Nightlife-Guru: 4 Jahre Beatsalon in der Jackson Pollock Bar

Nightlife-Guru

Dort, wo man einst für die Kamera- und Kurbelkinos anstand, residiert heuer der Beatsalon, und das auch schon seit vier Jahren. Auf der Geburtstagssause, geschmissen von Lutz Räuber, Carla Commodore und Casino, war auch unser Nightlife Guru zugegen. Sein Urteil:



Die Jungs an der Tür

Weniger Schrank denn freundliche Autorität. Immer wieder gerne. Man kennt mich schon. Ich bin definitiv zu oft hier.



Inneneinrichtung

Im gut gefüllten Vorraum fällt mir heute zum ersten Mal bewusst die Büstengalerie hinter Glas auf. Cäsar und Oktavian? Ich werde von feuersuchenden Rauchern abgelenkt und vergesse, nach Beschriftungen zu schauen.

Drinnen hinter der Bar psychedelische Muster, auf der Tanzfläche wie immer Diskokugeln und bunte Lichter, die durchs Dunkel zucken. Die Deko ist gewohnt mager, weil es einfach reicht. Über die Jahre hat sich die Jackson Pollock Bar fast zu einem Selbstläufer entwickelt. Die Musik ist Programm und basta, ganz offensichtlich braucht sie keine unterstützenden Ornamente.

Nur über der Sitzecke hängt verloren ein Geweih an der Wand. Es wirkt dermaßen deplaziert, dass irgendjemand zu seiner Herkunft und Daseinsberechtigung sicher eine ulkige Geschichte zu erzählen weiß.



Partyatmosphäre

Die Fete kommt eher träge in Gang. Auf der Tanzfläche werden eckige Bewegungen angedeutet, Fußspitzen tippen vorfühlend auf den schwarzweiß karierten Boden. Während es drin ungewohnt licht ist, herrscht draußen bei den Rauchern kultiviertes Geschiebe. Ein guter Teil der Party hat sich mal wieder ins überdachte Freie verlagert.

Carla Commodore und Casino haben zum Geburtstag Gast-DJ Lutz Räuber von Soundflat Records geladen. Er spielt RnB (Derek Martin: Daddy Rolling Stone), Soul (Bobby Fuller Four: The Magic Touch) und Sixties (The Moving Sidewalks: 99th Floor) und gibt dem Publikum damit das, was es will. Neben Klassikern wie Lou Reed oder Gloria Jones’ Originalversion von „Tainted Love“ kommen aber auch unbekanntere Bands und Sänger wie die Liberty Belles oder Lou Lawton zum Zug.



Nach und nach füllt sich die Tanzfläche und die Anwesenden tauen merklich auf. Statt wie anfangs das Kinn zurückzulegen und sich schamig hin- und herzuwiegen, werfen sie nun auch mal juckig ihre Extremitäten aus. Auf die Füße tritt man sich ohnehin kaum, brechend voll ist dann doch anders, es wird heute schließlich kein Elektro gespielt. Eine eigentlich ganz angenehme Dichte, vor allem, wenn man sich wie ich zuvor an diesem Brückentag bereits mal in die überfüllte Innenstadt verirrt hat.

Die andere Seite der Medaille: Drei noch nicht allzu lange dem Teenie-Alter entwachsene Mädels finden genügend Platz für unbeholfene Tänze à la Mia Wallace & Vincent Vega. Dass selbst mir der Anblick erträglich bleibt, ist der friedlichen Allgemeinstimmung zu danken, die irgendwo zwischen herzhaft-fröhlich und nur manchmal, sagen wir es drastisch, latent langweilig schwankt.

Aber kurz: Es ist nett. Keiner tut sich was hier heute Abend. Wir sind eine kleine, einig Menschenmenge, freundlich bis zur Harmlosigkeit. Wie eine rosafarbene Wolke hat sich Entspannung über die Anwesenden gelegt, bei den meisten äußert sie sich in Ausgelassenheit, Tanzen und Schäkern. Meine Begleitung kämpft mit dem Schlaf.



Wer war da?

Käppis und gepflegte Kapuzenpullis. Die Mitte der Studentenschaft. Ausreißer auf die eine oder andere Seite gibt es kaum. Ah ja, die drei Pulp-Fiction-Mädels.



Catering und Getränke

Heute ist das Gedränge vor der Theke überschaubar und den Bedienungen fällt es nicht schwer, freundlich zu bleiben. Eine kleine Cola kostet 2,20 €, ein Freiburger 2,50 €, ein kleines Ganter vom Fass 2,30 €. Weißwein gibt’s ab 3,50 € und die gern getrunkene Caipirinha für 5,50 €. Schnell finden sich Trauben von leeren Bierflaschen auf allen erdenklichen Abstellflächen zusammen.



Auf dem Klo um halb vier

... ist es ebenso ruhig wie in den Stunden zuvor. Eigentlich schmücken in der Jackson Pollock Bar lange Schlangen von Frauen regelmäßig auch die Männertoiletten, heute kommt man überall zügig voran. Drin führen zwei Mädels genau die Art von Gesprächen, die nur durch eine Toilettentür geführt werden können („Meinst du echt, er hat mich angeschaut?“). Kajalstifte werden gezückt, the party goes on. Es gibt sogar noch Klopapier.

„Liebe“ schreit mir die Spültaste der Toilette entgegen, und die Wand, etwas leiser: „Feminism is not a crime“. Zurück auf dem Weg zur Tanzfläche hält mir ein netter Erstsemester höflich die Türe auf. Soll mir noch mal eine(r) Feminismus predigen.

Aufregerle

Das eigentliche Aufregerle ist wohl, dass es kaum eines gibt. Die Anwesenden wirken zum Teil so friedliebend, dass man barfuß mit ihnen um Bäume tanzen möchte.

Fazit

Kann man einen Abend als „sympathisch“ bezeichnen? Falls ja, war er das. Nettes Publikum, angenehme Besucherdichte, solide Musik. Eine rundum gelungene Sache für Beatsalon-Fans. Für Denkwürdiges war aber nicht viel Raum.