Nicht Fleisch, nicht Fisch

Carolin Buchheim

"Eigentlich müssten die Vegetarian Gentlemens Club heißen", meinte meine Begleitung nach dem Konzert des Victorian Gentmemens Club im Swamp am Samstag Abend. "Das war jetzt weder Fleisch noch Fisch." Recht hatte er. Das Trio aus Wales spielte ein Konzert, das, um mal bei den Metaphern zu bleiben, ein bisschen so war wie nicht gut genug marinierter Tofu. Nicht schlecht, aber auch nicht vom Hocker reißend. Aber schon auch gut, irgendwie.



Eins vorweg: Wäre ich Adam Taylor, Sänger des Victorian English Gentlemens Club, ich hätte wahrscheinlich auch eine Band mit Louise Mason und Emma Daman aufgebracht. Das Trio war, auf der feinen neuen Swamp-Bühne mit integrierter Beleuchtung, äußerst hübsch anzusehen.


Wie es heute abend zugehen soll, zeigte Emma Daman, die Dame in rot hinter den Drums, schon während der ersten Takte des ersten Songs: Sie drosch gleich erstmal stehend und mit weit aufgerissenen Augen enthemmt auf die Drums ein. Anstatt der allseits präsenten Kuhglocke gab es, passend zum Hemd des Frotmanns quasi, eine Schiffsglocke. Das gefällt.
Als Kontrast stand Kollegin Emma Daman mit ihrem Bass mit geschlossenen Augen hinter ihrem Mikro und biss sich auf die Unterlippe, wenn ihr die Basslinien besonders gut gelangen. Wie gesagt: Sehr hübsch anzusehen.

Aber darum geht es ja bei Konzerten eigentlich nicht.



Das self-titled Debut der Band, das an diesem Abend beinahe komplett zu hören gab, hatte auf einen Abend krachigen Post-Punks mit ordentlich Hysterie hoffen lassen, stattdessen gab es ordentlichen, aber nicht außergewöhnlichen Art Rock, der leztendlich aber nicht artsy-fartsy genug war.

Man vermisste die Liebe zum Detail, genauer ausgearbeiterte Songs und auch ausgefeilteres Drumming. Denn so hübsch Miss Daman auch anzusehen war: Über das Dreschen auf die Drums kam sie am Samstag Abend nicht hinaus.



Ein netter Abend war es trotzdem: Das Trio schien Spaß und gute Chemie untereinander zu haben, das Swamp war rappelvoll und heiß wie immer, und zum Abschluss des Gigs wurde gleich noch ein wenig auf die Gitarren eingehauen. Und mehr braucht es ja eigentlich nicht, für den Rock'n'Roll.

Mehr dazu:

Victorian English Gentlemens Club: Website & MySpace