Neueröffnung: Carlos Köstlichkeiten an der Johanneskirche

Manuel Lorenz

Limette und Ingwer in Honig, Büffelmozzarella aus Brandenburg, handgemachte Bonbons aus Hamburg: Am Samstag eröffnet mit "Carlos Köstlichkeiten" gegenüber von der Johanneskirche ein Wein- und Feinkostladen, in dem es Köstlichkeiten aus ganz Deutschland gibt. Das Besondere: Inhaber Carlos Pereira kennt die 60 Hersteller fast alle persönlich.



Ein Schreiner hantiert mit einem Schraubenzieher herum, zwei junge Frauen packen Kisten aus, ein Mann steht auf einer Leiter und hängt ein Schild mit der Aufschrift "Herzlich Willkommen" auf. Mitten drinnen steht der Mann, nach dem der Wein- und Feinkostladen benannt ist, der hier, in der Günterstalstraße 7, am Samstag eröffnen wird: Carlos Pereira.

Ja, Pereira ist ein portugiesischer Name. Nein, er wird hier kein Geschäft für portugiesische Spezialitäten eröffnen. Das haben seine Eltern vor 37 Jahren schon gemacht, mit der Casa Portugal, die sich heute in der Schwarzwaldstraße befindet (fudder berichtete). Damals waren sie gerade aus der südportugiesischen Kleinstadt Almodôvar nach Freiburg gekommen, hatten hier eine neue Heimat gefunden - und Carlos zur Welt gebracht. Er erinnert sich daran, wie er als Kleinkind im Laden der Eltern am Rockzipfel der Mutter hing. Und an das Essen, das sie für ihn kochte - vor allem an all die Gerichte mit Bacalhau: dem für Portugal typischen Stockfisch.



15 Jahre lang hat Carlos Pereira als Einkäufer im Großhandel gearbeitet, bereiste Südeuropa und Lateinamerika und lernte die dortigen Esskulturen kennen. Dann, vor sieben Jahren, fiel ihm auf: "Ich kenne meine Heimat ja gar nicht!" Und das meinte Pereira vor allem kulinarisch. Er begab sich auf die Suche nach - wie er sagt - "leckerem Essen in Deutschland", machte Kurzurlaube in Hamburg, Halle und in der Frankfurter Gegend, schaute sich Bayern an und erkundete den Südwesten. Er besuchte Marktplätze und Kleinmanufakturen, half auf Weingütern aus und sortierte Beeren. Und entschied sich dafür, seinen Job im Großhandel an den Nagel zu hängen und einen Wein- und Feinkostladen zu eröffnen.

Das Geschäft heißt Carlos, weil Pereira für die Produkte mit seinem Namen bürgen will. "Das kann ich auch", sagt er. "Von den 60 Herstellern, die mich beliefern, kenne ich 90 Prozent persönlich." Aus Hamburg lässt er sich zum Beispiel Senfkreationen von Senf Pauli kommen, die Namen wie wie "Mutprobe" oder "Grill gut" tragen; außerdem Essig- und Ölvarianten von Flaschenweise sowie handgemachte Bonbons vom Bonscheladen. Die Berliner Imkerei Kaiser Honig liefert ihm ausgefallene Honigprodukte wie "Limette & Ingwer in Honig" und eine "Karamel Crème Brûlée", von Reishunger aus Koblenz bezieht er beispielsweise hochwertige Risotto-Fertigmischungen. Aus Baden-Württemberg sind unter anderem der Freiburger Chiligarten und der Andelfinger Nudelmanufaktor Schaut vertreten.



Die Produkte stehen in einem riesigen, weißen Holzregal, das die gesamten 16 Meter der rechten Längsseite einnimmt und bis zur vier Meter hohen Decke reicht. Pereira hat es extra von einer Emmendinger Schreinerei anfertigen lassen. Die modernen, schwarzen Lampen des britischen Möbeldesigners Tom Dixon, die im gesamten Laden von der Decke hengen, stehen dazu in einem stimmigen farblichen Kontrast. Für Charme sorgen weiße Holzstühle, in deren geschwungene Lehne ein Herz gefräst wurde.

Um 7:30 Uhr wird Pereira seinen Laden morgens öffnen. Dann wird er selbst hinter der Theke stehen - insgesamt hilft ihm im Geschäft ein Team von zehn Leuten. Pereira hofft, dass die umliegenden Schulen, Ärztehäuser, Kanzleien und Institutionen wie das Amt für öffentliche Ordnung bald ihr Frühstück bei ihm einnehmen. Sein Kaffee kommt von den beiden Kleinröstereien Roestbar in Münster und Torrefaktum in Hamburg, der Espresso aus einer Siebträgermaschine vom Florentiner Hersteller La Marzocco.



"In Portugal gehört Espresso genauso zum Alltag wie in Italien", sagt Pereira. "Da trinkt man vier, fünf Stück am Tag." Um sein Wissen und Können zu vertiefen, hat er sich bei der Berlin School of Coffee zum Barista ausbilden lassen. Frühstücken werden kann man Croissants und Panini, belegt mit Käse, Schinken und Salami aus der großen Frischetheke. Dort werden zum Beispiel Wurstwaren von der Rügener Landschlachterei liegen, Büffelmozzarella aus dem brandenburgischen Jüterburg und Grana Padano mit eingearbeitetem Trüffel von Gröschle.

Die Panini soll es den ganzen Tag lang geben. Zwischen 11:30 Uhr und 14:30 Uhr will Pereira einen Mittagstisch anbieten, mit zwei bis drei Suppen vom Freiburger Suppenhersteller Suppensteller und ab und zu einem Reis- oder Nudelgericht. Man kann dazu entweder auf den Barhockern an den großen Schaufenstern sitzen, dem Treiben auf der Günterstalstraße zusehen und auf die Johanneskirche blicken, oder im hinteren Bereich an einer langen, massiven Holztafel Platz nehmen.

In einer Angelegenheit kommen Carlos Pereiras portugiesische Wurzeln dann übrigens doch noch durch: beim Wein. Um die 20 portugiesische Weine will er anbieten. Da gebe es viele Sorten, die im übrigen Europa nicht mehr existieren würden - weil Portugal von der Reblausplage im 19. Jahrhundert verschont geblieben sei. Anbieten will er Weine aus dem ganzen Land - aus Lissabon, vom Duoro und aus Alentejo, der Heimatregion seiner Eltern. Auf den aus Alentejo freut er sich ganz besonders. Pereiro: "Der ist gerade im Kommen."



Kontakt

Carlos Köstlichkeiten
Günterstalstraße 7
79102 Freiburg
Telefon: 0761.70786137
E-Mail: hallo@carlos-koestlichkeiten.de
Öffnungszeiten

Montag bis Freitag
7:30 Uhr bis 19 Uhr

Samstag
9 Uhr bis 18 Uhr

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Fotogalerie: Manuel Lorenz


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