Nightlife-Guru: 80er Party in der Freiburg Bar

Nightlife-Guru

Leggings, Neon-Farben, Vokuhila-Frisuren an Frauen und Synthesizer in der Musik: Die 80er sind wieder in. Die Freiburg Bar war dem Trend voraus; schon vor dem Umzug von der alten Stadthalle auf die KaJo wurden regeläßig 80er Partys gefeiert. Der fudder Nightlife-Guru hat die Party am Samstagabend dem Check unterzogen.



Die Jungs an der Tür

Ich komme um halb elf ziemlich durchweicht an und es ist noch nicht viel los. Für fünf Euro bekomme ich meinen Stempel von der freundlichen Frau an der Kasse, die von zwei enorm stabilen Türstehern flankiert wird.

Inneneinrichtung

Die Freiburg Bar befindet sich unbestreitbarerweise in Freiburg und bleibt auch dem zweiten Teil ihres Namens treu: Der weitaus größte Teil der Räumlichkeiten ist bestuhlt oder mit Sofasitzgruppen möbliert. Im vorderen Teil gibt es sogar Service am Platz. Worin die Freiburg Bar definitiv heraussticht, ist in Hinblick auf ihre Inneneinrichtung, die eine beträchtliche Entschlossenheit ausstrahlt. Irgendjemand, ich möchte ihm die Hand schütteln, wollte diesen Laden dekorieren und, bei Gott, er hat ihn dekoriert, daran besteht nicht der geringste Zweifel.



Sitzbänke mit Zebramuster, verschiedene Blumenmusteroberflächen, bunte Lichtinstallationen, ein bizarres Gemälde eines Kochs auf einem Fahrrad, riesige Tierköpfe an der Wand – einer davon rot mit goldenen Hörnern – und eine endlos faszinierende Auswahl an unterschiedlichsten Kronleuchtern bilden einen Gesamteindruck, zu dem mir kein geeignetes Adjektiv einfallen will.

Wer noch nicht da war sollte, nein, darf sich das nicht entgehen lassen.



Wer war da?

Ich drehe eine Runde. Das Publikum ist breit gestreut, von der PH-Studentin Anfang 20 bis zum Versicherungsvertreter (?) um die 50. Viele Herren tragen gepflegten Schnauzbart, viele Damen gesträhnte Kurzhaarfrisur, und anstatt nach Gras riecht es nach Haarspray. Die Anwesenden verkörpern, so behauptet meine angeheiterte Begleitung, die Mitte der Gesellschaft.

Feier-Atmo

Die Atmosphäre ist sehr heiter, entspannt und friedlich. Bis zum Ende der Party bleibt es dann auch noch mittelvoll, und die Leute haben erkennbar Spaß. Auf der Tanzfläche werden vereinzelt Paartanzkenntnisse ausgepackt, gegen später genehmigt sich der eine oder andere müde Krieger am Rand der Tanzfläche ein Nickerchen.



Catering & Getränke

Beim Kauf des ersten Getränks – Fürstenberg Gold für 2,80€ – werde ich vom Barkeeper überraschend gesiezt und fühle mich daraufhin kurz alt. Getränke des Abends sind Fürstenberg Gold und Caipirinhas, die vom Barkeeper mit kompetenter Verspieltheit – Achtung fliegende Mixbecher – hergestellt werden.

Auf dem Klo um halb vier

Um halb vier war die Party schon vobei, um drei sah es allerdings noch sehr gesittet aus verglichen mit den meisten Partys mit 2008er-Musik. In den 25 Jahren zwischen 1983 und 2008 scheinen die zivilisatorischen Standards deutlich gelitten zu haben.



Klangwaren-TÜV

Der gewohnt nüchtern und korrekt arbeitende Klangwaren-TÜV findet an der Musikauswahl nichts auszusetzen.

Was versprochen wurde, wird geliefert: 80er querbeet, von Krachern wie der Ersten Allgemeinen Verunsicherung und Falcos „Kommissar“, über Nena – von der ich bis heute nicht weiß ob sie nun tatsächlich mit D. Bohlen gepennt hat, wie er in seiner Autobiografie andeutet – Funk, Queen, KISS, Wham! und verschiedene New-Wave-Sachen.

Der alte Radioeffekt tritt auf – man erkennt das Lied, man kennt den Text, aber man hat keine Ahnung wie die Band heißt. Die „J. Geils Band“ oder „Men Without Hats“ zum Beispiel sagen so gut wie niemandem was, wer „Centerfold“ oder „Safety Dance“ nicht mitsummen, oder, noch besser, laut und schief mitsingen kann, ist dagegen mit hoher Wahrscheinlichkeit bereits tot oder noch minderjährig. Die dazugehörigen Musikvideos sind natürlich auf Youtube zu finden und meist völlig, völlig bizarr.

Der Sound in der Freiburg Bar ist tadellos und, anders als in einigen anderen Läden in denen ich in letzter Zeit war, erfreulicherweise nicht absurd laut.

Punkt drei geht die Musik aus und etwas später dann das Licht an. Ein Mittvierziger mit konservativer Brille und ebensolcher Krawatte fragt „Ist jetzt vorbei?“ und es scheint, als müsse man die Frage bejahen. Nach wenigen Minuten machen die Türsteher die Runde und fordern uns Restbestände bestimmt aber freundlich zum Gehen auf, zeigen sich aber erfreulich kulant, als wir auf unsere erst halbleeren Getränke hinweisen.

Die Party wird allerdings jetzt zügig abgewickelt, inklusive aufstuhlen, so dass wir schließlich doch raus in den immer noch fallenden Regen wanken.



Aufheiterle

Gewachste Bartspitzen sind ein Trend, der sich ruhig weiter ausbreiten kann.

Aufregerle

Nachts um viertel nach drei in Freiburg, wenn die Freiburg Bar zu hat, hat man die Wahl: Man kann heimgehen, oder man kann in einen Laden (ich nenne keine Namen), in dem fast niemand mehr bei Bewusstsein ist und die Pisse unter der Klotür durchläuft. Dank Rauchverbot kann man über den Geruch zweifelsfrei feststellen, daß es Pisse ist.

Spruch des Abends

„Und, was arbeidesch du denn so?“, der schleppender-Smalltalk-Klassiker.

Abrechnung

In der Abrechnung muss man sagen, dass es eine richtig runde Feier war. Die Location ist wirklich gut, der Service ebenso, der Sound sauber und angenehm. Jedem Liebhaber der Musik der 80er ist diese Party sehr zu empfehlen, also eigentlich – Achtung, kontroverse Aussage – jedem generell.