Neuer Club im Ex-Kamikaze darf nicht eröffnen

Uwe Mauch

Fast 40 Jahre lang haben Freiburger Discogänger unrechtmäßig getanzt: Das "Caveau" und das "Kamikaze" sind nie genehmigt worden. Ein Nachfolgeclub hat daher keine Chance.



Weder für das "Le Caveau" noch für die Nachfolgedisco "Kamikaze" im Gebäude Oberlinden 8 hat es jemals eine baurechtliche Genehmigung gegeben. Deswegen habe auch das Vorhaben von Christian Rotzler keine Chance, dort die dritte Diskothek unter dem Namen "Le Cathédrale" zu eröffnen. Zu diesem überraschenden Schluss kommt das Verwaltungsgericht Freiburg und gibt dem Anwalt der Anwohner Recht.


Eigentlich hat Disco-Betreiber Rotzler ("Great Räng Teng Teng" und "Dreieck") seit genau einem Jahr eine Konzession vom städtischen Ordnungsamt für seinen geplanten "Club mit gediegener Feierkultur". Doch Anwohner wollten den Neustart in Oberlinden verhindern. Seit die Diskothek "Kamikaze" Ende 2012 dichtgemacht hatte, sei es viel ruhiger im Quartier, sagte Anca Rosler-Koslar vom Lokalverein Innenstadt.

Anwohnerklage blockiert Start von "Le Cathédrale"

Rechtsanwalt Heiko Melcher legte im Auftrag der Anwohner beim Regierungspräsidium Widerspruch gegen die Konzession ein. Doch das RP wies die Einwände im vergangenen September zurück. Die Anwohner reichten Klage beim Verwaltungsgericht ein und blockierten damit die Eröffnung des Clubs.

Deswegen beantragte Rotzlers Anwalt Sebastian Seith, die bereits erteilte Erlaubnis für die "Cathédrale" sofort vollziehen zu dürfen. Das hat das Verwaltungsgericht nun abgelehnt. Die Begründung ging gestern sowohl an Melcher als auch an Seith und die Stadtverwaltung.

Danach gibt es keinen Bestandsschutz, weil eine Disco im Haus Oberlinden 8 nie genehmigt worden war. Und sie wäre laut Bebauungsplan sowieso nicht möglich, meinen die Richter. Sie hatten die Bauakten gewälzt und die Geschichte der legendären Disco "Le Caveau" (Keller) nachgezeichnet. Im Januar 1970 hatte die Stadtverwaltung dem "Initiativausschuss Freiburger Studenten" die Baugenehmigung für ein Vereinslokal erteilt – allerdings begrenzt auf drei Jahre. Ein Nachtragsbaugesuch von 1972 wurde nie verabschiedet.

Etliche Baugenehmigungen – nur nicht für eine Disco

Die Stadtverwaltung habe von "diesem Umstand" gewusst, heißt es im Beschluss. In den Folgejahren gab es zahlreiche Baugenehmigungen für Stuhlpläne, Fluchtwege, Zwischendecken – aber nicht für eine Disco. 1981 stellte das Rathaus nach einer Brandverhütungsschau fest, dass diese Genehmigung zu beantragen sei. Getan hat sich nichts, "aus welchen Gründen auch immer", wie das Gericht notiert. Anders als das RP und das städtische Baurechtsamt sieht das Verwaltungsgericht keinen Bestandsschutz.

Anwalt Melcher ist zuversichtlich, dass die Anwohner auch das eigentliche Verfahren in der Hauptsache gewinnen. Rotzlers Anwalt Sebastian Seith konnte zu dem Beschluss noch keine abschließende Einschätzung geben. Von der Stadtverwaltung war ebenfalls keine Stellungnahme zu erhalten.