Navel - Nirvana 2.0 im "Z"

Bianca Fritz

Sie sind der Liebling der Musikkritiker in diesen Tagen: Die einen schwärmen von Nirvana 2.0. Andere behaupten, dass Kate-Moss-Lover Pete Doherty ihre Stiefel lecken würde, um eine Lektion Rockunterricht von ihnen zu bekommen. Am Freitag war die Basler Neo-Grunge-Band Navel im "Z". Bianca berichtet euch, ob der Hype um die Band gerechtfertig ist.



Ob sie besser aussehen als die Arctic Monkeys, darüber kann man, zumindest was Sänger Jari angeht, nach dem Konzert im Z nicht wirklich urteilen. 97 Prozent der Zeit verdeckten die blonden kinnlangen Haare sein Gesicht. Aber es ging ja nicht ums Aussehen bei diesem Konzert. Es ging Musik. Am Feitag, als Navel aus Erschwil bei Basel angetreten waren, den neuen Grunge nach Freiburg zu bringen.


Den Abend eröffnet hatten Red Adaire aus Neustadt an der Weinstraße. Die vier Jungs ließen sich von dem noch halb leeren Konzertraum nicht beirren und rockten selbstbewusst drauf los. Schöne, kraftvolle Songs und ein gar nicht abgeneigtes Publikum. Als Belohnung gab's zwei Handvoll Promo-CDs, die an die Hörenden verteilt wurden.



Dann endlich Navel. Nach einer ewig scheinenden Pause ist endlich Lärm aus Richtung Bühne zu hören. Eine Gitarre, die rückkoppelt. Er ist also da, der Moment der Wahrheit. Denn wer solcherlei Vorschusslorbeeren wie Navel mit sich rumträgt, der hängt die Latte der Erwartung sehr hoch. Zur Erinnerung, der NME hatte über die Schweizer geschrieben: „Younger and better looking than the Arctic Monkeys while Pete Doherty is licking their boots for a lesson in rock.“ Der Satz steht überall auf den Plakaten zu lesen. Und hier sind sie nun, die Grunge-Nachwuchs-Hoffnungen aus der Schweiz.

Sie stehen auf die Bühne, spielen den ersten Song und das Programm des Abends ist klar. Leise findet heute woanders statt. Navel sind ausgezogen, Wut und Rock unters Volk zu bringen. Sie spielen, singen, schreien, leiden: Sänger & Gitarrist Jari, Bassistin Ef und Drummer Andi. Und Nirvana 2.0 ist wirklich nicht ganz von der Hand zu weisen. Noch nicht mal wegen des Aussehens von Jari, als wegen des Sounds. Aber ist ja auch nicht schlimm, so lange es ihnen und den Fans Spaß macht.

Bassistin Ef (links) trägt der Jahreszeit entsprechend eine Weihnachtsmann-Mütze als Kopfschmuck, lässig auf ihrem dunklen Haar drapiert, mit ein paar Strähnen, die in perfekter Zufälligkeit hervorgerutscht sind. Was bei jedem anderen vollkommen idiotisch aussehen würde, ist bei ihr einfach das Tüpfelchen auf dem i. Ef – die süßeste Erfindung, seit es Bassistinnen gibt. Und kein unbedeutender Faktor beim Näherrücken so manch männlicher Konzertbesucher an die Bühne.

Dort vorn toben sich seit dem ersten Song einige Pogowütige aus. Gelegenheit zum Springen, Rempeln und Headbangen gibt es schließlich mehr als genug. Dafür, dass alles in Tanz und Party geendet hätte, war das Set von Navel aber leider zu kurz. Eine halbe Stunde, Gitarre auf den Boden geworfen und Adieu.



Von den Zugaberufen ist wegen den erneuten Rückkoppelungen fast nichts zu hören. Aber nach einer ziemlich langen Weile scheinen Navel den Jubel und das Pfeifen der gut über hundert Besucher dann doch vernommen zu haben und kommen noch mal auf die Bühne. Jari vermeldet aber gleich entschuldigend, dass sie leider noch nicht mehr Songs haben.

Doch einen letzten gibt es, rockend und in bester Nirvana-Manier melodiös. Jari widmet ihn Label-Chef Patrick Wagner, der irgendwann an diesem Freitag, vermutlich wenige Stunden vor dem Konzert im "Z", seine Freundin und Label-Mitbetreiberin Yvonne geheiratet hat. Was die Navel-Crew erst am Morgen in Patricks Berliner Wohnung erfahren hat, nach einer mit ihm durchfeierten Nacht. Man kann sich also beruhigt zurücklehnen und die weitere Entwicklung der Schweizer beobachten. Denn bei Louisville Records sind sie in guten Händen. Wenn jemand Rock lebt, dann Patrick Wagner, Frontmann von Surrogat und seinerzeit Mitbegründer des Berliner Indie-Labels Kitty-Yo.