Nightlife-Guru: Art Clash @ Umare

Nightlife-Guru

Kunst im Club? Geht das zusammen? Ja, behauptet die Art Clash, die am Samstag zum zweiten Mal das Umare (Ex-Palladium) im Hauptbahnhof bespielte. Unser Nightlife-Guru stolperte dort über Genickfeindlichkeit überhalb der Klotür und packte sich auf dem Heimweg fast gut auf die Fresse.



Die Jungs an der Tür


Um den Hauptbahnhof ist es bei meiner Ankunft lau, und es riecht süßlich nach ausgehfein gesprayten Menschen. Die Bundespolizei hat zwei Wannen vor dem McDonald's geparkt und verlädt einen traurig jaulenden Diensthund zurück ins Heck des Fahrzeuges. Drei sehr höfliche Herren in sehr schönen schwarzen Sakkos statt „Security“-Jacken stempeln mich ab und winken mich rein.

Inneneinrichtung und Deko

„Whoa“ ist mein erster Gedanke. Die Deko ist lichtbasiert und spektakulär. Die Tische leuchten in wechselnden Farben, die Decke leuchtet dank LED-Leisten, der Boden leuchtet, Spots leuchten, alles leuchtet. Geil. Die Location finde ich eh durch die Glaswände schon seit Palladiumzeiten reizvoll, und die Lichtshow kann sich jetzt nochmal mehr sehen lassen.



Alle Wände sind als Ausstellungsflächen genutzt. Hauptsächlich Malerei und Fotografie, Monika Welker hat unter anderem auch Taschen ausgestellt. Die großformatigen psychedelischen Porträts von Guillermo Stillano leiden zeitweise etwas unter der Beleuchtung, während einige poppige Werke von Iris Halfmann in dem Licht sehr cool changieren.

Die Lichtverhältnisse wechseln, mal weiß-neutral, mal rot, mal bunt usw., und dementsprechend wechseln die Eindrücke, die man von den Bildern bekommt. Einige der Künstler, Miika Nieminen, Fabian Von Mono und Simon Laila, kommen leider allein durch die Hängung weniger gut weg. Entweder hängen sie zu dunkel, zu versteckt, oder genickfeindlich über der Klotür. Hier ist sicher noch Verbesserungspotential.

Die Fotos der jungen Greta Kirby lassen mich überrascht nachfragen; als sie mir erzählt, wie alt sie erst ist, bin ich beeindruckt bis neidisch.



Wer war da?

Die Feiernden auf einen Nenner zu bringen, wäre gewagt, weil so viele Leute auch wieder nicht da waren. Schubladisierung entfällt heute, wir sind alle Individuen. Schön gemischt jedenfalls in Alter und Milieu, es sind nicht nur die üblichen Studenten da. Die Party, hat man den Eindruck, hat sich noch nicht entschieden, was sie sein will: wie ein Teenager auf Identitätssuche.



Feieratmosphäre & Klangwaren-TÜV

Die Atmosphäre ist entspannt, die Klangwaren beginnen mit jazzig-chilligem Elektro und drehen das Tempo dann langsam auf. Sound ist gut.



Catering & Getränkekarte

Die Auswahl ist reichlich und die Preise für die obere Mittelklasse des Freiburger Nachtlebens normal. An der Bar gibt es noch ein bisschen Durcheinander. Das Team ist zuvorkommend und freundlich. Der Barkeeper erzählt, dass das heute sein erster Tag ist, aber bei dem geringen Gästeaufkommen ist das kein Problem.

Auf dem Klo um halb drei

Auch auf dem Klo hängen Bilder, von denen ich leider den Urheber-Aufkleber nicht finde. Die Zeitangabe „halb drei“ ist provisorisch, ich habe den Partyschluss verpasst. Pardon.



Aufregerle

Auf dem Weg vom Balkon mit Blick auf die Bahnhofshalle zurück ins Gebäude packt es mich fast ziemlich auf die Fresse. Vorsicht Stufe!

Fazit

In einem Laden, der Spring Break Parties und „Sexy Bunny Nights“ anbietet, erwartet man eher keine Kunstausstellungen. Dass dafür dann sogar die Filetnacht am Samstag eingeteilt wird, darüber staunt man ein wenig. Respekt jedenfalls an Veranstalter und Betreiber für den Mut, was Neues auszuprobieren. Museale Stimmung kommt keine auf; wem danach ist, der kann den Kunstaspekt komplett ignorieren und einfach feiern.



Ob das Konzept sich letztlich so halten kann weiß ich nicht. Die Verbindung von Underground- beziehungsweilse Kleinkunst und dem Umare als Location lässt keine klar definierte Zielgruppe vor dem inneren Auge erscheinen, und experimentierfreudig sind die Freiburger eher nicht. Die bunte Umare-Beleuchtung funktioniert mit einigen Bildern besser, mit anderen weniger gut, was in Verbindung mit Getränkepreisen und wenig undergroundigem Flair der Location wohl den Reiz für Kunstaffine mindert. Und für die mit den anderen Veranstaltungen angepeilte Umare-Klientel wird sich wohl der Reiz dieser Art Kunst eher verschließen.

Ich würde wieder vorbeischauen, einfach weil der Eintrittspreis sehr fair ist und mir die ausgestellten Werke teils gut gefallen haben, aber es wird wohl noch Konzeptarbeit zu leisten sein, um einen festen Kundenstamm zu erschließen und für einen ganzen Abend zu fesseln.