Nightlife-Guru: 48-Stunden-Party im Inside

Nightlife-Guru

48 Stunden Party - am Stück und non-stop! Das wollte sich unser Nightlife-Guru nicht entgehen lassen und begab sich am Samstagnachmittag ins Inside nach Emmendingen. Vorschau: "Ich sehe den MDMA-Glanz in den Augen meines Gegenübers und spüre seine rhythmischen Beckenbewegungen."




Die Jungs an der Tür

Nur ein dumpfes Basswummern, das durch das morsche Mauerwerk hindurchdringt, verrät an diesem Samstagmittag, dass zu dieser Uhrzeit eine Party im Club Inside noch andauert. Der Donnerrums der Kickdrums dröhnt zwar bis auf den Bahnhofsvorplatz, doch scheint sich dafür kein Mensch zu interessieren oder daran Anstoß zu nehmen. Tolerantes Völkchen, diese Emmendinger.

Der Parkplatz um das Klubareal ist verwaist, der Vorplatz menschenleer, und noch nicht einmal erwarten mich schwarzledern bekleidete Bouncer oder eine Krav Maga-gestählte Lady mit strengem Blick. Irgendwann gelingt es mir, die schwere Stahltür zu öffnen. Fast hätte ich es auch geschafft, mich an der Kasse vorbei zu mogeln. Der Typ hängt dösend in seinem Sessel drin, bemerkt mich aber trotzdem. „Ey, hasch e Bändle?“, schreit er mir nach. Erwischt. Ich zahle und gehe weiter.

Inneneinrichtung und Deko

Über ein Jahr liegt mein letzter Besuch im Inside zurück. Zuletzt nahm ich dort an der regio-legendären Halloween-Party „Etwas hat überlebt“ im Oktober 2010 teil:
Hat sich seither etwas verändert? Nein. Es riecht noch wie damals, und von den Decken hängen mit Neonfarben bepinselte Gegenstände herab. Sie sehen so aus wie übergroße Klopapierrollen. Auf einem Wandvorsprung stehen Pilze - aus Kleister oder Schaumstoff -, ebenfalls in Neonblaugrüngelb gehalten.

Zudem befinden sich zwei Schaufensterpuppen, eingekleidet in Stoffware aus dem H&M, im Raum. Eine sitzt zusammengekauert auf den Bassboxen. Die andere liegt auf einer Holzbank. Zu dieser setze ich mich und stelle fest: Sie speichelt sich auf das Handgelenk. Die „Puppen“ erweisen sich als echte Partyleichen aus Fleisch und Blut. Gruselig.

Wer war da?

Dämliche Frage. Voll war’s. Was sonst?! Hundert, hundertfünfzig Körper schwingen und tanzen zu Technobeats. Leichter Frauenüberschuss, süße Jungs, und über den Köpfen der Feiernden weht ein Hauch von MDMA. Jedenfalls nach meiner Vorstellung. Und wie war es wirklich?

Der Döser am Eingang, ein Durchi im Garderobenbereich und fünf Druffis auf der Tanzfläche – wahrscheinlich Partyuntote, die ihren traurigen Totentanz erst aufführen, wenn alles schon vorbei ist. Keiner ist über 21. Alle tragen Baggy Jeans, die ich aber weder der Skater- noch der Hiphop-Subkultur zuordnen würde. Irgendwo lehnt noch eine Mittvierzigerin mit Splisshaar, Hüfthose, bauchfreiem Top ohne BH und Spinnentattoo auf dem Busen.

Partyatmosphäre und Klangwaren-TÜV

So habe ich mir diesen Samstagnachmittag vorgestellt: Kaum betrete ich den Club, empfängt mich der trockene Funk krisper Afterhour-Housebeats, zum Beispiel „Overcome“ von Soul Capsule:



Nur ein kleiner Lichtkegel erhellt den Raum. Doch dieses rote Licht wirkt im Zusammenspiel mit der Übernächtigung und der Musik, dem Alkohol und den Drogen wie ein Euphorienebel, der die Tanzenden sanft einhüllt. Schon auf dem Weg zur Tanzfläche bekomme ich sexhungrige Blicke zugeworfen.

