Nie wieder Kalorien

Lorenz Bockisch

Schon gewusst, dass es jetzt trotz dieser Überschrift nicht um die Gewichtshalbiererin geht? Es dreht sich um die endgültige Umsetzung einer über zwanzig Jahren alten EU-Richtlinie, die die länderübergreifend einheitliche Verwendung von Einheiten regelt. Und danach muss in drei Jahren keiner von uns mehr Kalorien zu sich nehmen.

Die beliebte Einheit Kalorie, mit der der Energiegehalt von Lebensmitteln angegeben wird, hat zwei entscheidende Makel. Zum ersten wird sie umgangssprachlich falsch verwendet: Wer von Kalorien redet, meint meistens Kilokalorien (kcal), die auf Lebensmittelpackungen angegeben sind. Zum anderen ist sie nicht exakt definiert: Eine Kalorie entspricht zwar der Wärmemenge, die benötigt wird, um ein Gramm Wasser um ein Grad Kelvin zu erwärmen, doch haben verschiedene Eichinstitute verschiedener Länder unterschiedlich festgelegt, bei welchem Druck und bei welcher Temperatur diese Erwärmung stattzufinden hat.


Deshalb ist man dazu übergegangen, die Energie in Joule anzugeben. Diese Einheit entspricht ungefähr dem 4,2-fachen einer Kalorie und ist eindeutig definiert in Abhängigkeit von den international anerkannten SI-Einheiten Kilogramm, Meter und Sekunde. Und ab 2010 darf nur noch diese Einheit benutzt werden, um den Energiegehalt eines Schoko-Nuss-Brotaufstriches oder eines Bechers mit körnigem Frischkäse anzugeben.

Erwähnenswert ist noch, dass es sogenannte "negative" Kalorien nicht gibt. Damit sollen Lebensmittel umschrieben werden, bei deren Verzehr man angeblich mehr Kalorien verbraucht, als diese enthalten. Das klassische Beispiel dafür ist, neben Sellerie oder Spargel, kaltes Wasser, das der Mensch nach dem Verzehr auf seine Temperatur bringen muss. Das ist insofern unrichtig, als dass der Körper diese Wärme ohnehin produziert und so einfach weniger über die Haut nach außen abgibt. Nur bei wirklicher Unterkühlung des Körpers wäre ein Kalorienverbrauch messbar.