Neueröffnung: Platten- und Science-Spielzeug-Laden "Record Store & Science Shop"

Miriam Jaeneke

Für Schallplattensammler ist es eine Goldgrube. Aber auch, wer populärwissenschaftliche Bücher oder ein originelles Geschenk sucht, ist beim 'Record Store & Science Shop' in der Hildastraße an der richtigen Adresse.



Das Interesse an der Schallplatte ist ungebrochen, das merkt Ladenmitinhaber Waldemar Seifert täglich. „Die Tage der CD sind eher gezählt als die der Schallplatte“, sagt er. Und nennt als Beispiel den „Record Store Day“, den Tag des Schallplattenladens, zu dem mittlerweile auch in Deutschland Sonderpressungen auf Vinyl erscheinen.

Zwischen 16 und 70 Jahre sind Seiferts Kunden alt und zu 90 Prozent männlich - warum, das kann er sich selbst nicht richtig erklären. Die 70-Jährigen kaufen schon seit den 1950ern Platten und haben nie damit aufgehört, die 16-Jährigen beginnen damit „als kleine Gegenbewegung zu der Schnelllebigkeit und Entwertung der Musik durch die vielen Downloads. Die Leute laufen mit ihren iPods durch die Gegend und haben da 5000 Stunden Musik drauf. Wenn man eine Schallplatte kauft, hat man in der Regel zwischen zehn und zwölf Liedern und muss sie nach 20 Minuten umdrehen. Das ist auch eine Kultigkeit, die da mitschwingt.“ Waldemar Seifert ist überzeugt: „Die Wertigkeit der Musik steigt mit dem Medium Schallplatte.“

In seinem Laden schauen Sammler vorbei, die Elvis oder die Beatles komplett besitzen wollen. Sie kommen hier ebenso auf ihre Kosten wie Einsteiger auf der Suche nach gebrauchten Schallplattenspielern – diesen Bereich möchte Seifert noch ausbauen. Außerdem bietet er neue Platten an und einen Bestellservice für Hifi-Zubehör. Momentan stehen in der linken Ladenhälfte, dem Record Store-Teil des Geschäfts, etwa dreieinalbtausend Schallplatten.

Wenn Seifert demnächst seinen Heidelberger Recordstore dichtmacht und die Platten mit ihm zusammen nach Freiburg umziehen, werden es knapp zehntausend sein. Schwerpunkt: der sogenannte Classic Rock, also auch die Stones und die Beach Boys, Led Zeppelin oder Neil Young, daneben Blues, Jazz, Folk, Funk und Soul vom Ende der 50er bis Ende der 70er Jahre.



Das Erfolgsrezept seines Recordstores: Waldemar Seifert fliegt drei bis vier Mal im Jahr in die USA und kommt jedes Mal mit zwei- bis dreitausend Platten im Gepäck zurück. „Das sind – natürlich gebrauchte - Schallplatten, die kriegt man in Deutschland so gut wie nicht zu sehen. Das heißt, unser Angebot hebt sich deutlich von dem ab, was man üblicherweise in Plattenläden findet.“

Bei seinen USA-Reisen stattet er der drei Tage dauernden, weltgrößten Plattenbörse „Austin Record Convention“ in Texas einen Besuch ab. An der Westküste zapft er sein Händlernetzwerk an, um für Kunden nach Spezialwünschen zu fahnden – etwa 400 Platten hat er einem Dresdner Sammler auf diese Weise schon beschafft. Und er schaut bei Jim Hansen in Los Angeles vorbei, um mal wieder ein sogenanntes Butcher Cover professionell peelen zu lassen.

Um was? „Yesterday And Today“ lautet der korrekte Titel der Beatles-Platte, die 1966 auf den Markt kam. Berühmt wurde aber der Name „Butcher Cover“, butcher für Fleischer: Das Cover zeigt die Beatles in Metzgerkitteln mit rohen Fleischstücken und nackten Puppenteilen. Da das wenig Anklang fand, nahm Capitol Records die Platten nach einer Woche wieder vom Markt und überklebte sie kurzerhand. Natürlich blieb das nicht unbemerkt, und Cover, denen durch Peelen wieder zu ihrem Metzgeraussehen verholfen wurde, sind heute heiß begehrt.

Eine von Jim Hansen schön gepeelte Stereo-Ausgabe, noch 20 Mal seltener als die Mono-Version, zählt zu den momentanen Kostbarkeiten des Recordstores. 1350 Euro will Seifert dafür; „wenn sie nicht überklebt gewesen wäre, dürfte man an diesen Preis guten Gewissens noch eine Null dranhängen.“



Es ist unüberhörbar, für Schallplatten schlägt Waldemar Seiferts Herz. Doch der Name des Geschäfts trägt den Zusatz „& Science Shop“ und weist auf das wissenschaftlich-technische Spielzeug und die Modelle rechts vom Verkaufstresen hin: Hier finden sich 3-D-Puzzles und Sudoku-Cubes ebenso wie Bücher über „Moderne Legenden im Test“ oder ein unterarmlanges Segelschiff aus Holz. Aber auch stylische Geschenke wie die Miniaturausgabe eines metallenen Retrofahrrads mit ins Vorderrad integrierter Uhr umfasst das Angebot – in das Seifert sich erst noch einfinden muss: „Im Einzelfall gibt es noch Produkte, wo ich nachlesen muss, was es ist und wie es funktioniert.“

Das hat einen einfachen Grund: Der Science-Bereich ist Hoheitsgebiet seiner Geschäfts- und Lebenspartnerin Sonja Dietsche. Die Geschichte ihrer Partnerschaft ist untrennbar mit der des Ladens verknüpft. „Sie hatte in Heidelberg einen Shop mit diesen wissenschaftlichen Sachen neben meinem eröffnet. So haben wir uns kennen gelernt und dann immer Kaffee getrunken. Da kam es halt so, wie man sich denkt, dass es manchmal kommt“, erzählt Seifert nicht ohne Grinsen. Als sie in Freiburg eine Stelle angeboten bekam, beschloss er mitzugehen. So kam die Fusion des Geschäfts mit Schallplatten und wissenschaftsbasierter Unterhaltung zu Stande.

Ob das zusammenpasst? Seifert gibt selbst zu: „Da waren wir am Anfang sehr unsicher. Aber ich habe in Heidelberg oft mitbekommen, dass der Mann auf die Platten zustürzt und die Frau dasteht und anfängt, die Raufaserpunkte an der Decke zu zählen.“ Wenn ein solches Pärchen nun den „Record Store & Science Shop“ betritt und er sich an der ersten psychedelischen LP der 13th Floor Elevators von 1966 berauscht, kann sie das Verrinnen der Zeit genussvoll an nach oben rieselnden Sanduhren ablesen.



Adresse


Record Store & Science Shop

Hildastraße 17
79102 Freiburg

Öffnungszeiten


Montag – Freitag
11 bis 18 Uhr

Samstag

11 bis 16 Uhr

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