feel the Drive von Doctor’s Cat bleiben in meinem Ohr hängen.



Die DJs überzeugen mit ihrer Musikauswahl, den Grooves zu widerstehen, ist schwer. Einen wesentlich schlechteren Job macht die kleine Anlage in der Mitte des Raumes. Den Bässen fehlt der Druck und die Mitten klingen matschig. Es sei dem El Haso verziehen, es ist schließlich ein Restaurant und kein Club.

Crowd-Check

Das Publikum im El Haso ist überwiegend Anfang bis Mitte 20 und studentisch geprägt. Dreadlocks und Ethno-Pluderhosen dürfen auf der Party eines veganen und vegetarischen Restaurants nicht fehlen, sie stellen aber eher die Ausnahme dar. Deutsche, englische, spanische und französische Wortfetzen fliegen über die Tanzfläche. Alle sind gut drauf und niemand macht Stress. Sehr angenehme Crowd.



Aufheiterle

Angekündigt war eine Closing Party, ein eher trauriger Anlass. Auf der Tanzfläche ist von Traurigkeit allerdings nichts zu spüren. Möglicherweise hat das auch damit zu tun, dass El Haso-Betreiber Hansi Breier und der Vermieter am Tag der Party vor Gericht eine Einigung erzielten, die es Breier erlaubt, noch bis Ende März 2019 weiterzumachen.

Aufregerle

Beim Verlassen der Party werde ich wehmütig. Nicht so sehr wegen des El Haso, sondern wegen des White Rabbit gegenüber. Während das Restaurant noch einige Monate bleibt und bald ein zweites kleines Standbein im Stühlinger eröffnet, ist für den Club derzeit keine Lösung in Sicht. Etwas schweren Herzens gehe ich hinein, solange ich noch kann.

Fazit

Entspannte Menschen, tolle Atmosphäre, feine Musikauswahl – ob es wirklich die letzte Party des El Haso war, ist da erstmal nebensächlich. Für den Nightlife-Guru bleibt nur zu hoffen, dass es den Beteiligten gelingt, die Zukunft des White Rabbit sicher zu stellen. Selbst wenn sie noch so schön sind: Nüchtern betrachtet ist jede Closing-Party eine zu viel.

Mehr zum Thema: