Nicht die Bohne! So wird Kaffee fair und nachhaltig

Dorothea Winter

Capuccino, Latte Machiatto und Cold Brew: Kaffee ist Trendgetränk. Doch der größte Teil wird weder fair noch nachhaltig produziert. fudder hat mit Florian Hammerstein gesprochen, der fairen Kaffee herstellt – und dabei noch den Regenwald schützt.

Die Freiburger Firma "Original Food" vertreibt Wildkaffee namens "Kaffa", der in den Regenwäldern Äthiopiens wächst. Durch die Armut rodeten die Bauern bisher den Regenwald um Ackerland zu gewinnen – und zerstörten ihn damit. Genau da setzt das Konzept der Firma von Florian Hammerstein ein. Durch den Verkauf des Feinkostprodukts "Wildkaffe" bleibt der Regenwald erhalten und die äthiopischen Kleinbauern können sich ein besseres Leben leisten.


Herr Hammerstein, wie wird Kaffee fair?

Florian Hammerstein: Fair ist Kaffee, dessen Gewinn nicht auf den Rücken der Erzeuger verdient wird. Es muss gewährleistet sein, dass die Bauern, die den Kaffee ernten, eine Perspektive zum Leben haben.

Und wieso sind so wenige Firmen bereit, fairen Kaffee zu verkaufen?

Hammerstein: In der Regel liegt im Einkauf der Gewinn. Und diesen Faktor auszuklammern und zu sagen, man führt eine Firma, die bewusst auf möglichen Gewinn verzichtet, entspricht nicht dem marktwirtschaftlichen gewinnorientierten Prinzip. Und geht man nicht nach dem billigsten Einkaufspreis, verzichtet man als Unternehmen auf den Großteil seiner Gewinnmöglichkeiten.

Was macht Kaffee "wild"?

Hammerstein: Wilder Kaffee ist der natürlich wachsende Kaffee, der nicht angebaut wird. Und diese Unmittelbarkeit ist in Äthiopien weltweit einzigartig. Die Urbestände des Kaffees stammen tatsächlich auch aus Äthiopien. Der wächst dort unangepflanzt wild im Bergregenwald.

Wie kamen sie auf die Idee "wilden" Kaffee zu verkaufen?

Hammerstein: Die Idee kam durch den Gedanken des Waldschutzes auf. Der wilde Kaffee wächst im Regenwald. Und dieser wurde von den Bauern abgeholzt, um Ackerland zu gewinnen. Das Produkt Kaffee musste also einen so hohen Preis bekommen, dass es sich nicht lohnt, den Wald zu roden. Die Bauern bekommen durch den Wildkaffee eine lukrative Einkommensmöglichkeit – und der Regenwald bleibt erhalten.



Ist wegen des Waldschutz-Aspekts der faire und nachhaltige Wild-Kaffee so teuer?

Hammerstein: Definitiv. Wenn man den Waldschutz beim Kaffeeanbau berücksichtigt, muss der Preis relativ hoch sein. Den Bauern muss eine finanzielle Attraktivität geboten werden, damit sie den Wildkaffee sammeln. Damit geht ein hoher Preis für den Aufkäufer einher und in Folge dessen auch für den Endverbraucher.

Wie schaffen es Unternehmen generell, Kaffee fair einzukaufen?

Hammerstein: Das Produkt Kaffee ist eines der transparentesten überhaupt. Im Internet können alle Preise verglichen und davon abhängig eingekauft werden. Ausschlaggebend ist für die gewinnorientierten Unternehmen dabei ausschließlich der Preis. Doch die Möglichkeit, Kaffee fair und transparent zu bekommen, ist gegeben. Sie wird bloß von den Meisten bewusst nicht wahrgenommen.

Auf Kaffeeverpackungen sind oftmals zahlreiche Siegel. Was sagen Siegel wie "bio" oder "fair"?

Hammerstein: Das ist in der Tat super schwierig. Zunächst mal sind die Siegel nur ein Überprüfungszeichen, dass das was drauf steht auch drinnen ist. Das bedeutet, wenn zum Beispiel "Bio" auf dem Kaffee steht, ist er ökologisch angebaut oder ökologisch gewonnen. Bei "fair" gestaltet sich das schon etwas schwieriger. Fair zeigt zunächst nur die Zugehörigkeit eines bestimmten Vereins an und der Unterordnung an gewisse Regeln. Zum Beispiel das Zahlen von einem gewissen Lohn und Zuschlägen.

Was ist genau "Direct-Trade", das sich so viele Firmen auf ihre Produkte schreiben?

Hammerstein: Viele, die sich "Direct-Trade" auf das Schild schreiben, kaufen den Kaffee in Hamburg bei Großkaffeehändlern und sagen, sie hätten ihn direkt gekauft. Aber das ist ja nicht Direct-Trade vom Bauern ins Regal. Direct-Trade ist direkt von den Bauern kaufen. Und das kann ich sagen, ist sehr aufwendig.

Wie regional ist Kaffee, der in Freiburg geröstet oder verkauft wird?

Hammerstein: Das Konzept des regenwaldschonenden Wildkaffees ist durch und durch eine Freiburger-Bobbele Erfindung. Die Idee ist hier entstanden und unser Firmensitz ist auch hier. Aber das ist auch das einzig regionale an uns. Bei Kaffee macht Regionalität auch wenig Sinn, wenn man nicht gerade in Addis Abeba wohnt.

Was macht guten Kaffee aus?

Hammerstein: Schlussendlich ist guter Kaffee Geschmackssache. Auch wenn die landläufige Meinung vorgibt, sich nach Tests und Berichten zu richten und nicht einfach nach der eigenen Meinung. Gut ist der Kaffee, der schmeckt.

Und wovon hängt die Qualität von Kaffee ab?

Hammerstein: Die Qualität eines Kaffees, hängt zu einem Drittel von dem Anbau und der Ernte ab, ein Drittel von der Röstung und ein Drittel macht die Zubereitung beim Konsumenten aus.

Wie trinkt man am besten Kaffee?

Hammerstein: Das hängt davon ab, wie verrückt man ist. Der Siebträger ist mit Sicherheit die schwierigste Form einen Espresso herzustellen, aber dafür auch sehr gut. Jeden Morgen frisch mahlen und schauen, wie die Luftfeuchtigkeit ist, ist nichts für Langschläfer. Manche schwören auf die italienische Espressomaschine, andere auf Kapselmaschinen oder Filterkaffee. Das Schöne ist, Kaffee gibt das alles her. Die beste Kaffeezubereitung ist also die, die einem am besten schmeckt.
Website: Original Food
Website:Kaffa

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