Nahost hautnah (2): Istanbul-Beirut

David Lohmüller

David und sein Freund sind mittlerweile in der "cradle of the civilization" angekommen: Syrien. In Folge 2 ihres Reiseblogs sitzen die beiden viel im Bus - es geht von Aleppo über Palmyra ins libanesische Beirut.



Judge Dredd in  Aleppo

Nach 20 h Busfahrt kamen wir gerädert in der zweitgrößten syrischen Stadt Aleppo an und fanden uns in einer anderen Welt wieder. Farblich alles in ocker, akustisch alles in laut; und menschlich alles in unglaublich gastfreundlich.



Die lange Fahrt wurde entlohnt durch den Bummel in den nicht enden wollenden Souqs und den Basaren der Altstadt und dem sagenhaften Sonnenuntergang vor der alten römischen Zitadelle.

Zum Abendessen wurden wir, hungrig und durstig wie die Bären bzw. Fische, mitten im Basar eingeladen zu einem der im letzten Bericht angesprochenen Ramadanfestessen. Hühnchen, Brot, Mais, Tomaten, undefinierbare Saucen, dazu Tee und lachende Gesichter.

Wir sind angekommen in Syrien - uns geht es gut.

Warme und sonnige 26-Grad-Grüße,
Euer David

P.S.: Auf dem Heimweg ins Hotel kamen wir an einem Kino vorbei, das durch einen Marktschreier zur Vorstellung einlud: die Einladung war verlockend: Judge Dredd oder Rambo :-)



Die Säulen der Erde

Als Syrien uns an der Grenze in Empfang nahm mit dem Slogan "Welcome to Syria, the cradle of civilization" war uns klar, dass wir hier wohl so einige Stätten und Juwelen der Geschichte sehen würden.

Genau so war es dann auch in den letzten Tagen. Nachdem wir uns aus Aleppo verabschiedeten, führte uns unser Weg nach Hama, einer Provinzstadt zwei Stunden südwärts. Die Hauptattraktion dort sind die riesigen römischen Wasserräder, die einst über ein komplexes System von Aquädukten die umliegenden Felder mit Wasser versorgten. Spektakulär ist, dass diese Räder zum Teil noch immer funktionieren und unter ohrenbetäubendem Lärm der uralten Bauteile ächzen, knarren und quietschen.



Von Hama aus unternahmen wir gemeinsam mit einem sehr ortskundigen, belesenen und vor allen Dingen unterhaltsamen Schweizer Rentnerehepaar und einem Kanadier, der perfekt Arabisch spricht, eine Tagestour zur nahe gelegenen Kreuzritterburg "Crac de Chevaliers." Beste Vorraussetzungen also für maximalen kulturhistorischen Input ;-)



Das unangefochtene Highlight der letzten Tage jedoch war unsere Reise in die goldene Mitte Syriens: Palmyra.
Palmyra, ursprünglich eine assyrische Karavanenstadt, wurde 215 vor Christus von Rom annektiert und später von der griechisch-römischen Königin "Zenobia" beherrscht.

Absolut überwältigend und umwerfend ist der Blick über die kilometerweit verteilten Ruinen und Tempelanlagen von der nahe gelegenen Burg aus, den wir uns feierlich zum Sonnenuntergang gönnten.



Und weil es wirklich so faszinierend war, beschlossen wir schon gleich am nächsten Morgen bei Sonnenaufgang durch die Ruinen selbst zu laufen. Und so liefen wir also um 5 Uhr in der Früh mutterseelenalleine durch die über 2000 Jahre alten Straßen, Tempel und Torbögen einstigen griechischen und römischen Reichtums.

Wie nirgendwo sonst fiel es mir leicht, mich hier für einen Augenblick lang in jene Zeit hineinzuversetzen.



Grenz(en)erfahrung

Es erforderte viel Preisverhandlungsgeschick und eine mittelschwere Odyssee war es, bis wir nun günstig und tatsächlich unsere Orts-Koordinaten von Zentralsyrien ins libanesische Beirut verschoben haben. Der Transport dorthin war dreigeteilt. Und der Mittelteil davon erfolgte in einem mörder brechend vollem Bus. Ich glaube ganz Syrien saß in diesem Bus. Neben der Gefahr einer Sauerstoff-Vakuum-bedingten "Lungenimplosion", war das eigentlich Kuriose, dass jeder Businsasse noch versuchte, sein Ticket am einzigen, manuell bedienbaren Entwerter abzustempeln. Ein Akt absoluter Unmöglichkeit und Sinnfreiheit - es trug definitiv nicht zu einer Entspannung der Raumressourcen bei.

Dennoch, auch eine solche Tortur geht vorbei und schlussendlich war es, dass wir uns gegen Nachmittag jenseits der libanesischen Grenze befanden, auf dem Weg nach Beirut!



(alle Fotos: David Lohmüller)

Mehr dazu:


Davids Reiseblog:
Eine Reise zu den Pyramiden