Verhaltenstipps

Nicht nerven: 7 No-Gos bei der Wohnungsbesichtigung

Katja Fischer & Julia Dreier

Die Wohnungssuche ist schwer genug. Blöd, wenn man es sich bei der Besichtigung mit Makler oder Vermieter verscherzt. Wir sagen euch, was absolute No-Gos sind – und wie ihr trotzdem kritische Fragen stellen könnt.

Die Wohnungssuche wird zunehmend schwieriger. Und ist mal eine Schöne dabei, muss man noch den Vermieter oder den Makler von sich überzeugen. Wie tritt man richtig auf? Welche Fragen sind angemessen, wie kritisch darf man sein? Die oberste Devise lautet: Nicht nerven. "Freundlichkeit und etwas Diplomatie helfen meist weiter", sagt Siegmund Chychla vom Mieterverein Hamburg. Die Profis erklären, was man unbedingt vermeiden sollte – und wie man es trotzdem schafft, unangenehme Fragen loszuwerden.


1. Überkritische Mängelsuche

Vermieter wollen nicht immer etwas verbergen. "Sie sind grundsätzlich an guten und langfristigen Mietverhältnissen interessiert, haben also nichts gegen gut informierte Mieter, die ihre Rechte kennen", sagt Alexander Wiech vom Eigentümerverband Haus & Grund Deutschland. "Außerdem sind Vermieter sogar verpflichtet, Mängel anzugeben, wenn sie davon Kenntnis haben." Sie müssen sie dann in einer angemessenen Frist, möglichst vor dem Einzug, beheben. Chychla rät daher, bei der Besichtigung zurückhaltend mit der überkritischen Mängelsuche zu sein: "Am besten ist es, freundlich und seriös aufzutreten. Und lieber etwas tiefer stapeln, als allzu kritisch nachzufragen." Das heißt aber nicht, eventuelle Mängel seien hinzunehmen.

2. Unsensibles Fotografieren

"Wer Fotos in der Wohnung machen möchte, muss vorher unbedingt den Vermieter oder Makler fragen und seinen Wunsch auch begründen", sagt Michael Drasdo, Vorsitzender des Gesetzgebungsausschusses Mietrecht und Immobilien im Deutschen Anwaltverein. So kann es wichtig sein, im Vorfeld die Küche zu fotografieren, wenn später die eigenen Möbel eingebaut werden sollen. Besondere Sensibilität ist in bewohnten Wohnungen angebracht. "Dort dürfen Fremde keinesfalls in das Persönlichkeitsrecht der Bewohner eingreifen", betont der Rechtsanwalt. Es verbietet sich also, dort ungefragt Dinge anzufassen.

3. Die Wohnungsgröße selbst ausmessen – zur Kontrolle

Entscheidend ist, was im Vertrag steht. Allerdings darf die dort angegebene Zahl bis zu zehn Prozent von der tatsächlichen Wohnungsgröße abweichen. "Statt beim Besichtigungstermin alle Räume auszumessen, kann man zum Beispiel den Vermieter um einen Grundriss der Wohnung bitten", empfiehlt Chychla. "Verweigert er ihn aus fadenscheinigen Gründen, ist anzunehmen, dass er mit der Wohnungsgröße gemogelt hat."

"Lieber etwas tiefer stapeln, als allzu kritisch nachzufragen." Siegmund Chychla

4. In jeder Ecke nach Schimmel suchen

Feuchtigkeit ist ein handfester Grund, Abstand von der Wohnung zu nehmen – auch wenn sie noch so gut geschnitten und schön gelegen ist. "Selbst wenn die Wohnung äußerlich in Ordnung ist, können feuchte Stellen und Schimmel vorhanden sein", so Chychla. Manchmal sind sie unter Farbe oder Tapete versteckt. Frisch gestrichene Ecken oder lose Tapete in der Nähe von Fenstern können darauf hindeuten. "Hilfreich ist es, sich auf seine Nase zu verlassen", sagt er. Ein modriger Geruch ist immer ein Indiz, dass etwas nicht stimmt. "Vor allem in Erdgeschosswohnungen dringt gern Feuchtigkeit ein, besonders wenn der Keller nicht gedämmt ist." Deshalb ist es gut, sich bei der Wohnungsbesichtigung auch den Keller zeigen zu lassen. "Unter dem Motto: Ich habe hochwertige Fahrräder, die ich dort abstellen will. Mal sehen, ob sie reinpassen", rät Chychla.

5. Den Lärmpegel messen

Besichtigungen finden oft an Wochenenden statt. Allein deshalb empfiehlt es sich, dabei nicht das Messgerät auszupacken – sondern an einem anderen Tag noch mal hinzufahren und sich das Wohnumfeld anzusehen. Wie befahren ist die Straße? Wird in der Nachbarschaft gebaut? Wichtig ist, auch die Zukunft des Viertels zu bedenken: Gibt es eine Freifläche, die eventuell bebaut werden soll? Folgt der unauffälligen Nähstube in den Gewerberäumen im Erdgeschoss vielleicht demnächst eine belebte Kneipe? "Es lohnt sich, mit den Nachbarn darüber zu sprechen", betont Chychla.

6. Alle Fenster und Türen auf und zu schlagen

Natürlich hat niemand etwas dagegen, wenn bei der Besichtigung das eine oder andere Fenster oder eine Tür geöffnet oder geschlossen wird, um zu schauen, ob sie gut schließen. Übereifrig sollte man dabei aber nicht sein. Und außerdem: "Dabei wird nicht klar, ob sie auch dicht sind", sagt Chychla. Das ist aber kein Grund zur Sorge. Solche Mängel kann der Mieter auch noch später nach seinem Einzug anzeigen. "Dabei handelt es sich um verdeckte Mängel. Die muss der Vermieter immer beheben", stellt der Mietexperte klar. Der Mieter ist sogar verpflichtet, sie umgehend anzuzeigen, sobald er sie entdeckt hat. Sichtbare Mängel sollten aber direkt angesprochen und im Übergabeprotokoll festgehalten werden. Denn es gilt: Gemietet wie gesehen. Eine Mietminderung kann der Mieter dafür später nicht mehr geltend machen. Es besteht sogar die Gefahr, dass er beim Auszug für diese Mängel geradestehen muss.

7. Die Heizung voll aufdrehen

Außerhalb der Heizsaison ist es schwer, herauszufinden, ob die Heizung funktioniert. Deshalb bringt es auch nichts, bei der Besichtigung alle Heizkörper testen zu wollen. "Wenn in jedem Raum ein Heizkörper steht, ist anzunehmen, dass sich die Wohnung ausreichend beheizen lässt", sagt Chychla. Fehlt irgendwo einer, sollte man das im Übernahmeprotokoll vermerken. Stellt sich später heraus, dass die Wohnung nicht ausreichend warm wird, muss der Vermieter diesen verdeckten Mangel beheben.

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