Nackt-Party in der Passage 46: "Freiburg hat das Fleisch gefeiert"

Alexandra Röderer

Erst fallen bei der DJane die Hüllen – dann bei einigen Partygästen: In der Freiburger Passage46 wurde im Anschluss an die Performance "More than naked" blank gezogen.



In der Nacht auf Samstag fielen in der Freiburger Passage 46 bei einigen Besuchern alle Hüllen: Hosen wurden abgestreift, BHs in Handtaschen gestopft. Und während manch Mann den Bauch lieber einzog, ließen andere ihrem Speck freien Lauf, schüttelten ihn ausgelassen durch. "Freiburg war überraschend offen", sagt DJane Doris Uhlich der Badischen Zeitung, die in dieser Nacht hinter dem Musikpult als erste blank zog.


Mit Smartphone bewaffnete Voyeure

Wenige Stunden zuvor hatte die Wiener Choreographin in "More than naked" die Körper von 20 nackten Tänzerinnen und Tänzern in Szene gesetzt. Anlass für enthemmten Tanz und wilder Ekstase zu Technobeats und Rock war das 9. Festival Politik im Freien Theater im Kleinen Haus. "Die Party in der Passage war dann quasi die Verlängerung", so Uhlich.

Die begann gegen 0.30 Uhr noch züchtig angezogen. Zu den ersten Klängen von "Ice, ice baby" fielen bei Doris Uhlich die ersten Kleidungsstücke. "Anfangs dachte ich, das sei so nach dem Motto: Boah, ist das heiß", erinnert sich eine 36 Jahre alte Freiburgerin, die auf der Party war. Aus beruflichen Gründen will sie ihren Namen nicht in der Zeitung lesen. Dann stand Uhlich nackt da – und viele seien dem Beispiel der DJane gefolgt, hätten Hosen und Slips abgestreift. "Dutzende waren halbnackt, 20 Leute bestimmt ganz nackt", so die 36-Jährige. "Es war ein riesiger Spaß, das Fleisch zu schütteln und den Körper wackeln zu lassen."

Sie selbst habe ihre Unterwäsche lieber anbehalten. Mit Smartphones bewaffnete Voyeure hätten sie davon abgehalten, sich in Zeiten von Facebook, Instagram und Twitter auch noch vom letzten Stück Stoff zu befreien. "Um das Pult der DJane versammelten sich viele und machten Fotos – natürlich waren die selber angezogen", so die Freiburgerin. "Das war ekelhaft."

Die letzten sammeln gegen 5 Uhr die Socken ein

Doris Uhlich weiß, dass Öffentlichkeit zu ihrem Geschäft gehört. Sie hat sich eigenen Worten zufolge damit abgefunden, dass freizügige Fotos von ihr auf irgendwelchen Pornoseiten landen könnten. "Den Fotografen wird es aber auch schnell fad, weil sie merken, dass ich nicht auf Gogo-Girl mache, sondern einfach eine wilde Nuss bin", so Uhlich. Es gehe darum, das eigene Körpergefühl auszuleben. Cellulite, Pickel, verschmiertes Make-up: "Das wird alles sowas von wurscht." Wenn sich Partygäste aber durch Bilderjäger eingeschränkt fühlten, sei das sehr, sehr schade. Es gehe dabei nicht um Erotik, sondern um Freiheit. Ein Handyverbot passe da nicht ins Bild. "Das lässt sich auch kaum durchsetzen."

Nicht zum ersten Mal wurde eine Party im Anschluss an Uhlichs Performance mit reichlich Körpereinsatz begangen. Bereits in Salzburg und Wien zogen Feiernde blank, in Deutschland machte Freiburg den Anfang. Erst gegen 5 Uhr morgen sammelten die letzten ihre Socken und Hosen wieder zusammen. DJane Doris Uhlich: "Freiburg hat das Fleisch gefeiert."

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