Nachweis von Drogen: Was taugen Schnelltests?

Dana Hoffmann

Verräterischer Speichel und Schweiß: Bei der Razzia im Liquid Club konnte die Polizei mit Hilfe von Wischtests 25 mutmaßliche Händler und Besitzer von Drogen ausmachen. Wie zuverlässig sind solche Schnelltests? Dana hat sich über Anwendung und Fehlerquoten, aber auch über die strafrechtlichen Konsequenzen eines positiven Tests informiert.



Wisch- und Speicheltest

Die Schnelltests haben gegenüber Bluttests vor allem einen zeitlichen Vorteil: In nur wenigen Minuten erkennen sie verschiedene Stoffgruppen wie Kokain, Opiate oder Amphetamine. Die Blutanalyse dauert hingegen vier bis sechs Wochen.

Zwei Schnellverfahren haben sich in Deutschland durchgesetzt: Beim Wischtest wird ein präpariertes Papierblättchen über eine Hautpartie zum Beispiel unter der Achselhöhle gezogen. Ist in der Probe eine der geläufigen Substanzen enthalten, bildet sich ein roter Strich auf dem Streifen. Bei einigen Fabrikaten zeigt die rötliche Färbung hingegen ein negatives Ergebnis an. Der Speicheltest funktioniert ähnlich, nur werden hier Proben aus der Mundhöhle auf Spuren von Stoffen untersucht. Ist der Test positiv, muss der Anfangsverdacht durch einen Bluttest bestätigt werden.



Hilfreich seien die Schnelltests für den Nachweis von harten Drogen wie Ecstasy, Kokain oder Speed, so der Toxikologe Professor Wolfgang Weinmann. Diese Stoffe sind auch nach ein bis zwei Tagen noch im Schweiß und Speichel vorhanden, während sie aus dem Blut bereits viel früher verschwinden. Eine Lücke tut sich jedoch beim Nachweis vereinzelter Drogen auf: "25 bis 30 Prozent der Cannabis-Fälle werden gar nicht erkannt", bemängelt Weinmann. Das liege vor allem daran, dass Haschisch im Schweiß nicht so gut nachweisbar sei wie im Blut. "Außerdem waren die älteren Tests nicht auf THC ausgelegt, dem Hauptwirkstoff von Cannabis. Der Teststreifen hat den Stoff nicht richtig aufgenommen."

Auch die so genannte Party-Droge Liquid Ecstasy fällt durch das Raster: Sie ist nur wenige Stunden nach dem Gebrauch noch nachweisbar. Alkohol wird von den Schnelltests nicht erkannt.

In anderen Fällen sind die hoch empfindlichen Messgeräte etwas zu gründlich: Sogar bei Hustensaft oder Mohnkuchen schlägt der Test aus - beide enthalten kleine Mengen an Opiaten.

"Für den Anfangsverdachts auf Drogenkonsum oder -handel ist der Vortest auf jeden Fall geeignet. Wenn er positiv ausfällt, folgen Blut- oder Urinuntersuchungen", sagt Wolfgang Weinmann. Dem Toxikologen zufolge kann damit dann nachgewiesen werden, ob tatsächlich innerhalb der letzten Stunden Drogen konsumiert wurde, oder ob es nur einen oberflächlichen Hautkontakt gab.



Strafrechtliche Folgen

Verkehrsrechtlich kann der Konsum von harten Drogen – auch wenn dieser schon länger zurück liegt – Konsequenzen haben. Wenn die Polizei die Führerscheinbehörde über den positiven Schnelltest eines Fahrzeughalters nach einer mit Pillen verlängerte Partynacht informiert, kann das Amt sofort die Fahrerlaubnis entziehen – auch wenn der Getestete gar nicht mit dem Auto unterwegs war. Und wer high hinterm Steuer sitzt, ist seine Lizenz ohnehin sehr schnell los.

Bei einem positiven Ergebnis des Drogenvortests muss der Getestete in der Regel seine Taschen durchsuchen lassen. Werden hierbei verdächtige Tabletten oder Flüssigkeiten gefunden, hat das aber nicht zwingend Folgen: "Die Strafverfolgung richtet sich nach der Menge, die der Betroffene zum Zeitpunkt der Durchsuchung bei sich hatte", erklärt Oberstaatsanwalt Christoph Frank.

Ab einer bestimmten Anzahl steht dem mutmaßlichen Dealer eine Durchsuchung ins Haus. Bei kleinen Mengen werde das Verfahren oft eingestellt und als Ordnungswidrigkeit weiter behandelt. Sollte es zum Verfahren kommen, drohen dem Angeklagten Führerscheinentzug, Gefängnis- und Geldstrafen.



In der Praxis hätten sich die Schnelltests zwar bewährt, sagt Frank. Viele der Wischtests fielen aber falsch oder ungenau aus, ergänzt Toxikologe Weinmann: "Auf der Hautoberfläche sind einfach zu viele Verfälschungen möglich. Da reicht es schon, wenn ich als Passivraucher neben einem Kiffer gesessen hab und danach Spuren von THC auf meiner Haut habe."

Speicheltests haben somit einen Vorteil, denn es ist relativ unwahrscheinlich, dass andere Stoffe die Probe verfälschen. Allerdings würden sich zum Beispiel Amphetamine länger im Schweiß halten als im Speichel. Der Wischtest hat also durchaus auch seine Berechtigung. Und trotz einer Fehlerquote von rund 20 Prozent gilt der in der Praxis sehr häufig verwendete Wischtest "Drugwipe" für den Nachweis von Cannabis als zuverlässig.

Ein zuverlässiges Ergebnis bietet aus medizinischer Sicht ein Urinschnelltest. In der praktischen Umsetzung zeigen sich bei der Becher-Variante allerdings gewisse Nachteile.

Mehr dazu:

fudder.de: Berichterstattung über die Razzia im Liquid Club