Nachtschwimmer

Meike Riebau

Wer von uns hat sowas nicht schon mal gemacht? In einer lauen Sommernacht über den Zaun eines Freibads gestiegen und ein kleines Bad genommen. Nervenkitzel - erfrischend und unerlaubt. Denn die Folgen sind gar nicht so harmlos. Im Gespräch: Nachtschwimmer, Bademeister und die Polizei.



Nachts um drei im Schwimmbad: Kay, schon leicht angesäuselt, hebt an zum Köpfer und taucht eine komplette Bahn. Am anderen Beckenende taucht er auf und hebt den Arm zur Siegerpose - seine Freunde jubeln, wenn auch nur gedämpft.


Sie sind hier wegen einer verlorenen Wette. Um was es ging, wissen sie schon gar nicht mehr, irgendwas mit Einwohnerzahlen oder so. Der Verlierer musste auf jeden Fall nachts nackt im Schwimmbad schwimmen gehen.

Die vier Schüler vom Freiburger Rotteckgymnasium haben es zu einer Art Sport gemacht, immer mal wieder nachts in die umliegenden Schwimmbäder einzubrechen, eine kleine Abkühlung zu nehmen und zwanzig Minuten später wieder zu verschwinden. "Wenn wir länger bleiben würden, würden die Nachbarn etwas mitbekommen, deshalb gehen wir auch ziemlich schnell wieder", behauptet der 16-jährige Kay.



"Außerdem geht es ja auch mehr ums Reinkommen, das Gefühl, es geschafft zu haben. Eine Badeorgie wollen wir hier auch nicht veranstalten, dafür ist es meistens ja auch ein bisschen kalt," ergänzt Kays Freund Mirko. Angst haben die beiden keine, aber "ein kleiner Nervenkitzel gehört schon dazu, sonst würden wir es ja auch nicht machen", sagen die Schüler.

Dass das nächtliche Badevergnügen für manch anderen kein Spaß ist, davon berichtet Claudia Held. Die Bademeisterin des Lorettobads hat schon an so manchem Morgen die Spuren der nächtlichen Besucher gefunden: Glasscherben, im Becken schwimmende Blumentöpfe und so weiter.

"Einmal waren die Leute sogar noch da, als ich morgens meinen Dienst anfing", sagt Held. Elf Jahre lang arbeitet sie schon im Lorettobad. Für sie bedeuten die nächtlichen Besucher meistens bloß mehr Arbeit. Zumindest die Besucher, deren Spuren sie findet. "Wer weiß, vielleicht steigt ja jede Nacht jemand ein und wird nie erwischt. Das können wir natürlich nicht wissen", so Held.

Zu Beginn ihrer Dienstzeit gab es sogar einen nächtlichen Stammgast: regelmäßig morgens fand sie ein, zwei ausgedrückte Zigarettenstummel am Beckenrand, bis sie eines Tages einfach einen Aschenbecher aufstellte. Das Angebot wurde angenommen. Am nächsten Morgen fand sie einen gefüllten Aschenbecher und einen "Danke"-Zettel vor.



Die nächtlichen Besuche seien allerdings relativ selten, "manchmal ist einen Monat lang gar nichts, dann wieder vielleicht zweimal in zwei Wochen", so Held. "Das hängt natürlich auch immer vom Wetter ab. Dieses Jahr hatten wir deshalb sehr wenig Probleme", berichtet sie. Diesem Urteil schließt sich auch ein Bademeister des Hochdorfer Strandbads an: "In dieser Saison haben wir kaum Nachtaktivitäten im Bad beobachtet. Wir machen regelmäßige Kontrollgänge."

Im Wasser treibende Blumenkübel oder abgerissene Vorhänge haben allerdings nichts mehr mit einem harmlosen Nachtbad zu tun, sondern mit purem Vandalismus. In solchen Fällen kann eine Anzeige gegen Unbekannt wegen Hausfriedensbruchs und Sachbeschädigung drohen. Am Lorettobad fährt nachts häufiger eine Polizeistreife vorbei. Die Beamten verfügen auch über einen Generalschlüssel des Schwimmbads.



Für Polizeisprecher Ulrich Brecht stellen die nächtlichen Schwimmer kein allzu großes Problem dar. "Es passiert relativ selten, dass wir zu einem derartigen Fall gerufen werden. AUßerdem handelt es sich in der Regel lediglich um Hausfriedensbruch, was ein klassisches Anzeigedelikt ist. Wenn die Betreiber die Anzeige nicht stellen, wird die Polizei nicht aktiv."

Übrigens hat eine (natürlich anonyme) Umfrage in der Fudder-Redaktion ergeben, dass fünf von sechs anwesenden Mitgliedern schon mal nachts schwimmen gegangen sind. Claudia Held hingegen hat sich in ihrer Jugend immer an die Seen im Umland gehalten - "aber nachts schwimmen, das war ich schon", sagt sie und lacht.