Nein, Gelassenheit: Ja, Panik im Café Atlantik

Alexander Ochs & Gina Kutkat

Gestern spielten die österreichischen Indie-Jungs von Ja,Panik im Café Atlantik. Alex und Gina waren für fudder dabei. Ein Abend, zwei Meinungen.

Er sagt:


Ja, Panik im Atlantik! Nein, Gelassenheit, lautet die Antwort der österreichischen Indierock-Band. So heißt zumindest ihr frisch aus der Taufe gehobenes Label. Das Quintett mit dem ja, panischen Namen beginnt den Abend recht gelassen mit dem schönen, melodischen Opener „Alles hin, hin, hin“. Dass die Band nur wenige Songs später erst mal alles hinschmeißen würde, ahnt zu diesem Zeitpunkt noch niemand. Massive Soundprobleme machen der Band zu schaffen, so dass Sänger Andreas Spechtl mitten im Lied abbricht und in sympathischem Singsang sagt: „So geht das leider nicht. Wir gehen erst mal eine rauchen, und in zehn Minuten geht’s weiter.“

Und tatsächlich: zehn Minuten später hat die Atlantik-Crew die Technik im Griff, gelassen spielen die Fünf weiter. Mal erinnern der hymnische Gestus und Spechtls Stimme an Fotos, mal pirscht er sich ausgelassen an den frühen Westernhagen ran. Doch erst im letzten Drittel gehen die Alpen-Jungs erst so richtig aus sich raus. Vorher ist der Funke einfach nicht so richtig übergesprungen, was sicher auch am – zudem spärlich vertretenen – Publikum liegt: U40. So um die 40 Zuschauer waren da.



Was auf alle Fälle haften bleibt, ist der schräge One-Man-Support Hans Unstern. Zwischen vertonter Poesie und spätem Dada schleudert der hutzelige und lichtscheue Vollbartträger seine rasiermesserscharfen Texte mit Gitarre (und auch mal Mini-Ventilator oder Blockflöte) zu flimmernden Videosequenzen ins Volk. „Ich hätte gern mit dir getanzt zu dem Klick und Klack eines Kaugummiautomaten.“ Prädikat: sperrig, aber künstlerisch wertvoll.

Sie sagt:

Um in Begeisterungsstürme auszubrechen oder den oft zitierten (und oft gefühlten) überspringenden Funken zu spüren, dauert es einfach zu lange, bis die Band mal in Fahrt kommt. Gefühlte zehn Songs braucht das österreichische Quintett Ja, Panik um zu zeigen, warum es nicht nur in ihrem Heimatland auf begeisterte Resonanzen stößt. Ja, Panik im Café Atlantik? Nein, Belanglosigkeit, befürchtet man eher zu Beginn. Das liegt zum Teil an der Band, zum Teil am Publikum, zum Teil am Sound.



Die sperrigen und nervös-machenden Songs machen den Auftritt nicht unbedingt leicht konsumierbar. Das fahrige Gerumpel der Band bringt die Soundanlage an ihre Grenzen, dazu sprechsingt Andreas Spechtl seine deutschen Songtexte, in die er englische Sprachfetzen einbindet.

Klar: Man muss das mögen, diese denglischen Lyrics, die schrammelnden Gitarren, die vielen Tempi- und Taktwechsel. Auch wenn sich die Band gegen Ende zusammenreißt und mit einer sympathsichen Unverkrampftheit zu einem tollen, krachenden Finale hochspielt: Es ist zu spät. Die Füße wollen jetzt nicht mehr tanzen. Alles hin, hin, hin.

Zum Supportmann des Abends, Hans Unstern, fällt nur ein Adjektiv ein: merkwürdig. Ein stiller, ernster, bärtiger Mann, der (aus Schüchternheit?) die Aufmerksamkeit des Publikums auf die Videoleinwand lenkt. Seine glasklare Stimme ist das einzige, was in Erinnerung bleibt.

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