Nehmen alle Künstler Drogen? Das Fach Kunst in fudders Studiengangcheck

fudder-Redaktion

Jeder Jurist ist ein Schnösel, jede Psychologie-Studentin hat einen Knacks: Vorurteile über Studierende gibt es viele. fudder erklärt, womit sich Freiburger Studiengänge wirklich beschäftigen. Heute: Kunst. Das Protokoll hat Dorothea Winter geführt.

Worum geht’s?

Beim Kunststudium beschäftigt man sich im Grunde mit den Fragen, wie man Kunst machen kann, was Kunst überhaupt ist, was gute Kunst ausmacht und welche Formen Kunst annehmen kann.

Außer dem persönlichen Zugang zur Kunst lernt man auch das Drumherum des Künstler-Daseins und die Prinzipien des Kunstbetriebs kennen: Atelier, Ausstellung und Kunstmarkt. Das Motto des Studiums ist dabei nicht primär"Learning by doing", sondern vielmehr "Lernen durch Sehen und dann erst Tun". Das funktioniert, indem man fremde Kunst anschaut und bespricht, mit anderen Künstlern spricht, sich in der Kunstgeschichte auskennt und so die eigene Arbeit darin verortet. Kurz: Es gilt, ein visuelles Lexikon aufzubauen.

Gender-Check

Während im Kunstgeschichtsstudium die Frauen die Oberhand haben, sind die Männer- und Frauenanteile an Kunsthochschulen schon seit Jahren ausgeglichen.

Ein Vorurteil, das völlig erfunden ist

Das Vorurteil des leidenden Genius ist ein totales Klischee. Künstlerische Werke entstehen nicht aus dem Leiden, sondern aus dem Arbeiten, aus dem Dranbleiben-am-Poblem. Unter oder für die eigene Arbeit leiden ist kein besonders nachhaltiger Zustand, so kann es zu keiner seriösen Auseinandersetzung mit der eigenen Kunst kommen.

Ein Vorurteil, an dem was dran ist

Kunststudierende nehmen Drogen. Leider trifft das Vorurteil auf viele Studierende zu. Das Kunststudium und die künstlerische Arbeit bieten eine super Ausrede zum Konsum verschiedenster Drogen. Dass darunter fast immer die Qualität der eigenen Arbeiten und die Ateliernachbarn leiden, wollen viele nicht wahrhaben.

Der beliebteste Spruch

"Ist das Kunst oder kann das weg?"

Das nervt

Die meisten Studierenden haben ein schwieriges Verhältnis zu den Professoren, die Frage "Freund oder Professor?" stellen sich die meisten Studenten nicht nur einmal. Anders als in anderen Studiengängen vermischen sich hier die Ebenen oft, weil Kunst aus dem Innersten kommt und Kritik somit auch genau dorthin trifft.

Hinzu kommt die Tatsache, dass der Professor letztendlich auch nur Mensch ist und die Frage, was Kunst ist, nicht mit einem Totalitätsanspruch abschließend beantworten kann.

Das ist super

Beim Kunststudium hat man oftmals keine festen Arbeitszeiten. Das befreit und schränkt gleichzeitig enorm ein. Jeder Künstler oder derjenige, der es werden möchte, muss sich selbst motivieren jeden Tag ins Atelier zu gehen und etwas zu tun, denn
Anwesenheitspflicht gibt es logischerweise nicht. Doch obwohl Selbstdisziplin nicht leicht ist: Wer nichts tut, kommt künstlerisch nicht weiter. Aber durch das Studium fällt man deshalb noch lange nicht.

Wo Kunst-Studierende anzutreffen sind

Hoffentlich auf Ausstellungen, wahrscheinlicher in der Kneipe.

Work-Life-Balance

Die Unterscheidung Work-Life fällt Künstlern schwer. Künstler ist man immer, nicht nur während der Zeit an der Hochschule. Man sammelt und denkt immer über die eigene Arbeit nach. Privatleben und Studium lassen sich im Kopf nicht trennen.
Zum Studium gehören aber auch verpflichtende Ausstellungsbesuche. Wer sich nicht früh ein Netzwerk aufbaut, kann später kaum vom Beruf leben. Das bedeutet: Unter der Woche: Atelier; Am Wochenende: Ausstellungen. Dabei gilt:Studium ist Kunst, Freizeit ist Kunst.



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