Leute und Listen

Nadyne Saint-Cast, Bündnis 90/Die Grünen: "Wir brauchen endliche eine große Mehrheit für die Verkehrswende"

Simone Lutz

Am 26. Mai wird ein neuer Gemeinderat gewählt. In Freiburg treten 18 Listen an. Welche Positionen vertreten sie? Heute: Nadyne Saint-Cast, Spitzenkandidatin von Bündnis 90/Die Grünen.

BZ: Frau Saint-Cast, haben die Grünen auch Ihren kleinen Kindern Wahlwerbung geschickt?
Saint-Cast: Ja, dem Zwei- und dem Vierjährigen. Ich habe sie aufgehoben und werde sie irgendwann mal einrahmen.


BZ: Wofür steht Ihre Liste?
Saint-Cast: Wir stehen für ein klimaneutrales Freiburg, gute Kitas und Schulen und natürlich für die Verkehrswende.

BZ: Was muss sich in Freiburg dringend ändern?
Saint-Cast: Wir brauchen eine Mehrheit für die Verkehrswende. Die meisten CO2-Emissionen steigen im Verkehrssektor weiter an, kommen immer noch von Autos. Freiburg will aber Ende 2050 klimaneutral sein. Deshalb brauchen wir mehr Radverkehr, Fußverkehr und ÖPNV.

BZ: Soll Freiburg weiter wachsen oder sollte nach dem Bau des neuen Stadtteils Dietenbach Schluss sein?
Saint-Cast: Zum Glück leben wir in einem freien Land, in dem jeder hinziehen kann, wohin er will. Freiburg wird vielleicht wachsen, aber wir wollen dieses Wachstum nachhaltig und ökologisch gestalten mit autofreien Quartieren und einer Stadt der kurzen Wege.
Nadyne Saint-Cast, 40, ist Kommunikationsreferentin und seit 2014 Stadträtin in Freiburg. Sie ist verheiratet, Mutter von drei Kindern und wohnt in Zähringen.



BZ:
Für den neuen Haushalt haben Stadtverwaltung und Gemeinderat 70 Millionen Euro neue Schulden beschlossen. Wie bekommt man die Finanzen wieder in den Griff?
Saint-Cast: Wichtig ist, die verdeckten Schulden anzugehen, also etwa Sanierungsstaus in Schulen. Das ist eine Herausforderung. Ohne die Hilfe des Bundes wird das nicht möglich sein. Es kann nicht sein, dass der Bund Haushaltsüberschüsse hat und die Kommunen schlecht dastehen.

BZ: Ihre Traumveranstaltung für das Stadtjubiläum?
Saint-Cast: Der Dreisamboulevard. Da hätten wir die Stau- zur Flaniermeile machen können. Leider haben wir keine Mehrheit dafür gekriegt.

BZ: Bitte vervollständigen Sie: Ich finde den kommunalen Ordnungsdienst...
Saint-Cast:... sinnvoll für Sauberkeit und Ordnung, aber überbewertet für Sicherheit.


BZ:
Die Umsetzung politischer Entscheidungen scheitert immer öfter am Widerstand von Bürgern. Wie wollen Sie hier vermitteln?
Saint-Cast: Ich finde Bürgerbeteiligungsverfahren richtig. Bürgerentscheide sind gute Instrumente, damit sich Menschen einbringen können. Vielleicht muss das ja eingeübt werden, aber die letzten beiden Bürgerentscheide – zum SC-Stadion und zu Dietenbach – haben gezeigt, dass Bürger doch Argumente abwägen können.

BZ: Mit welchen anderen Listen könnten Sie sich eine Zusammenarbeit vorstellen?
Saint-Cast: Mit allen. Außer die AfD würde in den Gemeinderat einziehen.

BZ: Welcher Gemeinderatsbeschluss der vergangenen zehn Jahre war Top, welcher war der größte Flop?
Saint-Cast: Top war die Erhöhung der Klimaschutzmittel auf insgesamt sechs Millionen Euro pro Jahr. Ein Flop war, dass wir kein autofreies Gutleutmatten durchgekriegt haben.
Leute und Listen

Am 26. Mai wird ein neuer Gemeinderat gewählt. In Freiburg treten 18 Listen an. Welche Positionen vertreten sie? Wir haben die jeweiligen Spitzenkandidatinnen und -kandidaten um Antworten für einen Fragebogen gebeten. Alle bisher erschienenen Folgen gibt es unter: Kommunalwahl 2019 in Freiburg: Leute und Listen.

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