Neulich in Freiburg: Die heimlichen Einkäufer

Lena Prisner

Lena passieren ständig kleine Sachen: witzige, traurige, schöne, skurrile. Unter dem Titel "Neulich in Freiburg" erzählt sie uns davon. Diesmal fällt ihr eine besondere Kategorie Mensch auf: die der Einkäufer.



Neulich in Freiburg, da lief ich während des Deutschlandspiels durch die Straßen. Die Stadt ist wie ausgestorben. Gefühlt alle zehn Minuten mal ein Radfahrer. Unter den wenigen Menschen sticht aber eine Kategorie besonders hervor: die der Einkäufer.


Ein interessantes Phänomen. Wohl jeder Dritte, der im gespenstisch-leeren Freiburg unterwegs ist, hat eine Rewe- oder Aldi-Tüte dabei. Wenn man darüber nachdenkt, ist das eigentlich das Beste, was man als Nicht-Fußballfan zu dieser Zeit tun kann – die Geschäfte sind leer, endlich kein Gedränge, keine Schlangen an den Kassen.

Eine Art Untergrundbewegung

Es kommt mir vor, als würde es eine Art Untergrundbewegung der heimlichen Einkäufer geben, sie werfen sich verstohlene Blicke zu. Es muss ihnen eine enorme Befriedigung geben, die Fußballfans so auszutricksen.

Eine Joggerin mit Deutschlandfahne auf der Wange läuft an mir vorbei. Eine passive Unterstützerin? Oder hatte sie Angst, sich zu outen, und hat sich panisch dieses Tattoo aufgedrückt? Nicht auffallen heißt ja im Moment, schwarz-rot-gold zu tragen. Damit ist sie sicher. Ihre Chance, den heimlichen Einkäufern beizutreten, hat sie allerdings vertan.

Zur Autorin

Lena Prisner ist 22 Jahre alt und studiert in Freiburg Anglistik und Kognitionswissenschaft. Wenn sie nicht gerade schreibt, was sie sehr liebt, schaut sie gerne Filme, geht ziellos spazieren oder träumt vor sich hin.