Nackte Brüste, Milch und ein Puppenkopf: 5 Fragen zur Kunst vor dem Sex-Shop in der Habsburgerstraße

Daniel Laufer

Auf dem Schild des Sex-Shops "Angelique" sind nur schüchterne Silhouetten zu sehen, nackte Haut gibt's auf der Fotocollage daneben - entworfen von der Freiburger Künstlerin Korona Stejke. Die will ihre Arbeiten in Zukunft im ganzen Stadtgebiet verbreiten:

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(Zum Vergrößern bitte anklicken)

Was sehen Sie, wenn Sie Ihr Kunstwerk anschauen?

Korona Stejke: Ganz offensichtlich erst mal diese Frau, wie man sie aus dem Playboy kennt, der über die Brust Milch herunterläuft. Wenn ich noch einen zweiten Blick darauf werfe, sehe ich, dass ihr Kopf überklebt ist mit einem Puppenkopf – wie eine Maske.

Ich habe die Assoziation zum Thema Milch und Stillen. Als nächstes sehe ich diese Brust, die von der Hand gehalten wird, wie wenn man ein Kind stillt. Das Ganze ergibt eine Art Kreislauf: Die Milch läuft herunter, kommt in den Mund, läuft runter und damit wieder zum Stillen.

Warum haben Sie diese Collage vor einem Sex-Shop angebracht?

Ich wollte den Begriff des Sex-Shops ein bisschen aus der Schmuddelecke rausbringen, ihn erweitern und in einen natürlichen Kontext setzen. Mutterschaft und Sexualität gehören zusammen und zum Menschsein und Frausein dazu.

Nacktheit, gerade nackte Brüste, sieht man in der Kunst ja andauernd. Oft entsteht dabei der Eindruck, dass es in erster Linie um Provokation geht. Wie ist das bei Ihnen?

Ich führe die Brüste auf Ihren Zweck zurück. Sie sind etwas Schönes, Sinnliches, durch sie entsteht Sexualität. Aber der Mutter dienen sie auch zur Ernährung ihres Kindes, zur Geborgenheit.

„Frau“ ist mehr als ein reduziertes Sexobjekt. „Frau“ darf auch mal Objekt sein, wenn sie das will – aber sie ist trotzdem auch immer viel mehr als das. Diese Brüste sind natürlich der Hingucker, aber es bleibt ja nicht bei ihnen. Ich führe die Idee weiter.

Ist das eine Idee, die an diesem Ort stattfinden kann? Daneben steht immerhin „Non-Stop-Kino“ – und bei Pornographie geht es letztendlich ja einfach um Sex.

Genau deswegen finde ich den Ort genau richtig. Das verweist auf etwas, was man in diesen Filmen wahrscheinlich nicht sieht. Durch meine Arbeit erweitere ich das.

In welchem Rahmen ist diese Arbeit entstanden?

Sie stammt aus einer Serie, in der das Thema Sexualität und Mutterschaft von mir bearbeitet wurde. Ich habe vor, im Stadtraum noch weitere Arbeiten zu verbreiten, auch unter anderen Thematiken. Sie sollen jeweils an den Ort gebunden sein. Diesmal war es eben der Sex-Shop. Ich mache aber nicht nur dieses provokative Muster.

Zur Person



Korona Stejke hat an der Kunstakademie Karlsruhe bei Leni Hoffmann die Freie Kunst studiert. Die 37-Jährige lebt in Freiburg. Sie arbeitet vor allem mit Fotocollagen.

Mehr dazu:

[Fotos: Korona Stejke]