Keine zehn Minuten später befinde ich mich in der dunkelsten Ecke oder auf dem Klo des Inside. Eine Hand macht sich an meiner Hose zu schaffen, verschwitzte Lippen berühren die meinen, es schmeckt nach Körpersalz und Stoffwechsel. Ich sehe den MDMA-Glanz in den Augen meines Gegenübers und spüre seine rhythmischen Beckenbewegungen. Danach: Kiffen, Club Mate, Gin&Tonic, Zigarette, sitzen, tanzen und noch einmal weg. Vielleicht mit der Dunkelhaarigen oder dem Kerl. Oder mit beiden.

Und das habe ich erlebt: Fünf Typen zappeln auf der Tanzfläche. Ein halbes Dutzend Leute, das sich in der DJ-Kanzel gegenseitig auf die Füße tritt. Zwei Jungs, die an der Bar lümmeln. Irgendwie wird getanzt. Irgendwie auch nicht. Denn dieses Bewegungsmuster – zwei Stampfer mit dem linken, zwei Stampfer mit dem rechten Fuß – verdient es nicht, mit „tanzen“ beschrieben zu werden.

Egal. Zu der gespielten Musik reicht es völlig aus. Harte Knüppelbeats, viel Flanger im Einsatz, Rave-Signale, die mich an Fliegeralarm erinnern. Unsensibel. Unsexy. Drogen? Quatsch! Mehr als „John Player’s“ ist hier nicht im Umlauf. Einer der Stampfer kommt zu mir. „Ey, hasch Handy? Muss mal phonen, Alda!“ Ein weiterer Kerl kommt. „Boah, Alda, Mann, total durch, häh?“ Er setzt sich und zappelt weiter. Bevor der Dritte bei mir ist, stehe ich schon wieder draußen vor der Tür.

Auf dem Klo um 13.30 Uhr

Tiefe, brunftraue Seufzer, krachende Klokästen, Schmatz- und Schniefgeräusche – alles Fehlanzeige. Es kotzt noch nicht einmal jemand. Die Stille ist beängstigend. Immerhin habe ich 3G.

Catering und Getränkekarte

Der Barkeeper ist superschnuffig, verlangt aber trotzdem unverschämte 3 Euro für eine Cola und 4 Euro für einen Vodka. Dieser schmeckt auch nicht. Liegt vielleicht an mir. Der Rest der Meute nuckelt an Alcopop-Flaschen wie Maggie Simpson an ihrem Schnuller.

Aufregerle

Der Nightlife-Guru ist schon so abgebrüht, dass ihn kaum noch etwas aufregen kann.

Aufheiterle

Ich verlasse den Laden. Ein Typ mit neonfarbenen Camouflage-Hosen folgt mir nach. „Was mach’sch jetzt“, fragt er mich. „Was essen“, lautet meine Antwort. „Voll gut, ich komm’ mit“, sagt er. Er fängt an, auf dem Parkplatz zu tanzen. Auf meine Nachfrage reagiert er nicht. Er scheint bei sich angekommen.



Fazit

Immer wieder wird in Freiburg kritisiert, dass Partys schon um 5 Uhr aufhören. Doch macht ein Veranstalter den Wunschtraum vieler Partygänger wahr und stellt den Mega-Rave schlechthin auf die Beine, geht keiner hin.

Was macht denn der Freiburger Party-Hipster an einem Samstagmittag? Mit der Freundin durch Breuninger und H&M streifen? Bei Mami Mittagessen? Und dann so tun, als ob man’s sommers in Berlin bis in den Montagmittag treibt.

Mehr dazu:

  • fudder: http://fudder.de titel="">Nightlife-Guru : Shift-Festival in Basel