Neueröffnung: Bodega Der Geier

Stephan Elsemann

Der Geier hat wieder auf. Die neue Pächterin ist Remei Gonzalez. Unterstützt wird sie von Klaus Funke, und viele kennen das Gespann noch aus der Hörbar, wo sie sich mit ihrem Mittagstisch eine begeisterte Fangemeinde erkochten. Im Sommer 2011 war es dann vorbei mit der Herrlichkeit im Hof. Eine Bodega will der neue Geier sein. Vieles ist neu im alten Geier, was ist geblieben?



Ambiente

Bodega Geier, der Name wird sicher manchem nur schwer über die Lippen kommen. Schließlich war der Reichsadler eine wilde Kneipe, das Wohnzimmer von Hausbesetzern und Linken, von Intellektuellen und Trinkern oder trinkenden Intellektuellen. Mit Stephan Minzberg, dem Philosophen am Zapfhahn und seinem Adorno aufgeschlagen an der Seite – so will es das Klischee.
Stattdessen nun mediterraner Hedonismus im Geier. Die Geier-Bodega, so wünscht es sich Klaus Funke, soll voller Leben sein, ein Ort, wo sich viele Menschen wohl fühlen. Und es wird schon klappen mit der Bodega, wenn so viel Begeisterung dahinter steht. Die Voraussetzungen sind sehr gut.

Im neuen Geier wurde mit Umsicht renoviert. Die weinrote Farbe gibt der hinteren Wand eine neue Tiefenwirkung. Verschwunden ist die hölzerne Galerie vor der Theke – die älteren werden sich  dankbar erinnern, dass sie den nötigen Halt verlieh, um trotz angesäuselter Gesamtverfassung aus halbwegs gesicherter Position ein neues Bier zu ordern. Ihr Verschwinden ist kein großer Verlust, denn der Raum gewinnt dadurch an Weite. Geblieben sind die alten Fenster, die bei der Ersteinrichtung vorsorglich in der Tönung Nikotingelb gehalten wurden.

Doch mit Teer und Nikotin ist jetzt endgültig Schluss im neuen Geier. Die Kneipe will sich vor allem auch übers Essen definieren, und so soll das Ex-Raucherzimmer, das auch Fussball- und Fernsehzimmer war, offen bleiben.



Auf der Speisekarte

Ja, und mit dem Essen kann der neue Geier punkten. Remei Gonzalez hat sich mit ihrer Küche schon in der alten Hörbar eine treue Fangemeinde erwoben. Sie hat ihren Job bei Mathias Dahlinger in der Eichhalde gelernt. Ihre unprätentiöse Crossover-Küche wird sehr vielen Wünschen gerecht. Das Beste aber ist: Es schmeckt. Zwei Mittagsgerichte mit Salat serviert der Geier – einmal vegetarisch für 5,50 Euro und mit Fleisch oder Fisch für 7,50 Euro. Auch abends muss man den Blick auf die Tafel richten, um zu erfahren was auf den Tisch kommt.

Remei Gonzalez und Klaus Funke kaufen tagesfrisch ein, genaue Voraussagen über das Progamm des kommenden Tages treffen sie nur zögerlich. Doch der Dienstag soll zum Calamares-Tag werden – selbstverständlich mit frischen und nicht mit aufgetauten Calamares.



Heute versuchten wir Tagliatelle mit Lamm. Wie erwartet war das sehr zart und die Pasta prima al dente gekocht. Das allerbeste: Der Salat kam ohne die schlimme weiße Klatsche aus, die in so vielen Kneipen kleine und große Salate ruiniert. Hier dient die mediterrane Herkunft der Köchin sozusagen als Bollwerk gegen die Unsitten deutscher Kneipenküchen.

Stammgäste werden sich freuen, dass ihre Lieblingsgerichte aus der Hörbar Einzug halten wie die notorischen Penne mit Chorizo – "Schoritzo" sagen die Aficionados – für 5 Euro oder die Fleischbällchen für 3 Euro. Sie und die anderen Tapas werden nicht nur als Grundlage zur Aufnahme von Getränken sehr geschätzt. Sie und die anderen Tapas gibt es an der Theke. So viel Spanien muss in einer Bodega sein, auch wenn sie Geier heißt.



Das Besondere

Damit der Geier nicht ein Pleitegeier wird, haben die Stammgäste einen Freundeskreis gegründet und unterstützen den Geier mit einem pfiffigen Modell zur Anschubfinanzierung. Freunde können für 50 Euro Bons erwerben, die als Gutscheine für spätere Essen im Geier dienen. Sie dürfen ab September 2012 gegen Speis und Trank eingelöst werden. Das heißt, man zahlt im voraus und kann dann ab September dafür essen gehen. Den neuen Wirten hilft es über die schwierigen ersten Monate. Und die liegen in diesem Fall im Frühjahr und vor allem im Sommer, der in Freiburg ja besonders früh beginnt und besonders spät endet.

Gaststätten wie der Geier, ohne die Möglichkeit, im Stühle und Tische herauszustellen, haben es im Sommer schwer, selbst bei so guten Voraussetzungen, wie sie hier die Küche bietet. Klaus Funke wendet es für sich in einen Vorteil, dass "wir die kühle Nordseite haben". Man muss beim Essen in der kühlen Bodega im Sommer nicht schwitzen wie die armen Gäste draußen in den Biergärten der anderen Kneipen, so ist die Lesart. Doch auch im Geier würde man sich freuen, ein paar Tische vor die Tür stellen zu können. Platz wäre ja da.



Getränke

Bei den Getränken ist der neue Geier der alte geblieben – zumindest, was das Preisniveau betrifft: Ein Ganter Bier kostet 2,80 Euro - das ist ein großes (0,4l). Das kleine bekommt man für 1,90 Euro (0,25l). Ein Viertel Wein bekommt man ab 3 Euro. Hier lohnt es, einen Blick auf die Tafel zu werfen, denn hier stehen die Angebote der besseren Weiß- und Rotweine. "Bodega" heißt Weinkeller auf deutsch und das verpflichtet zur Qualität. Alkoholfrei geht es auch etwa mit einem Mineralwasser für 1,50 Euro oder einer Apfelsaftschorle für 1,80 (0,3l). Ein Espresso kostet 1,60 Euro.



Adresse

Bodega Der Geier
Belfortstraße 38
79098 Freiburg
0761-42968050
Web: Bodega Der Geier

Öffnungszeiten

Montag bis Freitag
11.30 bis 14.30 Uhr und 17.30 bis 24 Uhr - oder auch länger

Samstag
18 bis 24 Uhr – oder auch länger

Wo?


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Foto-Galerie: Stephan Elsemann