Nachtmacher starten Bürgerinitiative Pro Nachtleben Freiburg: "Wir wollen die Subkultur erhalten"

Marius Buhl

Freiburger Partymacher sehen sich in ihrer Existenz bedroht. Innenstadtanwohner fordern lautstark und mit Fahnen Sperrzeitverlängerungen und Alkoholverbote, die Stadt verschickt teure Strafzettel für falsch geklebte Plakate. Jetzt wollen Freiburger Partymacher und -besucher sich zu einer Bürgerinitiative zusammenfinden. Initiator Daniel Schmitt erklärt, was "Pro Nachtleben Freiburg" erreichen will:



Wer steckt hinter der Bürgerinitiative Pro Nachtleben Freiburg?


Daniel Schmitt:
Wir sind ganz unterschiedliche Leute. Neben mir noch andere Veranstalter, Clubbetreiber und auch ein Teil der Leute, die schon in der IG Subkultur aktiv sind und mit uns dort am runden Tisch zur Wildplakatierung saßen.


Wir sind aber nur diejenigen, die die Bürgerinitiative ins Leben gerufen haben. Wir wollen auch Konzert- und Clubbesuchern und allen anderen Interessierten eine Plattform bieten und das Sprachrohr für alle sein, die unsere Bedenken teilen. Wir haben  festgestellt, dass in der öffentlichen Debatte vor allem diejenigen gut repräsentiert sind, die das Nachtleben beschneiden wollen. Unsere Anliegen sind dagegen meist niemanden zuzuordnen. Das wollen wir nun ändern.

Was ist das Hauptanliegen von Pro Nachtleben Freiburg?

Unser  Hauptanliegen ist die angestrebte Sperrstundenverlängerung - die finden wir nicht richtig. Wir wollen keine Verkürzung der Öffnungszeiten! Das andere aktuelle Thema ist die Bußgeldaktion für die Plakate. Ganz grundsätzlich ist es aber unser Ziel, die Subkultur in Freiburg zu erhalten.

Was genau meinst Du damit?

Freiburg ist eine Studentenstadt,  mit 25.000 Studenten. Freiburg gibt sich sehr gerne weltoffen, kulturfreundlich und alternativ. Gerade erleben wir aber, dass das nicht unbedingt so ist. Die Stadt und das Ordnungsamt  sagen Veranstaltungen ab, Betreiber werden wegen der Plakate sanktioniert, Clubs sollen früher schließen.

Wir finden aber, dass die Stadt ein Interesse daran haben sollte, Subkulturen zu fördern. Studenten gehen nun mal gerne aus. Sie sorgen für ein breites kulturelles Angebot und davon lebt diese Stadt ja auch. Abends wird viel Geld ausgegeben, dass fließt an die Betreiber und im Endeffekt ja auch wieder zurück an die Stadt, über die Gewerbesteuer.

Außerdem bietet das Nachtleben viele Jobs - gerade auch für Studenten.Ein guter Ort für Studenten und ein gutes Nachtleben, das hängt einfach zusammen. Als Beispiel kann ich die Studenten der Jazz und Rockschule nennen, von denen viele in Bands spielen. Sie brauchen auch Möglichkeiten aufzutreten und die Plattform dafür, die bietet nun mal die Subkultur in Freiburg. Im Zuge der Bußgeldaktion für die Plakate wurden außerdem gerade sehr viele Studenten mit hohen Bußgeldern belegt wurden. Das kann nicht das Ziel einer Studentenstadt sein.

Wie ist bisher die Resonanz auf die Gründung der Bürgerinitiative?

Auf jeden Fall sehr positiv. Wir haben nicht nur auf Facebook schon einige Gefällt-mir-Klicks bekommen, sondern merken auch persönlich, dass Leute auf uns zu kommen und sagen, dass wir eine gute Sache ansprechen und uns auch fragen wie sie mitmachen können. Außerdem sind auch schon einige der Nachtclub- und Barbetreiber auf uns zu gekommen und haben uns geholfen Interviews zu vermitteln. Man merkt dass da ein breites Interesse besteht.

