Nightlife-Guru: Als Ersti bei der Semestereröffnungsparty im TIK

Nightlife-Guru

Die erste Studentenparty, das erste Mal Joster. Unser Nightlife-Guru hat sein Studium an der Uni in Freiburg begonnen und war am Freitag auf der Semestereröffnungs-Party in der alten "StuSie-Bar" - mit Dr. Sommer und Jenny Elvers.

Die lange Schlange vor dem TKKG

Ich bin Ersti und stolz darauf. Die erste Woche meines Studiums hat begonnen – und ich fühle mich wie damals in der ersten Klasse: Wie ein süßes, unerfahrenes Kleinkind – nur etwas angetrunken. Ich gehe zum ersten Mal mit meinen Kommilitonen – das Wort wollte ich schon immer einmal benutzen – zu der Semestereröffnungsparty.


Vor meiner Zeit nannte man den großen Party-Bunker der Studentensiedlung am Seepark noch StuSie – jetzt heißt er TIK. TIK bedeutet "Tanz im Glück" – und ist der wohl dümmste Name, den man sich für eine Studenten-Disko ausdenken könnte. Wieso nicht gleich Techniker Krankenkasse oder TKKG?

Vor dem TKKG zittern die Erstsemester-Studierenden in einer langen Schlange. Sie haben selbstgestrickte Stirnbänder über ihre Köpfe gezogen, andere den Kragen ihres Polo-Shirts hochgekrempelt. Die Erstis, die aus weit entfernten Städten kommen, erkennt man an der Flasche Joster in ihrer Hand: Das Kult-Getränk, das sie in der Einführungswoche kennen und lieben gelernt haben.

Vor der Kleiderabgabe

Nach über einer halben Stunden Anstehen quetschen sich die Gäste in das Gebäude, nach vorne zu der Kleiderabgabe: Kartenchips mit aufgedruckter Zahl gegen Jacke und Handtasche. "Ich habe 69, Diggi!", sagt ein Typ mit gegelten Haaren vor mir. Gemeint ist seine zweideutige Chipnummer. "Ich hab 69, wie geil ist das?!", wiederholt er sich – und wer weiß, wann er das je wieder sagen wird.

Inneneinrichtung und Deko

Der Main-Floor im Erdgeschoss ist riesig – fast so groß wie das Audimax. Weiße Leinentücher hängen von der Decke, grüne Lichter flackern im Rauchnebel.

Direkt vor dem Eingang versorgt ein Istanbul-Imbiss die Studierenden mit Pizzastücken und Fast-Food. Das Partyvolk trampelt die Treppe nach unten immer wieder über Kondome, die auf dem Boden liegen.

Im Untergeschoss befindet sich ein großer Flur mit Sofas, ein kleiner Gang mit Schwarzlicht und zwei Floors in Kinder-Zimmer-Größe – für Techno und Hip-Hop. Daneben: ein Aufenthaltsraum – die Wände mit Graffitis besprayt – mit Bar, Tischkicker und Hockern.

Vor dem Damen-Klo – das mit Rotlicht beleuchtet wird – liegt ein einzelner Männer-Schuh. Wo sind eigentlich die Kriminologen, wenn man sie mal braucht?

Party-Atmosphäre und Klangwaren TÜV

"I don’t care – I love it", schallt es aus den Mündern der Studierenden, während sie auf den Splittern zerstörter Bierflaschen tänzeln. Sie schütteln sich ihre selbstgestrickten Stirnbänder von den Köpfen und krempeln den Polo-Shirt Kragen immer wieder aufs Neue hoch.

Es fühlt sich an, als sei man im Musikvideo-Dreh zu Katy Perrys "TGIF" oder mitten im Teenie-Film "Prom". Es funkelt von allen Seiten, die Chart-Beats knallen, die Mädchen kreischen, wenn ihr Song eingespielt wird. Ein paar Ersti-Mädels entpuppen sich als Woo-Girls.

Wer war da?

Die zukünftige Richterin Barbara Salesch, der nächste Friedrich Nietzsche, der Nachfolger von Dr. Sommer: Jura, Philosophie und Medizin-Studierende. Auch der Mathe-Lehrer deiner ungeborenen Kinder ist anwesend. Die Tanzfläche wird hauptsächlich von Erstis eingenommen.

Immer wieder werde ich von Kommilitonen umarmt – aber wie hieß das blonde Mädchen, das mich in ihre Arme schließt, gleich noch mal? Hat sie im Nebenfach nicht Ethnologie, oder studiert sie polyvalent? Die meisten Namen hat man nach der ersten Kneipentour längst wieder vergessen.

An der Bar

Mein Herz schlägt höher, als ich die Preisliste an der Theke sehe: 3,50 Euro für einen Wodka-Lemon. Geiz ist geil, liebe Studierende.



Aufregerle


Geknutsche hier, Geknutsche da. Studierende schlabbern sich gegenseitig ab, grabschen an sich herum. Ich dachte man studiert, damit man irgendwann nicht im Big-Brother-Haus landet. Wer will schon bei "privaten Szenen" live beobachtet werden?

Ein Pärchen auf dem Sofa scheint das nicht zu stören: Sie sitzt auf ihm und bewegt ihre Hüfte in rhythmischen Bewegungen. Ich nenne sie "die Jenny Elvers". Mal sehen, wie viele Ersti-Babys im zweiten Semester geboren werden.



Fazit


"Man bleibt nur gut, wenn man vergisst", ist ein bekannter Spruch von Friedrich Nietzsche. Die Philosophie-Studierenden interpretieren das als: Trinkt Erstis, trinkt. Ein Filmriss ist okay – erst dann habt ihr in euren Köpfen Platz für all das Wissen, das ihr euch während des Studium aneignen müsst. Die Vorlesungen und Tutorate können beginnen – die Eröffnungs-Party war geil.