Nighlife-Guru: Tour de France auf dem ZMF

Nightlife-Guru

Puh, bei dem Überangebot, Pendeln zwischen WM und ZMF, Figaro hier, Figaro da, kommt selbst unser Guru mal kurz ins Schwitzen. Vor jedem Guru steht ein Uru –an diesem Abend mit dem Spiel um Platz 3. Und dann noch die Gluthitze. Zeit für einen musikalischen Ausflug in unser westliches Nachbarland, dachte sich der Nightlife-Guru.



(Die Jungs) An der Tür

…sind drei charmante Damen im blauen „Pilskopf“-T-Shirt eines Gerstensaftherstellers, die mir gegen Vorzeigen meiner ID Einlass gewähren: „Nachname Guru, Vorname: Nightlife“ steht da fein säuberlich vermerkt und mit einem freundlichen SchönenAbendnoch! werde ich mit meinen zwei Begleiterinnen gen Frankreich gewiesen. La douce France. Kurzer Kameraschwenk: Uffz, es ist schon ein Mann da!



Inneneinrichtung & Deko

Die Deko: schwülheiße Luft, durch und durch, fein säuberlich verteilt, in dicken Schwaden girlandengleich aufgehängt, gut abgehangen vom Tage, versetzt mit dem olfaktorischen Renner der Saison, Parfum de Axel Schweiß. Bei der Deko verlässt man sich hier ganz auf den überwältigend-nostalgischen Charme des Spiegelzeltes, einem location-technischen Selbstläufer.

Null Frankreich-Bezug, keine Wimpelchen oder Poster. Oh, halt, doch! Ein paar ‚Le Tour’-Flyer zieren die Tische. Unter uns: Da hätte man sich nicht etwas mehr Mühe geben, sondern überhaupt mal ansatzweise bemühen können, zumal hier an diesem Abend kein Konzert anstand, also reichlich Zeit da war. Bon, wie gesagt, das Spiegelzelt kann man peut-être auch gar nicht verschönern.
 

Wer war da?

Frauen, Frauen, Frauen, Und dann und wann ein Mann. Wenige coqs sportifs, also wenige Modelle tanzender Hahn im Korb. Hier verlängern sich die Geschlechterquoten aus dem Romanistik-Studium, heute Frankomedia und Mankomedia oder so. Der Altersschnitt liegt über dieser Phase (Ausbildungsende und Berufsstart), zum Teil auch im gehobenen Mittelalter. Mais qu’importe? Hier wird ein frankophiles, frankophones Freudenfest gefeiert, das Warmtanzen zum Nationalfeiertag, dem 14 juillet. Flair einer Spätromanistenfete.

Mit an Bord: die hübsche Filigrane mit Selbstgedrehten, das innig knutschende Liebespaar, als wollte es den ganzen Abend Robert Doisneaus berühmtes Foto [[LINK EINFÜGEN]] nachstellen, ältere Solo-Lolas auf später Pirsch, vereinzelte Schland-Fans mit entsprechenden Devotionalien, viele Madames & Mademoiselles mit schwingendem Tanzbein, reichlich Barfußtänzer, lange und kurze Beinkleider halten sich die Waage. Gewagte Flip-Flop-Tanzschritte treffen auf Ansätze von Ausdruckstanz. Kurzum: viele süße nanas, wenige kernige mecs – impecc’!

Klangwaren-TÜV & Partyatmosphäre

Der Münchner DJ Thomas Bohnet thront schwingend hinter seinem DJ-Pult, groovet schwer sympathisch mit. In den 90er Jahren hat er angefangen, in Konstanz ausschließlich Franzackenmucke aufzulegen. Nun macht er das einmal im Monat in München und auch regelmäßig in Berlin und unregelmäßig in anderen deutschen Städten.

Dabei beweist er meistens ein sicheres Händchen, zelebriert mit ein paar Songs wilden Folklore-Rock aus dem Hexagon, serviert einen Block aus Raï-Songs und widmet sich dann dem (nicht nur ironisch) gebrochenen Reggae eines Tiken Jah Fakoly, anschließend dem Rap. Passend zur canicule, zur Gluthitze, schütteln sich die Leiber zu Voilà l’été. Dann der Rita Mitsouko-Kracher Marcia Baïla, den jeder französische Staatsbürger auswendig kenn muss, um der Expatriierung zu entgehen. Auf einen Schlag verdoppelt sich der Mob der Bewegungswütigen.   Mit Spätachtziger-Synthiepop à la Voyage, Voyage treten allerdings einige wieder die Abreise aus der Tanzfläche an – Aufs & Abs eines DJs, eines Abends, einer Soirée. Kurz darauf zündet der Franzosen-Fan an den Plattentellern seine Nacht-und-Nebel-Rakete und schickt Stromae mit Alors, on danse ins Rennen – der Maestro ist im Haus. Die erste komplett französischsprachige Nr. 1 der deutschen Charts seit gut 20 Jahren. Jetzt rollt der TGV, der Tanz à Grande Vitesse. Einwandfrei der Sound, der DJ zelebriert der Stile viele, immer mehr Neugierige strömen herein und feiern ein friedliches Frenchy-Fest.



Catering & Getränke

3 Euro für den demi litre von AfriCola oder Bluna, Marke Cuvée Plastique, also stillos in der PET-Flasche serviert. Das 0,4 l Pils für 2,80 ist für ZMF-Verhältnisse absolut okay. Für’n Fünfer gibt’s Caipi, für die Hälfte ’nen halben Liter Eau Gazeuse. Da kann man nix sagen außer – ça va, quoi.   Für Wein ist es eigentlich allen zu heiß. Das unterscheidet uns vom gemeinen Franzosen, der kennt derlei Probleme nicht. Neulich lag in einem französischen Weingut ein Artikel aus, demzufolge der Konsum von drei ordentlichen Gläsern Wein – gemeint ist eine knappe 0,75 l Flasche! – erstens der Gesundheit zuträglich seien und zweitens dem Führen von Kraftfahrzeugen keinerlei Abbruch tun. Savoir-vivre? Oder leben und leben lassen? Mon Dieu!

Auf dem Klo (um halb zwo)

Ruhig geht es hier zu. Was jetzt noch nicht rausgeschwitzt ist, landet eben hier. Also so gut wie gar nichts.



Aufregerle

„Pah, 6 Euro wollen die!“, entfährt es der feschen Kim, die mit ihren Homies im Stile einer kleinen Diva vorm Eingang zum Spiegelzelt kehrt macht. Nach Mitternacht ist der Eintritt abgeschafft, und um 0.45 Uhr haben es nun auch Kim & ihre Crew gemerkt. Und halten Einzug. Es ist wie bei der Tour de France: Die Ausdauer entscheidet über Sieg (Einlass) oder Niederlage (abdrehen und heimgehen).

Aufheiterle


„ZMF isch geil!“
, erklärt ein Typ seiner weiblichen Begleitung beim Verlassen des Festivalgeländes. Wir haben verstanden. Und sind heute mal kulant: Unrecht hat er da nicht, oder?

Fazit

Friede, Freude, und statt Eierkuchen eben Quiche – von gelassen bis ausgelassen wird kein Franzosen-Act ausgelassen. Hoch die Daumen, hoch die Tassen!



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