Nachtprognose 2007: Unten ohne kommt

Markus Hofmann, Carolin Buchheim & David Weigend

Welche Trends und Neuerungen bringt Freiburgs Nachtleben im jungen Jahr 2007? Und was kann man von seinen Gestaltern erwarten? Fragen an acht Freiburger Nachtmacher.

Jan Ehret, Klub Kamikaze, Matchbox

Unser Kamikaze Klub ist sehr gut angelaufen. Im Februar werden wir zusätzlich den Mittwoch ins Programm aufnehmen - die "Rebel Music" (Reggae) wird dann vom Ruefetto zu mir ins Kamikaze umziehen. Unsere Reihe "Matchbox" wird es auch in 2007 weiter geben - teilweise wie bisher im Drifter's, teilweise im Kamikaze. Ich werde in diesem Jahr einige Musiker buchen, die noch nie in Freiburg waren, zum Beispiel Peaches - die Show lohnt sich. Was ändert sich bei  "Matchbox"? Die Musik wird sich weiter entwickeln. Auf jeden Fall elektronisch und mit einem gewissen Druck, auf keinen Fall minimal - das geht mir auf den Sack. Musik darf alles sein, nur nicht langweilig. Außerdem werde ich einige Veranstaltungskonzepte ausprobieren - Labelnights, Improtheater, Lesungen...


Allgemeine Trends in 2007: House ist tot. Das prophezeie ich eigentlich schon seit vielen Jahren, in Freiburg war House bislang aber einfach nicht tot zu kriegen - dieses Jahr ist es aber so weit. Außerdem wird es in allen Genres viel mehr Live-Geschichten geben. Indie-Rock wird auch in Freiburg "the next big thing" sein - in anderen Städten ist es schon lange so.

Bela Gurath, Endless Event und F-Club

In 2007 gibt es Altbewährtes und Neues. Höchstwahrscheinlich kommen bei uns zwei hammergeile Geschichten, an denen wir seit vier Jahren dran sind - zwei Off-Locations, die noch nie bespielt worden sind. Ansonsten wird es den Sea of Love wieder geben und die Extravaganca - wahrscheinlich in einer komplett neuen Location. Im F-Club wird das Programm noch bunter und breiter - Mousse-T wird wieder dort auflegen, Tiefschwarz, Moonbootica oder Tom Novy.

Musikalische Trends? Die Deep-Geschichte und Minimal flachen schon wieder ab. Erschreckend war, dass es in 2006 keinen klassischen Hit gab, auch nicht auf Ibiza - das war schon ein bisschen komisch. Black Music hat sich auf hohem Niveau stabilisiert, sie hat aber keinen Hype mehr. Dafür habe ich den Eindruck, dass der klassische House wieder kommt.

Rainer Trüby, compost records

Die 80er Jahre halten sich immer noch wacker. Wie wäre es mit einem 90er Revival mit Rare Groove, Acid Jazz, Jungle, UK Clubsoul? Da wäre Freiburg dann ganz vorne. Elektronisch bleibt's bestimmt in allen Facetten, was ja auch nicht schlecht ist. Root Down und Beats & Öxle werden weiterhin am Start sein. Nach dem Motto "Schuster bleib' bei deinen Leisten" will ich weiterhin spannende Gast DJs in den Waldsee bringen und plattendrehenderweise meinem Stil treu bleiben, aber auch mit beiden Ohren über den Tellerrand hinaushorchen.

Al Kapone, Kaporn Studio

2007: Heiße Nächte, Addiletten, Kalte Drinks, Push Up out, unten ohne kommt, durchsichtige Bademoden,oben ohne tanzen, schöner Sommer, 120DB Bass, guter Wein, Grillclub wird e.v., alles wird gut. Ich komme wieder.

DJ Ill, Rapkilla Records

Trends sind in Freiburg meist schwer zu entdecken. Im HipHop Bereich geht der Trend eher weg vom 08-15 R'n'B-Zeug. Die Leute haben keinen Bock mehr, auf jedem Black Floor dieselben 15 Titel rauf und runter zu hören, die sowieso schon auf VIVA und MTV totgespielt werden. Die DJs müssen klarere Schwerpunkte setzen, wenn sie 2007 noch was rausholen wollen. Einige werden mehr auf dem Raggatone-Zug fahren, andere vielleicht mehr Boombap oder Nu-Era spielen.Ich werde 2007 mehr auflegen als 2006, hauptsächlich West Coast Sound (Dre, Snoop, Pac, Game etc). Außerdem will ich ein NewYork Classic-Set zusammenstellen. Southside Zeug sollte ebenfalls Berücksichtigung finden in meinem Set. Dass Sachen wie Swishahouse, Cash Money und DTP hier immer noch nicht in den Clubs laufen, ist ja schon peinlich.

