Neues Reparaturcafé in Freiburg: "Wegwerfen? Denkste!"

Moritz Neufeld

Freiburg bekommt ein Reparaturcafé nach niederländischem Vorbild: Kein Reparaturservice, sondern Anleitung zur Selbsthilfe.



Wenn ein Elektrogerät, ein Kleidungsstück oder ein Gartenstuhl kaputt geht, denken viele zuerst an Wegwerfen und neu kaufen. In Freiburg gibt es bald eine viel charmantere und auch nachhaltigere Alternative: Immer am letzten Samstag im Monat kann man solche Gegenstände, an die man sich bisher noch nie richtig getraut hat, bei gemütlicher Atmosphäre bei Kaffee und Kuchen reparieren.


Zwei Mitglieder des Chaos Computer Clubs Freiburg (CCC) geben dabei fachkundige Unterstützung, ebenso der Industriemechaniker Rainer Kremer, der sogar schon an einem Hubschrauber gebaut hat. Repariert werden Haushalts- und Elektrogeräte, Möbel, Kleidung und Ähnliches.

Aber: "Wir sind kein kostenloser Reparierservice. Man muss selbst Hand anlegen – schließlich geht es auch um das Erfolgserlebnis, wenn man etwas geschafft hat", sagt Hannes Steinhilber. Er ist bei der Initiative Transition Town Freiburg aktiv, die verschiedene Projekte betreut. Gemeinsam mit dem CCC Freiburg und anderen hat er die Idee vorangebracht.

Professionelle Hilfe kam aus den Niederlanden: Dort, in Amsterdam, hat die weltweite Repair Café-Bewegung angefangen. Dort sitzt auch die weltweit tätige "Stiftung Repair Café". Die schickte Material und vermittelte einen wichtigen Mitstreiter: Jörg Könözsi leitet die AWO-Seniorenwohn- und Begegnungsstätte "Im Grün" in der Freiburger Innenstadt. Auch er hatte sich in Amsterdam gemeldet, von dort aus wurde er an die Gruppe vermittelt. Er hat sich bereit erklärt, einen großen Raum seiner Begegnungsstätte zur Verfügung zu stellen.

Ihm geht es vor allem um soziale Kontakte und Unterhaltung. "Vielleicht stoßen auch Senioren aus unserem Wohnheim dazu, die nähen oder werkeln können", freut sich Jörg Könözsi. Was vorerst an Ausstattung noch fehlt, ist Werkzeug. Lötkolben, Arbeitslampen und andere nützliche Dinge – solche Spenden sind gern gesehen. Wer etwas übrig hat, kann sich per Mail oder Telefon melden. Das erste Reparaturcafé startet dann am 28. Juni.

Repair Cafés gibt es mittlerweile auf der ganzen Welt. "Wegwerfen? Denkste!", so heißt es auf der Website der Repair Café-Bewegung. Wer kennt es nicht: Kurz nach Ablauf der Garantie geht ein Gerät kaputt, eine Reparatur lohnt sich scheinbar nicht. Häufig kein Zufall, sondern Strategie: In vielen Geräten wurden gezielt Schwachstellen eingebaut, damit immer neue Produkte verkauft werden können.

Das geht auf den Geldbeutel der Verbraucher, gar nicht zu reden von der Ressourcenverschwendung. Jörg Könözsi weiß, dass ein Reparaturcafé nicht die Welt rettet. Aber: "Es ist eine schöne Idee, und es macht wahnsinnig Spaß".

Kontakt

Begegnungsstätte "Im Grün"
Im Grün 5,
Freiburg
0761.88795604
info@reparaturcafé-freiburg.de
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