Nachtschicht im Fitnessstudio

Obwohl die meisten Menschen nachts schlafen, gibt es Fitnessstudios, die rund um die Uhr geöffnet sind. Auch in Freiburg lockt ein Studio mit unbegrenzten Öffnungszeiten. Wer nutzt das? Wir haben das mal kontrolliert - und dabei Fitnessfan Mostafa kennengelernt.

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Der Weg zum Kraftraum führt durch den Fitnessbereich. Ein Dutzend vorwiegend junge Leute verausgabt sich an Crosstrainern und auf Laufbändern. Die Atmosphäre ist ruhig, die leise Musik wird durch die das Klackern der Geräte und dem regelmäßigen Keuchen der Hobbysportler übertönt. Das modern eingerichtete Studio erstrahlt in schwarz und weiß, große Wandbilder konfrontieren die Trainierenden mit idealisierten, muskelbepackten Traumkörpern.


Hinter einer massiven Tür liegt die Muckibude, eine andere Welt. Hier ist die Musik lauter, pulsierender, die Muskeln definierter und der Ton rauer. Schweiß tropft den Männern von der Stirn, Testosteron liegt in der Luft. Mit fast zwanzig Leuten ist der Raum dicht gefüllt.



Es ist ein Mittwochabend im Winter, kurz nach 23 Uhr. Alle Fitnessstudios Freiburgs sind geschlossen. Alle? Nein. Eins an der Baseler Landstraße ist noch geöffnet. Während der durchschnittliche Freiburger sich so langsam von Kino oder Kneipe in Richtung Zuhause oder vom Fernseher in Richtung Bett begibt, wird hier trainiert. Einer der Trainierenden, der sich mit großem Ehrgeiz dem Eisen widmet: Mostafa.

Mit federnden Schritten bewegt sich der 25-Jährige sich durch den schummerigen Raum, sein Ziel, die Hantelbank, fest im Blick. Mostafa trainiert gerne nachts. "Ich komme gerne nachts hierher, um in Ruhe zu trainieren", sagt er. "Weil es dann leerer wird und nicht mehr so viel Stau an den Geräten ist." Zwischen 18 und 22 Uhr sei im Studio am meisten los. "Dann ist Rushhour, weil die meisten Leute mit der Arbeit fertig sind und dann trainieren kommen. Das mag ich nicht so gerne." Nur im Notfall komme er mal zu so früher Stunde zum Schwitzen. Je später die Uhrzeit, desto leerer das Studio.



Für Mostafa ist das späte Training eine Typfrage. "Ich bin ein Nachtmensch, schon immer gewesen", sagt er. Auch für sein Studium der europäischen Ethnologie und Katalanisch lernt er lieber nachts." Da bin ich einfach aktiver, fitter und noch mehr dabei".

In seiner Freizeit spielt Mostafa Gitarre und liest gerne, andererseits geht er auch ab und an Feiern, allerdings meistens ohne Alkohol. Das Training ist ein wichtiger Pfeiler in seinem Leben, er betreibt Kraftsport nicht nur „ein bisschen nebenher“. Aufgewachsen mit Sportarten wie Schwimmen, Tennis, Fußball und Basketball gilt sein Hauptinteresse heute dem Fitnesstraining. Angefangen hat alles mit einer Enttäuschung: „Ich weiß noch, wie ich mit zwölf, dreizehn im Karstadt Sport war und mir die ersten Hanteln kaufen wollte, Drei-Kilo-Hanteln! Das ging nicht, weil man ja erst ab 15 Hanteln kaufen darf. Ich war entsetzt darüber“, sagt er und lacht.

Mostafas Ziel ist eine Kombination aus Funktionalität und Ästhetik; Koordination und Körpergefühl sind ihm wichtig. Zur Unterstützung des Körpers nimmt er Supplements wie Whey-Protein, ein  hochwertiges Protein, Aminosäuren die den Muskelaufbau beschleunigen und Kreatin, das die Leistungsfähigkeit steigert.

Sein Hauptantrieb ist der Kampf mit sich selbst, das Gefühl, mehr Gewicht stemmen zu können, ausdauernder zu sein und dabei als Nebeneffekt noch einen enormen Aufmerksamkeitsgewinn für den Unialltag zu verzeichnen. Eigentlich will er jeden fünften Tag eine Trainingspause einlegen - das schafft er nicht immer. Zu seinen Lieblingsübungen gehören alle Armübungen, wie etwa Bizepscurls.

Von allzu strengen Trainingsplänen hält der energiegelanden Mostafa er nicht viel, wichtiger sei es zu lernen, auf den eigenen Körper zu hören. Zufrieden schaut er in den Spiegel. "Wenn ich noch Kraft habe, warum nicht? Dann mach ich einfach weiter."

Seine Leidenschaft für den Kraftsport hat er mittlerweile zum Nebenjob gemacht: Mostafa arbeitet seit einer Weile auch als Trainer im Studio und gibt seine Erfahrung und sein Wissen an seine Kunden weiter. Das hat für ihn den kleinen Nachteil, dass er manchmal auch zu früher Stunde hier sein muss. "Morgens komme ich nicht so sehr klar, aber wenn ich manchmal auch um 8 Uhr hier stehen muss, dann kann ich mich natürlich zwingen." Am späten Abend trainiert er zwischen seinen sonstigen Kunden, der Ton untereinander ist kollegial und locker.

"Schnelle ein bis zwei Stunden" wird Mostafa heute abend Trainieren, nach ein paar Übungen tropft ihm der Schweiß von der Stirn. "Leistungsfähigkeit ist bei jedem Menschen anders" sagt er, "bei mir  ist sie eben nachts am höchsten."

Die Autoren


Rebekka Lang (22, Romanistik) Katrin Thalweiser (23, Frankomedia) und Jochen Wenzelmann (27, VWL) studieren an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Am Zentrum für Schlüsselqualifikationen (ZfS) haben sie im Wintersemester an einem Berufsfeldorientierte Kompetenzen (BOK)-Kurs zum Thema "Online-Journalismus" teilgenommen, den die Redakteurinnen Alexandra Röderer und Carolin Buchheim angeboten haben. Im Rahmen dieses Kurses haben sie diese Reportage konzipiert, recherchiert und geschrieben.

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