Torpedo Tom, Beatsalon

Ich finde es klasse, dass es in Freiburg zur Zeit von kleinen Independent Party- und Konzertveranstaltern nur so wimmelt. Als ich vor 14 Jahren hierher gezogen bin, gab's noch kein Swamp, keine KTS, für's Wochenende blieb nur das Crash und fürs linke HC/Punkrock-Konzert musste man ins AJZ Waldkirch fahren. Ab und zu gab's was Gutes im jos fritz oder Café Atlantik. Das können sich die jungen Leute heute ja gar nicht mehr vorstellen, wie langweilig das war! In den letzten Monaten hätte ich mich fast aufspalten müssen: Sonntags im ElPi, Montags im My Way, Mittwochs Heimatbühne, Café Atlantik, Walfisch, Z, 264, Ruefetto - überall kleine bis mittelschwere Indie-Acts oder Parties, dazu noch die im oder vom Swamp veranstalteten, da geht selbst einem äusserst guterhaltenen Indielover wie mir die Puste aus. Dieser Trend wird sich noch fortsetzen, ein paar werden wahrscheinlich eingehen, ein paar leiben bestehen, hoffentlich die Guten. Darüber hinaus fangen jetzt die ersten Indieveranstalter an, eigene Clubs aufzumachen, wie Jan Ehret mit dem Kamikaze. Wurde auch mal Zeit! Es gibt immer noch zu viele Veranstaltungsorte in der Stadt, deren Betreiber mit dem, was die Indieszene bei ihnen veranstaltet, eigentlich nichts zu tun haben und nur gelangweilt auf die Einnahmen schauen. Was dabei heraus kommt ist der Funkytechhouseelectrocharts-Einheitsbrei, den uns die Innenstadt Clubmafia seit Jahrzehnten schon beschert. Wem's nicht passte der zog nach Berlin. Jetzt machen wir uns hier unser kleines Breisgau-Berlin. Das passt mir bestens in den Kram, ich hab keine Lust wegzuziehen.

Mein persönliches Steckenpferd namens "Beatsalon" hat mir gleich bei der ersten Veranstaltung im neuen Jahr ein persönliches Highlight beschert. So viele Leute in so guter Laune zu erleben, die zu 60's Szenehits bis zu völlig unbekanntem Kram durch die Nacht tanzen - das kann von mir aus gerne so weitergehen! Wenn wir es weiterhin schaffen Leute so unterschiedlicher Szenen und Altersstufen unter dem Beat Dach zu vereinen, macht mich das ganz ehrlich ein bisschen stolz. Dazu kommen jetzt zusätzlich zum "PLASTICpopUPclub" noch zwei weitere Partypferdchen in den Jackson-Stall: Mit dem "Bionic Beat Club" und der Reihe "Garage Traxx" können wir jetzt jeden Freitag ein sehr weites Spektrum an Tanzvergnügen anbieten - von Gitarre bis vollelektronisch.

Hey, das Leben ist kein Tanzlokal, aber ich finde eine gute Party ist immer noch eine der besten Möglichkeiten lebendig zu bleiben. Die Beiträge der Leopold Kraus Wellenkapelle zum Nachtleben werden diese Jahr etwas spärlicher ausfallen. Stattdessen wollen wir uns in unsere Kämmerchen vergraben und an neuen Songs tüfteln, damit hoffentlich zum Jahresende ein neues Album erscheinen kann.

Carmelo 'Chico' Policicchio, Swamp

Ich erwarte keine großartigen Trends für das Freiburger Nachtleben. Alles bleibt, wie es ist. In den gut positionierten und subventionierten Etablissements bleibt alles wie gehabt. Im Jazzhaus werden weiterhin AC/DC- und Janis Joplin Cover-Bands auftreten und Veranstaltungen wie der Monkey Jump und die Downtown Street Party werden als ‚kulturelle Highlights’ abgefeiert werden.

Ich werde im Rahmen meiner Möglichkeiten weiterhin versuchen, im Swamp Konzerte mit interessanten Indie-Bands zu veranstalten und auch ein breiteres Publikum anzusprechen und mein bestes tun, wieder so Treffer zu landen wie im letzten Jahr mit den Robocop Kraus und John Spencer.

Christian Beller, Popsociety



Nachdem sich jahrelang nichts in der Freiburger Clublandschaft getan hat, freut es mich, dass sich in so kurzer Zeit viele neue Veranstaltungen etabliert haben und dadurch auch ein viel grösseres musikalisches Spektrum abgedeckt wird. Vorallem wird inzwischen auch für Leute, für die Musik mehr ist als reine Partyuntermalung einiges geboten
und ich hoffe dass sich neben Carmelo Policicchico vom Swamp noch mehr Konzertveranstalter dafür engagieren hochklassige Acts wie Spearmint oder die Junior Boys nach Freiburg zu holen.

Ich selbst werde im März mit 'A Hundred Times Beloved' ein weiteres kleines hübsches Konzert im Rahmen der Pop Society veranstalten und mich auch weiterhin darum bemühen ein abwechslungsreiches Programm bei der PopSociety zu bieten. Wie lange das noch in Freiburg sein wird, hängt natürlich auch von meiner beruflichen Zukunft ab und auch wenn ich die Räumlichkeiten des Ruefettos sehr mag, unter den momentan herrschenden Bedingungen ist ein Locationwechsel nicht auszuschliessen. Darüber hinaus hoffe ich, dass es mehr Interaktionen mit anderen Veranstalterngibt. Die Partys und Konzerte in der Jackson Pollock Bar, im Auditorium,Swamp und Jos Fritz waren im letzten Jahr angenehme Abwechslungen zur Ruefetto Bar.

Jürgen Weber, elektrolounge

Wir arbeiten weiter daran, gute Clubnächte zu veranstalten und präsentieren elektronische Musik. Die elektrolounge wird dabei weiter ihren Lauf nehmen. In Planung sind zum Beispiel Junction SM oder Rhythm & Sound mit Tikiman (Berlin). Am Konzept wird sich nicht groß etwas ändern, vielleicht wird der Fokus ein bisschen mehr auf die Gastkünstler gelenkt. Außerdem wird unser Stamm-Resident Ephraim Wegner nicht mehr als DJ bei der elektrolounge auflegen, weil er aufhören möchte, Techno zu spielen. Insgesamt  sind im Nachtleben in 2007 keine neuen Bewegungen in Sicht. Was Freiburg betrifft, erwarte ich für das neue Jahr noch mehr Self-Promotion der einzelnen Veranstalter.