Neue Freiburger Hochschule für Kunst, Design und Musik startet

Julia Dreier

Der Startschuss ist gefallen: Der Lehrbetrieb an Freiburgs neuer Hochschule für Kunst, Design und Populäre Musik (HKDM) läuft. Rechtzeitig zu Beginn des Wintersemesters wurde das Akkreditierungsverfahren abgeschlossen, das die Fusion der Freien Hochschule für Grafik-Design und Bildende Kunst Freiburg (FHF) mit dem International Music College Freiburg der Jazz- und Rockschulen (JRS) besiegelt.


[Lisa Nottermann erstellt ein „Moodboard“ am PC]

Draußen hängt das lilafarbene Banner mit dem Logo der neuen Hochschule und zeigt: In den Räumlichkeiten der ehemaligen FHF in der Haslacher Straße 15 herrscht nun Hochschulbetrieb. Die Erstsemester können sich ab sofort Bachelor-Studierende nennen. Eine von ihnen ist Lisa Nottermann. Sie ist 19 Jahre alt und erstellt gerade ein "Moodboard" am Computer – ein Bild aus lauter Einzelbildern, die farblich und inhaltlich aufeinander abgestimmt sind, um eine bestimmte Atmosphäre zu erzeugen und Ideen visuell umzusetzen.


Lisa hat den neuen Bachelor-Studiengang "Integrierte Gestaltung" an der HKDM belegt. Sie hat sich wegen des Bachelor-Abschlusses für die private Hochschule in Freiburg entschieden. "Als es nur den staatlich nicht anerkannten Abschluss gab, hätte ich mir das nochmal überlegt", sagt sie.

Dass es an der HKDM jetzt trotzdem nicht klischeehaft studentisch zugeht, stört Lisa nicht: "Wir haben feste Unterrichtszeiten, meistens von 9 bis 15 Uhr. Generell ist es ziemlich schulisch. Doch das ist gar nicht so schlecht." So sitzen in ihrem Kurs auch nur acht Studenten. Das hat nichts von einer großen Hochschule, wo es Vorlesungen mit bis zu 300 Teilnehmern gibt. Was allerdings auch fehlt, ist eine Mensa oder ein einheitlicher Campus.

Für die Bachelor-Studierenden im Fach "Rock/Pop und Jazz" geht’s zum Üben über die Ochsenbrücke in die verwinkelten Kellerräume des E-Werks. Im Auditorium der Jazz- und Rockschulen finden dann die Bandproben statt. David Schäl (20) aus Rosenheim spielt Saxophon und ist ebenfalls Ersti. Auch für ihn war die Aussicht auf den "Bachelor" ausschlaggebend. "Außerdem ist es eine coole Idee, dass wir in die jeweils anderen Fächer reinschnuppern können", sagt David. Einer der Punkte, die auch im Akkreditierungsverfahren als innovativ bewertet wurden: Die HKDM bietet interdisziplinäre Werkstattwochen an, in denen die unterschiedlichen künstlerischen Bereiche vernetzt werden.

Ein Aspekt, der auch Evgenij Gottfried (21) gefällt. Evgenij ist zum zweiten Mal Ersti – zwei Semester hatte er bereits an der FHF absolviert. Doch wie er sind fast alle seiner Kommilitonen auf den Bachelor-Studiengang "Bildende Kunst – Freie Malerei/Grafik" umgeschwenkt. Dafür bekommen sie ihre bereits gezahlten Studiengebühren angerechnet. Jeder der zehn Kunst-Studierenden hat sein eigenes Atelier.

Doch nicht nur räumlich ist Platz, um Ideen freien Lauf zu lassen. Evgenij experimentiert mit Achsen: Mal auf dem Rück liegend, mal über die Leinwand laufend, malt er mit einem zur Farbenspritze umfunktionierten Insektizidenspritzgerät. Von einem der vielen studentischen Gemälde an den Atelierwänden blickt Karl-Theodor zu Guttenberg den Betrachter mit debilem Grinsen und pinker Clownsnase an.

Was hat die HKDM nun, was der FHF zum staatlich anerkannten Abschluss fehlte? "Durch die Fusion gab es einen Qualitätssprung", sagt Steffen Rümpler, Rektor der HKDM, "außerdem beschäftigen wir mehr Fachdozenten." Struktur, Organisation und Studieninhalte seien nun hochschulgerecht.

Mit der Akkreditierung kam aber auch eine Erhöhung der Studiengebühren: 475 Euro im Monat zahlen die Kunst- und Design-Studenten, 515 Euro müssen die Musiker berappen. Ein Preis, der angemessen sei angesichts der intensiven Betreuung und der Möglichkeiten, die den Studierenden geboten würden, meint Katharina Fraunhofer, Pressesprecherin der JRS, denn: "Wir haben den Anspruch einer Jobgarantie für unsere Studenten." Und der Rektor sagt: "Bildung hat ihren Preis. Wir sehen unsere Studenten als Kunden, denen die HKDM eine Dienstleistung anbietet."

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[Foto: Ingo Schneider / Badische Zeitung]