Neueröffnung: Das Downtown Coffee House im Stühlinger

Marius Buhl

"Der Stühlinger erinnert mich ein wenig an New York", sagt Tolgahan Cobdak. Folgerichtig hat der 23-Jährige sein Café an der Eschholzstraße "Downtown Coffee House" genannt. Ein Besuch in Freiburgs neuestem Steh-Café, das neben türkischem Mokka auch äthiopischen Espresso serviert:



Vorsichtig löffelt Tolgahan Cobdak Mokka aus einem Ibrik in ein weißes Tässchen. Als dieses gefüllt ist, platziert er es in einer Silberhalterung und schließt den ornamentalen Deckel. "Das ist Kurukahveci Mehmet Efendi, Kaffee direkt aus Istanbul”, sat Tolgahan und fügt hinzu: “Aber Achtung, der ist richtig stark."



Kaffee aus Istanbul, mitten im Stühlinger: In der Eschholzstraße 19 hat Tolgahan vor rund einem Monat sein Stehcafé eröffnet. Der Name ist aber so gar nicht türkisch: Downtown Coffee House heißt der Laden, der weiland, so Tolgahan, ein "etwas heruntergekommener" SecondHandShop war. Irgendwie würde ihn der Stühlinger direkt hinterm Bahnhof an New York erinnern, meint Tolgahan. Deswegen Downtown. Zwei Monate lang hat der Lörracher hier geschuftet, Wände gestrichen, Hängeleuchten montiert, an der Grafik des Schriftzugs gefeilt. Fertig ist er noch immer nicht.

Zwei Räume bilden das Downtown. Das Interieur des Hauptraums ist dem moderner Stehcafés nachempfunden. Eine riesige Glasscheibe schließt den Laden zur Straße hin ab, davor hat Tolgahan - ein wenig Starbucks-inspiriert - ein helles Holzbrett zur Ablage geschraubt. Der Tresen ist ebenso holzig, an die Front hat Tolgahan eine schwarze Tafel montiert, auf die seine Frau schwungvoll die Kaffeegrößen gekreidet hat: von klein - “4-8 hours sleep” - bis groß - “WTF is sleep?”

Croissants, Butterbrezeln, Zuckerstangen, türkische Sesamkringel - auf der Theke stehen die Kleinigkeiten, die Tolgahan zum Kaffee anbietet. Dabei soll es nicht bleiben. Momentan ist er auf der Suche nach einem guten Pâtissier, der fortan Süßigkeiten, Kuchen und Kekse liefern soll. Größere Speisen will Tolgahan aber nicht anbieten: "Das ist ein Stehcafé, im Mittelpunkt stehen Kaffee und Tee." Den Tee, türkischer Cay, bereitet Tolgahan in einem riesigen goldenen Teekocher vor - einem Semaver. Der Kaffee kommt aus einer Astoria Plus 4 You, einer Espressomaschine, die neu rund 8000 Euro kostet.

Der Nebenraum ist noch nicht ganz fertig. Hier plant Tolgahan einen langen Stehtisch, um den herum sich die Gäste gruppieren können - aus dunklem Holz. Sitzmöglichkeiten soll es keine geben. Schon jetzt finden Gäste im Nebenzimmer ein Bücherregal. Darin ausgestellt: Martin Suters Small World, Friedrich Dürrenmatts Besuch der alten Dame, Bernhard Schlinks Vorleser.



Das Downtown ist Tolgahans erstes Café. Gerade einmal 23 Jahre alt ist der gebürtige Lörracher - ziemlich jung für einen Cafébesitzer. Seine Familie kommt aus der Türkei, er selbst fährt ziemlich häufig in das Land seiner Eltern "Ich bin riesiger Fan von Besiktas Istanbul, fahre oft zu Spielen", sagt er. Sein Vater betreibt eine Maschinenbaufirma in Opfingen. Dort hat auch Tolgahan gearbeitet und viel übers Wirtschaften gelernt, wie er sagt.

"Dann war ich aber am Rumsuchen, ich wollte was anderes machen." Im Sommer entdeckte er, dass der SecondHand-Laden in der Eschholzstraße 19 dicht machte. Die Idee eines eigenen Cafés in den Räumlichkeiten reifte. Mit der finanziellen Hilfe seines Vaters mietete er den Laden schließlich, baute ihn um - und eröffnete im Dezember das Downtown. "Es ist nicht so leicht, ein Café zu eröffnen”, sagt Tolgahan. “Du brauchst ein Konzept, musst dir überlegen wie alles aussehen soll, welche Leute du haben willst, wie du dich von anderen abheben willst!"



Das Besondere im Downtown sei der Kaffee, sagt Tolgahan. Der kommt bei ihm vom Berliner Label Coffee Circle, die beziehen ihn direkt aus Äthiopien. "Der Kaffee ist fair gehandelt, für jede getrunkene Tasse wandert Geld nach Äthiopien - dort bauen die Coffee Circle-Leute damit Schulen, sorgen für sauberes Trinkwasser. Zudem gilt der äthiopische Kaffee als besonders gut." In der Tat: Der Espresso ist fein, die Crema goldbraun und lückenlos, die Temperatur hoch. Ziemlich kräftig ist der Kaffee zudem, das Aroma etwas nussig. Mit dem Espressopreis von 1,30 Euro liegt er im Schnitt.

Aber nicht nur die äthiopische Variante überzeugt. Auch der türkische Mokka, den Tolgahan aufgebrüht hat, schmeckt perfekt. Trinkt man ihn, schließt kurz die Augen und lauscht den Klängen der lärmenden Autos auf der Escholzstraße - man könnte tatsächlich mitten in Beyoğlu sitzen.

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Foto-Galerie: Marius Buhl

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