Nightlife-Guru: 2. Low Mid High @ White Rabbit

Nightlife-Guru

Elektronische Musik? Ist stumpfsinnig und klingt doch immer gleich. Denkste! Denn das White Rabbit tritt dieses Wochenende mit dem Low Mid High Festival zum zweiten Mal den Gegenbeweis an. Klangtüfteleien, Lesung, verschiedenste DJs, Diskussion - da biss unser augenberingter Nachtarbeiter natürlich an, glühte mit Lidl-Vodka vor und taumelte mit seinem besten Kumpel in den Hasenbau. Der wollte an jenem Abend natürlich nur eines: Die Frau fürs Leben finden. [Ironie-Modus aus.]




Die Jungs an der Tür

Alles cool, ich komm super früh und entgehe also dem Tauschhandel namens „Kohle gegen Stempel“. Sonst: Abend 5 Euro, Festival 8 Euro. Es ist nämlich Low Mid High – wie schon letztes Jahr ein Wochenende der elektronischen Musik und allem Pipapo drum herum. Preis also oll korrect. Dafür gibt’s auf der Sea of Love noch nicht mal ’nen feuchten Händedruck.

Inneneinrichtung & Deko

Festschmuck: Wäscheleinen, an die Gäste persönliche Dinge hängen. Heilsame Großgrafiken von der Grafischen Heilanstalt mit – zum Beispiel – ornamental umwundenem iberischem Frauenkopfprofil. Großer, zweidimensionaler Kassettenrekorder aus good old Disketten (Maja Yes Ayah). Wie Christo, damals, Reichstag: Vieles mit Liebe zum Detail verhüllt, eingepackt, in Folie, was der Location phasenweise den work-in-progress-Charakter einer Hasenbaustelle gibt.

Wer war da?

Irgendwie nicht die typischen Hasenbouncer, falls es diese Gattung überhaupt gibt. Das heißt aber nicht: unsympathisch. Studis, natürlich, the usual Müßiggänger, Karikaturen im Positiven, paar Nachtmacher, paar Kulturfuzzis, klar. Aber eben dann auch Duracellinden, spanische Alternativos, Schrägomaten, die ich-weiß-nicht-woher kommen, und Abi-Tches samt männlichem Anhang.

Party-Atmo & Klangwaren-TÜV

Schön, dass das Festival ein so abwechslungsreiches Programm bietet. Zwar zum Glück nicht „Da ist für jeden was dabei“, aber zum Einklang ein bisschen Klangschwurbelei und ein smooth abhebender DJ-Setjet. Dann Spoken Word in Form einer klassischen Lesung: Hoch meets Sub zum Thema Party, was bedeutet: Texte zwischen Thommy Mann und DJ Bobo. Und irgendwann, zwölf oder ähnliches, stellt sich DJ Tool hinter die platten Teller.

Tiefe Hausmusik aus Chicago und Region. Sich fallen lassen in den Abend, einen Vodka Lemon den anderen jagen lassen, Schnack hier, Schnack da, - mit aufgeschlossenen Menschen, mit freundlichen, mit weggetretenen.

Mmh, lecker, der Klang. Gegen eins verstaut DJ Tool sein Softeis in der Kühltruhe und holt die Plombenzieher raus. Härter, tut gut: Die Leude woll’n das jetzt, und er auch – mutual friendship, man versteht sich.

Schöne Tänzerinnen, ausgeflippte Tänzer. Die Cliquen dancen aber eher für sich, die Mädels woll’n mit fremden, bösen Onkelz auch keinen Jägi an der Bar trinken, und so bleibt einem selbst nur man selbst und der Homie. Keine Abschlepp-Party also wie damals, StuSie. Keine PH-Sies, die wissen wollen, wie sich fremde Lippen auf den eigenen anfühlen. Nur die vermittels eines Zeugnisses in Lichtgeschwindigkeit gereiften Abiturientinnen suchen nach einem Vermesser ihrer stofflichen Welt und bleiben doch ihren Tanzpartnern vom Abi-Ball verhaftet.

Dennoch: Unio mystica auf dem Parkett der Hasenbaute, das Gefühl, Teil eines größeren Party-Plans zu sein und bliss sowie harmony. Kein nerviges Pogo, keine aggressiven Ellbogen harter Nacken – obwohl mittlerweile Ricordo erinnerungswürdige und industriell-urbane Platten in den Raum wirft.

Wir haben drei oder vier oder so, mein Kumpane sagt: Nee, vier oder fünf – Zeitumstellung. Ich sage: Nee, erst SA auf SO. Er sagt: Ja, eben. Ich sag: Wir haben FR auf SA. Er: Ah, ja, krass! Ich: Aber eigentlich egal, ob heute oder morgen.

Catering

Wie gesagt: Ein Vodka Lemon jagt den anderen. Gute Mische aus Riesenkübeln. Zwischendurch ein paar Jägis als Kickerle – das brennt dann immer zuerst so geil in der Kehle und schießt dann immer so geil hoch, ins Gehirn, wo dann wahrscheinlich viele Zellen draufgehen. (Schon erinnere ich bei Pi die siebte Zahl hinterm Komma nicht mehr. So schnell kann’s gehen.) Und immer schön mit Bier nachspülen, sagt mein Buddy und reicht mir ’ne Flasche, die irgendwo ’rumstand und irgendwem gehört. Irgendwie Angst vor K.O.-Tropfen. Aber ich schlucke trotzdem, du Luder namens Biergit.

Morgens um halb fünf aufm Klo

Kumpel hat endlich ’ne Lady an der Angel, geht kurz aufs Klo, kommt zurück – Fanta Vier: Sie ist weg. Fatal, darfste nicht machen. Selbstvorwürfe von ihm, Unverständnis von mir. Andererseits: Das Bier treibt gut, und so muss hin und wieder ausgetreten werden, hilft ja nichts, Flirt hin, Flirt her. Oder halt Katheter im Hip-Bag von Eastpack. Wäre aber vielleicht ein bisschen zu Neunziger. Ach, Gott, was für ein Dilemma!

Fazit

I like very mucho! Oder: Angenehme, anregende Projekte und Menschen in einer ebensolchen Atmosphäre.

[Fotos werden eventuell nachgeliefert. Wir bemühen uns darum.]

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