Niemals mit Flipflops in der ersten Reihe stehen!

Dirk Philippi

Stefan Dietrich ist der Regional- Vorstand der Johanniter für den Bereich Oberschwaben-Bodensee und der Chef-Engel und -Helfer auf dem Southside-Festival. fudder hat den Organisator des Sanitätsdiensts vor Ende der Flughafen-Sause zu einem kurzen Interview getroffen und erfahren, welches die schlimmsten Verletzungen waren und warum die Sanitäter hier ehrenamtlich ihren anstrengenden Dienst leisten.



Ihre Lieblingsband?

Deichkind! Aber leider konnte ich nur zwei Songs hören – die einzigen zwei Songs während des gesamten Festivals übrigens.

Werden Sie das Southside 2008 in guter Erinnerung behalten?

Ja, auf jeden Fall. Zwar ist die absolute Zahl an Behandlungen gestiegen, aber die der schwereren Vorfälle ging deutlich zurück. Zudem hat unser Team gut funktioniert.

Nennen Sie doch bitte einmal diese Zahlen.

Von den insgesamt rund 1800 Einsätzen waren 500 Kleinst- und Kleinverletzungen und nur fünf von der schweren bis schwersten Sorte.

Was gehört zu diesen 500 kleineren Dingen?

Das sind Vorkommnisse wie Bitten nach einem Pflaster wegen einer Blase am Fuß oder einem schnellen Check, ob der Sonnenbrand vielleicht doch schon etwas zu heftig ist. Für diese schnelle Hilfe haben wir unsere Ambulanz-Zelte.

Und die restlichen 1300 Verletzungen?

Ganz unterschiedlich: Ravioli-Dosen-Schnittwunden, Hitzschlag, Sonnenstich, einfach mal den Rausch ausschlafen, Bauchweh, Blessuren an Bändern und vieles mehr. Ach und besonders blöd und immer häufiger Grund von Verletzungen ist es, mit Flipsflops in der ersten Reihe stehen!

Was war der schlimmste Unfall?

Zum einen ist jemand beim Rennen zwischen den Zelten über einen Kocher gestolpert und hat das kochende Nudelwasser über den Fuß bekommen. Ganz schlimme Verbrennungen sind das, bei denen sich komplett die Haut ablöst. Zum anderen ist noch eine Wirbelsäulen-Geschichte offen – da müssen wir mal sehen, aber hoffen wir das Beste.



Wie viele Sanitäter haben Sie denn im Einsatz?

Wir arbeiten in zwei Schichten mit jeweils 140 ehrenamtlichen Mitarbeitern. Insgesamt sind es 340 Sanitäter und 30 Ärzte.

Ehrenamtlich?

Klar! Unsere Leute arbeiten ohne einen Cent extra dafür zu bekommen, sondern, weil es Ihnen hier einfach Spaß macht. Außerdem können unsere jüngsten immens viel lernen, da sie ja sonst niemals solch einen Patientendurchlauf haben. Für unser internes Teambuilding ist das eine klasse Sache. Erst gestern hab ich wieder 20 Mann nach ihrer Schicht gemeinsam losziehen sehen.

Logistisch ist das Southside sicherlich eine große Herausforderung…

…und deshalb sind wir sehr glücklich, dass alles so gut klappt. Zudem haben wir ja aus den Erfahrungen der letzten Jahren gelernt und entwickeln uns weiter. Mittlerweile haben wir zum Beispiel eine eigene Eismaschine hier, um die notwendige Kühlung für unsere Patienten zu sichern, und – ganz neu – sogar eine Feldwäsche, damit wir auch immer blitzsauber sind im Einsatz (grinst).

Ihr Fazit für 2008?

Man muss das einfach so sehen: Das Southside ist mit 50.000 Menschen eine Stadt! Eine Stadt mit 50.000 jugendlichen Einwohnern, die allesamt drei Tage feiern. Ich bin bis jetzt wirklich sehr zufrieden mit dem Verlauf, der Arbeit unserer Leute und dem Auftreten der Patienten. Wir freuen uns jedenfalls aufs nächste Jahr!

Mehr dazu:

fudder.de: Remmidemmi-Video
fudder.de: Foto-Galerie Southside 2008
fudder.de:
Zwischen Flunkiball und Pissrinnen (Podcast)
fudder.de:Encyclopaedia Southsidetica(Das Southside-Alphabet)