Nicolas und seine Freunde: Frankreichs Politiker vernetzt im Failbook

Joana Jäschke

In seinem Failbook-Profil hat Nicolas S. 22 Freunde. Er interessiert sich hauptsächlich für Frauen, ist auf der Suche nach ernsthaften Beziehungen und schaut im Fernsehen am liebsten Sendungen, in denen er selbst vorkommt. Und weil er von sich so begeistert ist, hat er sich zu seinen eigenen Freunden hinzugefügt. Nicolas S., das ist Nicolas Sarkozy. Und Failbook eine fanzösische Parodie auf Facebook, klar.



Zu Nicolas S. Zitatenschatz gehören Sätze wie „Was kostet die Rolex?“ und „Vincent, kannst du mir deine Yacht borgen?“ All das verrät die französischen Website Failbook.fr.


Die Parodie auf soziale Netzwerke wie zum Beispiel Facebook zieht die französische Politik und ihre Protagonisten durch den Kakao. Ihr prominentestes Opfer: Präsident Nicolas Sarkozy. Aber auch die komplette Ministerriege bekommt ihr Fett weg. Ausgeheckt haben das Ganze die französischen Studenten„rObOu“ und „Ari“, die anonym bleiben wollen. Failbook habe sich ihnen geradezu aufgedrängt. „Die Ähnlichkeit zwischen Facebook und dem politischen Leben in Frankreich ist enorm“, sagt rObOu.



„Die gleiche Vetternwirtschaft, Gruppen von Leuten mit ähnlichen Ideen und vor allem solche mit einem aufgeblasenen Ego, die sich ständig gesellschaftlich hervorheben wollen“, fügt er hinzu.

Failbook gibt einen guten Überblick über die jüngsten politischen Ereignisse. So schaute Barack Obama im Juli nicht nur in Paris vorbei, sondern auch auf Failbook. Und bedankte sich auf der Pinnwand von Nicolas S. mit folgender Nachricht: „War schön dich zu treffen. Übrigens siehst Du im Fernsehen viel größer aus!“.

Als Außenminister Bernard K.(ouchner) wegen des eskalierenden Krieges im Kaukasus nach Georgien reist, verrät das Profil von Nicolas S.: „Nicolas S. schaut erstmal, ob Bernard K. sich in Georgien abknallen lässt, bevor er selbst in das Krisengebiet reist – olàlà diese EU-Ratspräsidentschaft ist echt mies.“

„Wir wollen mit Leichtigkeit und Humor über Politik berichten, ohne dabei wie die Medien alles zu sehr zu dramatisieren“, betont Failbook-Gründer Ari.

Den Namen (übersetzt: Versagerbuch) haben sie nicht nur wegen der Ähnlichkeit zu Facebook gewählt. „Die Idee des Versagens passt doch ganz gut zur Politik. Die Seite schnappt kleine Misserfolge oder Fehlschläge auf, die einige Menschen lieber im Dunkeln lassen würden, statt sie in den Medien auszubreiten“, sagt  Ari.

Deshalb sammelt das Failbook-Team, das mittlerweile auf fünf Mitglieder angewachsen ist, auch so viele Infos wie nur möglich zu den einzelnen Politikern. Die kleinen Geschichten, Gerüchte und das Gerede um die einzelnen Personen werden dann mit Humor und einer Prise Sarkasmus aufbereitet.

Sollte jemand enttäuscht sein, sein Profil auf der Plattform nicht zu finden, lautet der Rat der Failbook-Macher: Keine Panik. Ein Profil bekommt nur, wer auch politisch etwas zu sagen hat. Deshalb hat Präsidentengattin Carla Bruni auch noch keinen Account. Dafür gibt es aber reichlich Kommentare der Kabinettsmitglieder zum neuen Album der Première Dame, das sie kurz vor der Sommerpause noch allen Ministern geschenkt hatte. Der trinkfeste Umweltminister Jean Louis B.(orloo) findet zum Beispiel, „dass ihre CD einen prima Bierdeckel abgibt.“

Und der sonst eher unauffällige französische Premier François F.(illon) ist der Gruppe "Ich mag Carla Brunis neues Album nicht und habe den Mut, das zuzugeben" beigetreten.



3000 Besucher klicken sich täglich durch die Fettnäpfchen der politischen Elite – und schreiben sich ihren Polit-Frust von der Seele. Bei den Nachrichten, die sich die „Politiker“ auf ihren Pinnwänden hinterlassen, können die User nämlich mitmischen.

Etwa 80 Vorschläge für Nachrichten erhält das Team um rObOu und Ari jeden Tag. Die Politiker scheinen die Provokation gelassen zu nehmen. Oder sie sind gerade im Urlaub.

Bisher hat sich noch niemand beschwert. Sollte sich das nach der Sommerpause ändern, haben die Failbook-Erfinder bereits vorgesorgt: Sie bitten auf der Seite freundlich um Spenden „um uns zu gegebener Zeit einen guten Rechtsanwalt zu leisten“ schreiben sie im Impressum.

Mehr dazu:

Web: Failbook.fr