Nägel, Löffel, Kartenspiele: Der Zauberkünstler Jannis Kaiser

Moritz Kraus

Er schlägt sich Nägel in die Nase, verbiegt Löffel im Uri-Geller-Style und kann genau sagen, welche Karte man sich gemerkt hat: der 24-jährige Zauberkünstler Jannis Kaiser aus Freiburg. Wie er dazu gekommen ist und warum er sich selbst als ehrlichen Magier sieht:



Jannis Kaiser entrollt eine Werkzeugmappe, in der zwölf große Nägel liegen. "Habt ihr einen Verbandskasten hier?" Jannis macht eine ernste Miene. "Das ist kein Witz!" Dann stülpt er sich zwei Einmalhandschuhe über, bittet Alexandra, einen Nagel aus der Mappe auszusuchen und desinfiziert seine Hände. Alles nur Ablenkung für den bevorstehenden Trick? Jannis setzt den Nagel waagrecht an sein rechtes Nasenloch, nimmt einen Hammer und fängt an, den Nagel mit sanften Schlägen zu bearbeiten - und irgendwo hineinzuschlagen. Wohin? Keine Ahnung - aber am Ende ist der Nagel weg.


Jannis will mit seinem Stil unterhalten. "Ich komme zwar von der klassischen Münze-hinter-dem-Ohr-hervorholen-Zauberei, aber ich mache eine Mischung aus Zauberkunst und Mentalmagie." Zur Zauberkunst ist er vor sieben Jahren gekommen - durch eine Rolle als Magier bei einer Kinderfreizeit, die er betreut hat. "Ich habe ein paar Kartentricks gelernt, um für die Kinder glaubhafter zu wirken. Seither ist es mein Hobby", sagt er.

Vor zwei Jahren beendete er sein Psychologiestudium an der Uni Freiburg. Nebenher hat er immer wieder gezaubert. "Ich kenne einige Zauberer, die verdienen damit viel Geld. Deshalb habe ich angefangen, das nebenher zu machen." Hauptberuflich will er das allerdings nicht machen.

Trotzdem: Als er letztes Jahr per Couchsurfing durch Südamerika reiste, hat er seine Fingerfertigkeit mit Karten soweit verbessert, dass er seit einem halben Jahr auch professionelle Auftritte macht. "Da geht manchmal etwas schief. Aber wenn man das überspielt, vergisst der Zuschauer das schnell wieder." Mit einem verpatzten Zaubertrick sei es allgemein so, als erzähle man einen Witz, aber niemand würde lachen. Das wichtigste sei die Präsentation und Dramaturgie, erklärt Jannis.

Diesen Monat will er seine Aufnahmeprüfung für den Magischen Zirkel ablegen - die internationale Zauberervereinigung. "Ab einem gewissen Fähigkeitsgrad ist der Zirkel wie ein Geheimbund. Da wird man nicht einfach Mitglied, sondern muss beweisen, wie gut man zaubern kann", sagt Jannis. Bei der Prüfung muss er auch vor Publikum auftreten. Sogar die Auswahl und Detailreichheit seiner Requisiten bewertet die Jury.

Jannis zeigt noch weitere Tricks. Stereotypisch, aber faszinierend. Zwei Kartentricks mit Zahlenmerken et cetera; und Löffelverbiegen à la Uri Geller - wobei sogar die Lampe surrt.

 
Mit Uri Geller kann er dennoch nichts anfangen. "Das interessiert mich gar nicht. Ich sehe mich als ehrlichen Zauberkünstler, auch wenn ich die Leute täusche." So paradox das klingen mag, es stimmt. Jannis ist zum Beispiel dagegen, Tricks von anderen zu kaufen, die man ohne weiteres Üben übernehmen kann. Wenn er Tricks kauft, will er diesen noch eine eigene Note geben. Früher hat er sie im Nachhinein sogar verraten. "Ich würde nie sagen, dass ich Kräfte habe oder mit der Anderswelt kommuniziere." Den Nagel hat ihm Alexandra mittlerweile wieder aus der Nase gezogen. Sie hält ihn in der Hand und ist verblüfft. Janis nimmt ihn ihr ab und schlägt ihn in ein Stück Holz. "Bitteschön,", sagt er. "Schenk' ich dir."



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[Fotos: Manuel Lorenz; Video: Moritz Kraus]