Netzwerk der Nächstenliebe

Julia Mungenast

"Oft reichen kleine Dinge, die wir Jungen tun, damit der Tag einer älteren Dame schön ist", sagt die 27-jährige Louise Sunflower. Regelmäßig besucht sie mit Freunden die Senioren des Martha-Fackler-Pflegeheims in Weingarten und organisiert für sie Nachmittage mit Basteln, Musizieren, Spazierengehen und Geschichtenerzählen. Nun sucht sie Nachfolger.



Louise Sunflower. Sonnenblume. Die 27-jährige Frau aus Hongkong sprüht vor Energie, Tatendrang und Begeisterung. Diese äußert sie vor allem in ehrenamtlicher Tätigkeit. Begonnen hat alles während ihres Studiums der Romanistik, Anglistik und BWL, neben dem sie eine ausgleichende Aufgabe suchte. Inspiriert durch einen Auslandsaufenthalt in Argentinien, durch Yogaunterricht, Meditation und Buddhismus, den sie dort kennenlernte, organisiert sie 2008 Wohltätigkeitsveranstaltungen.


Sie stellt gemeinsam mit Freunden einen Nachmittag mit Tanz, Musik und Vorträgen zu einem bestimmten Thema auf die Beine, sucht Fotografen, Moderatoren, macht selbst mit und sammelt mit der für gemeinnützige Zwecke Geld. „Ich wollte etwas machen, das mir selbst gut tut und anderen nutzt. Ich merkte schnell, wie viel mir diese Veranstaltung auch in meinem Leben und im Studium Ruhe und Konzentration gab, wie ich gelassener wurde.“ Die nächste Veranstaltung wird am 10. Oktober 2010 in der Mensabar stattfinden und das Ankommen von Ausländern in Freiburg thematisieren.

Mittlerweile hat sich ein kleines Netzwerk an jungen Laienmusikern, Laientänzern, Fotobegeisterten und Basteltalenten gefunden, die Louise und ihre Freunde bei den Veranstaltungen unterstützen. Louise sagt, dass jeder herzlich willkommen sei, der etwas auf der Bühne oder hinter Bühne zeigen oder mithelfen möchte. „Es geht mir auch darum, die Leute zu amüsieren“, sagt sie.



Neben den Benefiznachmittagen rief Louise ein weiteres Projekt ins Leben: Einen monatlichen Besuch in dem Martha-Fackler-Pflegeheim im Stadtteil Weingarten. „Meine Gastmutter in Chile ist zu krebskranken Kindern ins Krankenhaus gegangen, um ihnen Geschichten vorzulesen. Das hat mich beeindruckt.“ Sie überlegt, was sie unternehmen könnte, das nach Deutschland passt. „Ich dachte an ein Alten- und Pflegeheim, weil in Deutschland das Älterwerden nicht einfach ist.“

Sie hat viel gelesen und gehört über die Situation von älteren Menschen. Louise geht ins Martha-Fackler-Pflegeheim in Weingarten, stellt ihre Idee vor. „Ich sagte, wir seien eine Gruppe Studenten und wollen dort einmal im Monat Kunst machen, unentgeltlich.“

Prompt stehen Louise und ihre Freunde im April 2010 vor einer Gruppe neugieriger Heimbewohner. „Die älteren Herrschaften durften sich zunächst selbst aussuchen, auf was sie Lust haben. Ob wir mit ihnen basteln, musizieren oder spazieren gehen sollten.“

"Oft reichen kleine Dinge, die wir Jungen tun, damit der Tag einer älteren Dame schön ist", sagt Louise. "Ich glaube, wir jungen Leute unterschätzen, welchen Gewinn der Austausch und die Kreativität unseren Leben bringt, denn in erster Linie habe ich das alles für mich getan.“ Die älteren Menschen sind begeistert, sie wollen unbedingt, dass die jungen Leute wieder kommen. Die Jungen wollen das auch.



Im Oktober aber wird Louise Freiburg verlassen. Etwas bekümmert sagt sie: „Ich habe noch niemanden gefunden, der die Koordination der Pflegeheimbesuche übernehmen will, der Interesse hat in einem Team ein buntes Programm zusammenzustellen und Leute zu finden, die Lust haben, ihre Talente einzubringen." Es sei ihr wichtig, dass der Besuch dort nicht aufhört, denn die alten Menschen freuten sich sehr darüber. "Ich weiß, dass wir alle wenig Zeit haben und wir sie uns gerne mit Gleichaltrigen vertreiben, doch der Austausch mit einer anderen Generation öffnet neue Denkwege und bereichert das Leben."

Würde sich jemand finden, ginge Louise beruhigt nach Shanghai. Lächelnd zieht sie einen Zettel mit Kontaktdaten heraus: „Hier, dann wissen alle gleich, wo sie sich melden können.“

  • Telefon: 0176/27606508 (Dong Li)

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