Niederrimsinger Baggersee: Umweltschutz statt Liegewiese

Gerold Zink

Große Aufregung am Niederrimsinger Baggersee: Die Liegefläche am Ostufer, mehreren tausend Quadratmeter groß, ist mit Furchen durchzogen und für Badegäste nicht mehr nutzbar. Damit sei man einer Auflage des Landratsamtes Breisgau-Hochschwarzwald gefolgt, behauptet die Firma Hermann Peter KG, der das Gelände gehört. Das Landratsamt bestätigte dies. BZ-Redakteur Gerold Zink über das Ende der Liegeflächen am Ostufer des beliebten Baggersees.



Thomas Bartsch aus Freiburg ist außer sich. Seit 30 Jahren ist er Gast an dem beliebten Baggersee, der im Hochsommer an den Wochenenden regelmäßig mehrere tausend Besucher anzieht. „Was jetzt geschah, ist eine Kriegserklärung an alle Badegäste“, betont er. Das mehrere hundert Meter lange Ostufer sei vorsätzlich von Furchen, „die wie Schützengräben aussehen“, durchzogen worden.


Eineinhalb Meter tiefe Furchen wechselten sich nun mit ebenso hohen Hügeln ab. „Es sieht grässlich aus, der See ist für mich ein Stück Heimat, mein Meer, nun ist vieles zerstört“, erklärt er fassungslos.

Bartsch bezeichnet sich selbst als einen sehr friedfertigen Menschen, der es auch gut verstehen kann, dass sich die Betreiber des Baggersees immer wieder über Lärm, Müll, Verkehr und nächtliche Partys ärgern.

In den vergangenen Jahren sei jedoch immer mehr ein vernünftiges Miteinander entstanden. So hätten viele Badegäste zum Beispiel von sich aus den Müll anderer mitgenommen. Außerdem habe die Gemeinde einen kostenfreien Parkplatz angelegt, um die Verkehrssituation zu entschärfen. Insofern könne es Bartsch „absolut nicht verstehen“, warum die Firma das Ostufer jetzt zerstört habe. Nun stehe den Badegästen lediglich noch die Nordseite des Geländes als Liegefläche zur Verfügung.

Der Baggersee gehört der Firma Hermann Peter KG. Auf dem rund 90 Hektar großen Gelände werden seit 1962 vor allem Sand, Kies und Edelsplitt gefördert und hergestellt. Die Kiesvorräte reichen nach Schätzung des Unternehmens noch für mehrere Jahrzehnte. Allerdings müsse die Abbaugenehmigung alle 15 Jahre erneuert werden, was erst jüngst erfolgt sei.

Bei der Verlängerung der Abbauerlaubnis sei dem Betrieb im Rahmen eines Planfeststellungsverfahrens vom Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald unter anderem zur Auflage gemacht worden, das Ostufer für Badegäste unzugänglich zu machen, verlautet aus der Firma. Man habe jetzt lediglich den Beschluss der Behörde umgesetzt. Auch am Nordufer, das momentan den Besuchern noch als Liegefläche bleibt, werde sich mit der Zeit etwas verändern, denn dort werde weiter Kies gefördert.

Stefan Haines, Pressesprecher des Landratsamtes Breisgau-Hochschwarzwald, bestätigte gegenüber der Badischen Zeitung die Aussagen der Firma. Im Jahr 2003 sei über eine Erweiterung des Kiesabbaus diskutiert worden. Teil des dabei erlassenen Planfeststellungsbeschlusses sei ein landschaftspflegerischer Begleitplan gewesen.



Dieser sehe vor, den Badegästen den Zutritt zum Ostufer zu erschweren, um die unter Naturschutz stehenden Gebiete unweit des Gewässers zu schützen. Dazu sei das Unternehmen verpflichtet worden.

Laut Haines haben Ende Mai Mitarbeiter des Landratsamtes bei der Hermann Peter KG in Niederrimsingen nachgefragt, wie es denn mit der Umsetzung der 2003 beschlossenen Auflage stehe. Daraufhin habe die Firma jetzt wohl gehandelt und gestern dem Landratsamt Vollzug gemeldet.

Auf Nachfrage erklärte der Pressesprecher, dass dem Landratsamt durchaus bewusst sei, dass es sich bei dem Niederrimsinger Baggersee um eines der beliebtesten Naherholungsgebiete der Region rund um Freiburg handle. Dies habe auch die Interessengemeinschaft Baggersee 2003 im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens deutlich gemacht.

Weder die Breisacher Stadtverwaltung noch die Niederrimsinger Ortsverwaltung wurden im Vorfeld über den Schritt informiert. Niederrimsingens Ortsvorsteher Wendelin Hintereck verschaffte sich nach dem Anruf der BZ jedoch noch am vergangenen Freitag vor Ort ein Bild von der Lage. Er nahm Kontakt zur Breisacher Stadtverwaltung auf und bestätigte, dass das Ostufer derzeit für Badegäste nicht zugänglich ist.

Da der geschäftsführende Gesellschafter der Hermann Peter KG, Thomas Peter, Ende vergangener Woche jedoch nicht im Werk in Niederrimsingen zu erreichen war, will Hintereck in dieser Woche noch einmal versuchen, nähere Informationen aus erster Hand zu erhalten.

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fudder.de:
Breisgau Badeseentest (6) - Niederrimsinger Baggersee