Nächtliches Handyverbot in der Freiburger Altstadt

Florian Kech

Lärm macht erfinderisch: Als erste deutsche Großstadt testet Freiburg ein partielles Handyverbot im Freien. In bestimmten Straßen in der Freiburger Altstadt soll von nun an nachts Ruhe sein:



Das Pilotprojekt ist vorerst auf die Konviktstraße, Münzgasse und Herrenstraße sowie auf die Zeit von 22 bis 6 Uhr beschränkt. Damit kommt die Verwaltung den Bewohnern der Innenstadt entgegen. Diese hatten sich nach dem Aus für den Kommunalen Ordnungsdienst mit dem Lärmproblem im Stich gelassen gefühlt.


Der letzte Kompromissvorschlag ist noch keine zwei Wochen alt: Sogenannte Lärmkontrolleure sollen Kneipen überprüfen, die immer wieder die Musik zu laut aufdrehen. Für die Anwohner war das zu wenig. Der Lokalverein Innenstadt sprach von einer "Enttäuschung".

Jetzt hat das Rathaus nachgelegt. Passanten, die sich nach 22 Uhr auf der Konviktstraße, Münzgasse oder Herrenstraße aufhalten, sollen nicht mehr mit ihrem Handy telefonieren dürfen. Selbst das Versenden von SMS-Botschaften oder WhatsApp-Nachrichten ist nur noch erlaubt, wenn das Gerät auf stumm geschaltet ist (sog. Vibrationsalarm). Auf Nachfrage von fudder sagte ein Stadtsprecher: "Nach meiner Kenntnis gilt das Verbot sofort, unverzüglich." Der Lokalverein Innenstadt begrüßt den Beschluss, sagt aber auch, dieser könne nur ein Anfang sein.

Die Anwohner sind dankbar

Über eine Ausweitung der Verbotszone denkt man im Rathaus angeblich noch nicht nach. "Jetzt muss man erst einmal den Erfolg abwarten", heißt es. "Ich bin froh, dass etwas getan wird. Das nächtliche Geplapper auf der Straße war nicht mehr auszuhalten", sagt Anwohner Peter D.

Das Handyverbot hat die Stadtverwaltung in Eigenregie auf den Weg gebracht. Nach Paragraph 48 der Kommunalen Kommunikationsverordnung (KommKomm) handelt es sich um keine beschlusspflichtige Sache. Konkret heißt das: Der Gemeinderat hat hier nichts zu melden.

Zuständig für die Umsetzung ist das Amt für öffentliche Ordnung. Kontrollgänge werden aber vorerst keine durchgeführt. Man setze auf die "gegenseitige Selbstkontrolle", so ein Sprecher der Behörde. Beobachtete Verstöße können direkt ans Ordnungsamt gemailt werden - am besten mit Handyfoto. Die Bußgelder variieren zwischen vier und zwölf Euro, je nach Lautstärke.

Probemessen am Mittwoch

In Deutschland ist Freiburg zwar Pionier, ganz neu ist die Idee des partiellen Handyverbots allerdings nicht. So hat man in Freiburgs Partnerstadt Isfahan schon gute Erfahrungen damit gemacht. Trotzdem rechnet man im Rathaus mit vereinzeltem Widerstand. Das Handy zähle zu den meist unterschätzen Lärmquellen. Der Bevölkerung mangle es da oft an Verständnis, so ein Stadtsprecher.

Deswegen lädt das Amt für öffentliche Ordnung heute zu einer Infoveranstaltung in die Konviktstraße. Dort werden zwei Beamte mit einem Dezibelmesser warten. Mit dem Gerät können Passanten die Lautstärke ihres Telefonats überprüfen lassen. Die Lärmmessungen sind kostenlos und werden zwischen 13 und 14 Uhr vor dem Alten Simon durchgeführt.
Mehr dazu:

Was: Freiwillige Handy-Lärmmessung
Wann: Mittwoch, 1. April 2015, 13 bis 14 Uhr
Wo: Konviktstraße, 79098 Freiburg [Foto: Daniel Laufer]