Nickerchen und Hauptseminare: Rutschen in die Müdigkeit

Marc Röhling

fudder-Mitarbeiter Marc Röhlig startet ein Experiment: Effizienter Lernen und Arbeiten durch polyphasischen Schlaf. Klappt das? Das Protokoll des dritten Tages. Marc: "Eine Achterbahnfahrt durch Sirup" ... [Mit Video!]

 

Mittwoch I, 15.14 Uhr

Bisher hatte ich ja meine guten Phasen. Nur kurz vor und nach den Nappings merkte ich, wie mir der Körper entgleitet. Jetzt ändert sich das: Ich bin nun dauerhaft in diesem zäh-zehrenden Zustand. Eine Achterbahnfahrt durch Sirup; mal geht es ein Stück aufwärts, dann rutsche ich wieder lang und unabwendbar in die Müdigkeit.

Persisch heute morgen war eine Qual. Ich musste mich kneifen, rumzappeln, mir ständig die Augen reiben. Ist zum Glück ein Anfängerkurs und jeder schaut schwitzend auf die Vokabeln – so kann ich hoffen, nicht weiter aufzufallen. Müde heißt auf Farsi übrigens „khaste“.

Mittagsschlaf und Nachmittags-Nap war bei fudder. Dazwischen Mensa mit den Jungs. Hauke schwärmte, er habe gerade einen schönen zweistündigen Mittagsschlaf hinter sich. Django frohlockte, man müsse ja nun Wetten auf mich abschließen. Drösel schüttelte einfach nur den Kopf. Gestern waren die Jungs Burger futtern und ich konnte schlafbedingt nicht mit. Ist schon prima, dieser Zeitgewinn für Freunde und Freizeit.

Habe jetzt noch bis abends Hauptseminare. Die letzten Vorbereitungstexte eben erst aus dem Ordner geholt und rasch durchgearbeitet. War das jetzt schon hochkonzentriert und effizient? Oder eher fahrig und ungenau?

Donnerstag I, 1.57 Uhr

Zeit für ein erstes Resümee. Drei Nächte arbeite ich bereits an der Umstellung; zuletzt möchte ich mehr Zeit und effizienteres Lernen erreichen. Ich nehme Zeit immer seltsamer wahr. Ertappe mich oft dabei, schon ein paar Tage weiter zu sein. Ist heute Donnerstag? Oder schon Samstag? Mhm, wenn man mal 22 Stunden wach ist, merkt man erst mal, wie lang so ein einzelner Tag doch sein kann. Ich sehe die Sonne aufgehen und untergehen, erlebe den Tag als ganze Einheit - wahrscheinlich fühle ich deshalb schon weiter.

Die ersten beiden Nächte waren zähflüssig; vor allem in den Morgenstunden. Gerade der Mittwoch fühlte sich nicht gut an. Doch in den Abendstunden ging es mir bisher immer gut. Wahrscheinlich lässt sich der Körper austricksen: Gibt man ihm Arbeit, vergisst er seinen Zustand. So hatte ich vor allem bei meinen gestrigen Hauptseminaren keine Schwierigkeiten; ich war gut drauf und fit.

Hält auch bis jetzt noch an. Gerade sitze ich an einer Arabisch-Übersetzung. Mal schauen, wie lange mich das wach und bei Laune hält. Was ich allerdings neben der guten Laune bemerke: Ich bekomme eine Erkältung, die Beine werden immer mal schwer und Appetitlosigkeit wechselt sich mit Heißhunger ab. Meine Freundin meint, ich wirkte heute schon mal hin und wieder „weit neben der Spur“. Wird also so eine Geschichte: Körper vs. Kopf!

Donnerstag I, 2.44 Uhr

Befinde mich im Zwiespalt: Eigentlich will ich jetzt gar nicht schlafen. Bin gerade richtig gut munter. Und ich weiß nicht, ob das nach dem Nap so bleibt. Aber andererseits liegt da Julia im warmen Bett und hier draußen ist es kalt und einsam. Habe sogar das Gefühl, dass sie im Schlaf merkt, wann es Napping Time ist. Sie schlägt dann die Decke beiseite und sucht mit ihren Armen das Bett ab. War gestern so. Ist jetzt wieder so. Schööön.

Donnerstag I, 4.18 Uhr

I knew it. Keine zehn Minuten aus dem Nap zurück und dann schlug mir am Schreibtisch, Bam!, die Schlaflust hart ins Gesicht. Die arabischen Buchstaben verschwammen nur noch zu einem Brei aus Punkten und Kreisen. Gut, okay, so sehen die auch im Normalzustand aus, aber ich will ja eigentlich übersetzen. Bin dann durch Zähringen spazieren gegangen, an der Bude meines Kumpels Django vorbei. Leider schläft er.

Aber die Atmosphäre war großartig. Diese frische, klare Luft; der leicht seifig-grasige Duft von frisch geplatzten Knospen; das a piacimento der ersten Sperlinge; der (fast?-)Vollmond darüber. Wirkt jetzt einigermaßen.

Donnerstag I, 11.45 Uhr

Vormittag lief erstaunlich gut. Bin zwar nicht energiegeladen, aber dafür auch nicht niedergeschlagen. Gewöhne ich mich so langsam ein? Habe auf jeden Fall beschlossen, mich auf die Seite des Kopfes zu schlagen. Auch wenn die Glieder schmerzen – mein Support geht ans Hirn. Ich werde es mal mit Gute-Laune-Musik versuchen. Jetzt noch der Mittags-Nap, dann zu den Jungs in die Mensa. Mal schauen, wie die ersten Wetten stehen …