Nightlife Guru: Afrilounge im Liquid Club

Nightlife-Guru

Freitag, der dreizehnte: Zuflucht vor einer unerträglich kalten Juninacht fand der fudder-Nightlifeguru diesmal im Liquid Club, bei Eazy M’s Nachtasyl. Sein Fazit fällt diesmal etwas milder aus als bei seinem vergangenen Besuch in der Universitätsstraße. Crispe Beats, runter mit den Jeans!



Die Jungs an der Tür

...bestehend aus clubeigener Security, zeigen sich äußerst selektiv. Sie filtern aus dem ausgehfreudigen Publikum, wer – entsprechend ihres Einschätzungsvermögens – nicht zur Clubnacht passt. So verwehren sie drei französischsprachigen Jungs mit der Begründung „Members only“ den Zutritt. Ich darf mich also glücklich schätzen, ohne die erwähnte Mitgliedskarte eingelassen worden zu sein.

7 Euro an der Kasse, im Gegenzug der Stempelaufdruck. Ein angemessener und fairer Preis, zahlt man doch für eine Nacht mit Afrilounge als Headliner beispielsweise im Zürcher „Supermarket“ rund 18 Euro.

Catering und Getränke

Hochbetrieb herrscht an der Bar und dennoch ist Hektik hier ein Fremdwort. Mehrere kleine Gruppen Jugendlicher stoßen an – auf ihre Freundschaft, ein neues Lebensjahr, die Zukunft oder einfach nur auf den Abend. Runde um Runde wechseln Longdrinks, Shots und Bier die Seite des Tresens.

Wer war am Start?

Viele der Anwesenden bewegen sich in mehr oder weniger fest gefügten und gemischtgeschlechtlichen Cliquen, die sich untereinander alle zu kennen scheinen. Ich schließe mich in der Toilette ein, mache den Oberarm frei. Vorsichtig ziehe ich die Schutzfolie ab. Spucke statt eines feuchten Tuches auf meinen leider nicht ganz definierten Bizeps. Nach einer halben Minute ziehe ich das Trägerpapier ab. Ein Abzieh-Tattoo, um nicht aufzufallen, denn: will man zur Clubber-Szene im Liquid gehören, ist ein Körperschmuck dieser Art fast schon Pflicht.

An einigen ist die Euro 2008, die Fußball-EM, nicht spurlos vorübergegangen. Ein Junge trägt seine Fanzugehörigkeit offensiv auf: eine weiße Zipjacke, auf der der Schriftzug „Polska“ in kapitalen Lettern prangt. Zwei Mädels bekennen Farbe durch entsprechend lackierte Fingernägel. Nettes Accessoire für den Eschholzpark, aber fürs Ausgehen?



Partyatmosphäre

Es sind diese groovigen Subbässe, knackig swingenden Beats und die so unendlich deepen Chords, die auf mich und die frenetisch tanzende Crowd zutreiben, uns aufzuheben und davonzutragen scheinen. Matthias Wetzel a.k.a. Eazy M, seines Zeichens Resident-DJ im Liquid, begrüßt die Headliner des heutigen Abends, Afrilounge, mit ihrem 2007 veröffentlichten Überflieger-Hit „Lux Dementia“ und übergibt dann die Plattenteller den beiden Pforzheimern.

Diese halten sich nicht lang mit einem Intro auf, sondern setzen nahtlos an der Vorarbeit des Aufwärmers an.

Crispe Beats, teils tight und stark auf die Vier gehend, teils geshuffelt, treffen auf fließende melodische Sequenzen, perkussive Abschnitte folgen auf vokale Partien. Afrilounge überziehen die Tanzfläche mit einem energiegeladenen und temperamentvollen Set aus funkgeladenem Techno und House.

Die Crowd geht mit, tanzt ausgelassen, Schweißperlen überziehen manche Stirn. Die Energie ist auch auf dem Floor zu spüren.



Vor der Tür

„Ihr (Wichser), von euch lasse ich mir nicht den Abend versauen." Daraufhin versieht ein junges Mädchen sowohl die Türsteher als auch ihren Freundeskreis mit einer Vielzahl weiterer Verbalattacken und knallt, zur Unterstützung ihres aggressiven Auftretens, die Bierflasche aufs Kopfsteinpflaster. Sie dreht sich kurz um, es folgt die obligatorische obszöne Geste, und weg ist sie.

Unweit des Eingangs sitzt ein anderes, sehr junges Mädchen zusammengekauert auf dem kalten Steinboden. Obschon die Außentemperatur bedrohlich an der 10°-Marke kratzt, sind ihre Wangen stark gerötet; Schweiß tritt auf ihrer Stirn auf. Auch zittert sie und fängt nach einigen Minuten an zu weinen. Drei Jungs stehen um sie herum und wissen offensichtlich nicht, wie in dieser Situtation zu verfahren ist.

Als ich meine Hilfe anbieten möchte, werde ich mit knappen Worten zurückgewiesen. „Passt schon, sie hat nur zu viel getrunken.“ Naja, wenn’s weiter nichts ist?

Die Türsteher reagieren souverän und bleiben nicht nur bei diesen Szenen beherrscht und unter Kontrolle.

Klangwaren-TÜV

Großes Vorbild Eazy M’s scheint Theodore Levingston zu sein, besser bekannt als DJ Grand Wizard Theodore. Denn er bewegt das Vinyl rhythmisch hin und her, seine flinken Finger wuseln über Plattenteller und Crossfader. Eazy M bereichert sein Set mit leidenschaftlichem Scratchen.

Währenddessen bauen die Jungs von Afrilounge ihr Setup auf, insbesondere ein leistungsstarkes Notebook, denn sie mixen mittels der DJ-Software TRAKTOR ausschließlich digitale Tracks.

Aufheiterle

Sowohl ein Junge als auch ein Mädchen sprechen mich unabhängig voneinander an, ob ich nicht auch noch an diesem Abend auflegen werde. Da ich aber weder Vinyl- noch CD-Case oder eine Notebook-Tasche dabeihabe, muss ich sie leider enttäuschen.



Am Rande bemerkt

Die Jungs von Afrilounge holen sich ihre Getränke an der Bar jeweils selbst ab. Ob sie das auch vergangene Woche im Berliner „Watergate“ oder Wochen zuvor im Züricher „Supermarket“ mussten?

Aufregerle

Die Nebelmaschine ist ein Gerät, um Spezialeffekte (mit Licht oder Laser) zu erzeugen und nicht, um das Tanzfeld gänzlich im Nebel versinken zu lassen.

Fazit

Ganz auf das Set von Afrilounge konzentriert, das zu keiner Sekunde Langeweile aufkommen lässt, verbringe ich im Liquid ein paar schöne Stunden.

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