Neo-Chanson, zartbitter

Günther

Einer der Geheimtipps dieses ZMF war der Auftritt der Französin Françoiz Breut, einer der Gallionsfiguren des Neo-Chansons. Günther war am Freitagabend auf dem Mundenhof und berichtet uns von einer zauberhaften Reise.

Bei einem Konzertbesuch der in Brüssel lebenden Bretonin Françoiz Breut, einer Vertreterin des so genannten Neo-Chansons, im gut besuchten Spiegelzelt könnte man zunächst leichtfertig zu der Erkenntnis gelangen: “Wieder eine manisch-depressive, die anstatt Tagebuch zu schreiben, die Bühne für sich entdeckt hat”. Jedoch haben die Texte von Françoiz Breut nur wenig autobiographischen Charakter, sie werden auch nicht von ihr selbst geschrieben. Sofern man sich auf sie einlässt, wird man unweigerlich auf eine Reise geführt. Eine Reise, bei der Françoiz Breut immer im Mittelpunkt steht, bei der sie aber kongenial von ihren drei Musikern begleitet wird. Die Stücke zwischen Chanson, Folk, Jazz und einfach nur Pop werden zunächst klassisch begleitet von Gitarre, Drums und Keyboard. Wenn dann aber zusätzlich auch noch Glockenspiel und Melodica zum Einsatz kommen und Françoiz Breut Platten mit wahlweise Vogelgezwitscher oder Kinderstimmen auflegt, dann kann man die musikalische Untermalung der überwiegend ruhig auf Französisch, aber auch in Englisch und Spanisch dargebrachten Songs über verlorene und gefundene Liebe, Einsamkeit und Trennungsschmerz nur als äußerst gelungen bezeichnen. Die großen Gesten, oder das kokette Flirten mit dem Publikum sind nicht Sache der Breut. Auf den ersten Blick wirkt Ihr Vortrag eher schlicht und spartanisch, aber ihr fragiles Spiel mit den Händen, unterstützt die Wirkung weitaus mehr, als jeder ausladende Gestus und hier und da blitzt auch mal ein schüchternes Lächeln auf. Für das altersmäßig sehr ausgewogene Publikum, war diese 90-minütige Zartbitter-Mischung - bei sehr guter Klangqualität - ein Angebot , nämlich in einem Zelt aus Spiegelglas in eben dieses zu blicken und das Gesehene und Gehörte zu reflektieren. Dass diese Einladung angenommen wurde, dass haben die Zugaben sowie der warme Applaus des Publikums durchaus gezeigt. Man muss deswegen nicht gleich zum manisch-depressiven Tagebuchschreiber werden, aber analog zur sinngemäßen Übersetzung Ihres aktuellen Albumtitels “Une Saison Volee” war das am Freitagabend auch keineswegs eine verlorene Zeit..