Wie kann man bei euch mitmachen?

Der erste Schritt wäre auf jeden Fall, unsere Seite zu liken, um uns und allen damit mitzuteilen, das ihr auch unser Nachtleben erhalten wollt. Wenn man ein Anliegen hat, kann man das  auch direkt posten oder uns über die Kontakt E-Mail Adresse kontaktieren. Außerdem wollen wir uns in den nächsten Wochen zum ersten Mal treffen. Wir hoffen auf viel Zulauf. Wer mitmachen will, sollte uns eine Mail schreiben, dann nehmen wir ihn in den Verteiler mit auf.

Wie wollt ihr im Weiteren vorgehen?

Zuerst wollen wir noch abwarten, wie sich das ganze entwickelt und wie die weitere Resonanz ist. Neben unserer Facebook-Seite wollen wir aber in einem zweiten Schritt medial auf uns aufmerksam machen, Gespräche führen und unser Anliegen mitteilen. Als dritten Schritt denken wir aber auch über politische Maßnahmen nach.

Wie könnten diese aussehen?

Das könnte etwa eine Demonstration sein. Wenn, dann wollen wir die aber professionell aufziehen, um in der öffentlichen Debatte auch gehört zu werden. Gerade vergangene Demos wie die Anti-Rubsamen-Demo haben nicht effektiv dazu beigetragen unser Anliegen wirksam zu repräsentieren. 150 Leute, die Hälfte mit Bierflaschen, das sorgt nicht für eine positive Einwirkung auf die Debatte.

Wie könnten Deiner Meinung nach  konstruktive Lösungsvorschläge in diesem Streit aussehen?

Eine Lösung zu finden mit der beide Seiten leben können - das wird sehr schwierig. Das ist nicht nur in Freiburg so. Wir zweifeln nicht die Grundproblematik an und sagen pauschal 'Der Lokalverein will uns hier die Partys kaputt machen!'. Uns ist klar, dass es die Lärmproblematik gibt. Die Leute, die sich auf unserer Seite beteiligen, kennen diese Probleme auch. Ich wohne selbst auch in der Innenstadt, am Siegesdenkmal, und weiß um das Lärmproblem.

Unser Interesse ist aber ein anderes: Wir wollen die Subkultur in Freiburg erhalten. Zum Lärmproblem gab es ja auch bereits die Lärmgutachten, aus denen hervorgeht, dass nicht primär die Läden den Lärm verursachen, sondern Passanten, die durch die Stadt laufen oder Radfahrer oder Gruppen auf öffentlichen Plätzen.Deswegen kann es auch nicht die Lösung sein, einer Lokalität, die auf einer Lauf- oder Fahrroute in die Stadt oder an Knotenpunkten liegt, die Sperrzeit zu verlängern Diese Reglementierung des Nachtlebens, um das Lärmproblem zu beheben, wollen wir nicht.

Hast Du einen konkreten Vorschlag?

Nachdenken könnte man zum Beispiel über eine Verbesserung des Nachtverkehrs, um größere Menschenansammlungen zu vermeiden, da diese den größten Lärm produzieren. Ein anderer Vorschlag wäre eine Lockerung der Öffnungszeiten, um ein größeres Zeitfenster zu schaffen, in dem die Leute unterwegs sind. Gerade weil Leute um Punkt 3 Uhr beziehungsweise Punkt 5 Uhr auf die Straße müssen, entstehen größere Ballungen.

Ganz wichtig ist aber auch, die Leute, die in Freiburg unterwegs sind, für das Thema zu sensibilisieren, damit mehr Rücksicht genommen wird.

Zur Person


Daniel Schmitt
, Jahrgang 1980, kommt ursprünglich aus der Nähe von Speyer und kam vor sieben Jahren nach Freiburg. Seitdem ist er als "DJ Rusty" und als Veranstalter der Partyreihen "Beats für Freaks", "Das Wummern", "Salon Rouge" und "Rap Attack" im Freiburger Nachtleben aktiv.

Mehr dazu:

[Foto 1: Michael Bamberger; Bearbeitung: fudder.de; Foto 2: Privat]