Nachtmacher: Michael Musiol

Carolin Buchheim

Zum Jazzhaus pflegen Freiburger Konzertgänger eine ganz besondere Hassbliebe. "Zu teuer!" "Immer schlechter Sound!" "Viel zu strukturloses Programm, bei all den Subventionen!" wird beinahe rituell gejammert, und hingehen tut man dann trotzdem, denn schließlich ist es doch etwas Besonderes, Künstler wie Nada Surf, Blackmail oder Ron Sexsmith im schönen Gewölbekeller des heimischen Jazzhaus zu erleben. Michael Musiol ist seit 2001 Geschäftsführer der Jazzhaus GmbH und hat fudder-Autorin Caro für unsere Nachtmacher-Serie Frage und Antwort gestanden und dabei mit allerlei Jazzhaus-Vorurteilen aufgeräumt.

"Man kann in jedem Club in Europa nachfragen, jeder Musiker, jeder Veranstalter kennt das Jazzhaus." erzählt Michael Musiol, 42, Geschäftsführer von Tournado und der Jazzhaus GmbH nicht ohne Stolz, denn seit fünf Jahren ist er verantwortlich für das, was in Freiburgs schönster Location auf die Bühne kommt.


Michael ist ein Paradebeispiel für die verschlungenen Wege, die einen ins Nachtleben führen können. Geboren in Braunschweig , studierte er nach einer Ausbildung zum Verlagskaufmann beim Schulbuchverlag Westermann (ja, das sind die mit den Mathebüchern) Germanistik, Soziologie und Erziehungswissenschaften in Wien und Freiburg. "Während des Studiums habe ich schon immer als Aufbauhelfer bei Konzerten gearbeitet", erzählt Michael Musiol im Tournado-Büro in der Wiehre.

"Nach meinem Magister habe ich dann hier in Freiburg eine Doktorarbeit angefangen und hatte gleichzeitig eine Festanstellung bei Koko, und irgendwann habe ich dann den Spagat zwischen beidem nicht mehr hingekriegt. Mein Doktorvater forderte Einsatz, mein Arbeitgeber auch, und da habe ich mich dann fürs Konzerteveranstalten entschieden und vor zwölf, dreizehn Jahren mit einem Partner die Firma Tournado gegründet." Anstatt seine Doktorarbeit über geschlechtsspezifische Sozialisation fertig zu schreiben, entschied Michael sich gegen eine mögliche Academia-Karriere, folgte den eigenen Leidenschaften und warf sich mit vollem Einsatz ins Veranstaltungs-Business.

  Noch einmal so viel Mut wie zu Anfang seiner Veranstalter-Laufbahn bewies Michael einige Jahre später erneut. Er war bereits einige Jahre im Jazzhaus e.V., dem früheren Träger des Jazzhaus, aktiv gewesen, als die Lage des Jazzhaus sich wegen der aufgelaufener Schulden dramatisch zugespitzt hatte. "2001 hat der Jazzhaus e.V. festgestellt, dass es so finanziell überhaupt nicht mehr weitergehen könnte, und musste sich ganz schnell eine Lösung einfallen lassen. Im Herbst 2001 habe ich dann die Jazzhaus Freiburg GmbH gegründet, der Verein hat sich aus dem Geschäft zurückgezogen. Seitdem liegt es in der Hand von meinem Team und mir, dass alles gut läuft. Und das tut es ja, glücklicherweise."

Die Jazzhaus GmbH hat damals Schulden des Jazzhaus Vereins übernommen, seitdem keine neuen Schulden gemacht und ist dabei, die Schulden weiter abzubauen. Das Gerücht, dass das Jazzhaus von der Stadt hoch bezuschusst werde, versucht Michael zu entkräften: "Der Jazzhaus e.V. kriegt noch Zuschüsse, aber die Zuschüsse, die fließen, sind gerade einmal so hoch wie die Miete und vielleicht €3000 dazu. Und davon hat man noch keinen Strom bezahlt oder sonst was."



Michael gibt zu, dass sich das Programm des Jazzhaus seit dem Wechsel 2001 geändert hat, einfach, weil seitdem wirtschaftlicher gearbeitet werde. Globalkritik am vermeintlich 'profillosen' Programm mag er nicht gelten lassen "So lange jede Szene jammert, weiß man, dass man was richtig macht," findet er. Schaut man tatsächlich einmal vorurteilsfrei ins Jazzhaus-Programm der vergangenen Monate, muss man zugeben, dass mit Ron Sexsmith, Blackmail, Dendemann, Kool Savas und Sugarplum Fairy eine respektable Auswahl an Künstlern im Jazzhaus zu Gast war.

Dass zeitgleich im benachbarten Basel und Straßburg noch andere tolle Bands waren, die Freiburg ausgespart haben, ist Michael natürlich bewusst, aber zufrieden mit dem Programm im Jazzhaus ist er trotzdem. "Ich glaube, dass wir international immer noch sehr gut dastehen", verteidigt Michael das Jazzhaus-Programm weiter. "Wenn man sieht, welche finanziellen Möglichkeiten die Kaserne und die Laiterie haben und dann deren Programm mit unserem vergleicht, stehen wir im Verhältnis gar nicht schlecht da."

Neben dem Programm sind die Eintrittpreise des Jazzhauses ein beliebtes Nachtleben-Jammer-Thema. Michael verteidigt sie: "Im Bundesdurchschnitt haben wir sicher immer mit die niedrigsten Preise. Man ist in Freiburg schon preisempfindlich. Das weiß ich auch. Es kommt häufig dazu, dass ich mich im Vorfeld mit dem Tourneeveranstalter streite, weil ich seines Erachtens nach die Ticketpreise zu niedrig ansetze." Auch die Eintrittspreise der Samstag-Abend-Parties, die deutlich höher als bei ähnlichen Veranstaltungen in Ruefetto und Jackson-Pollock-Bar sind, sieht Michael gerechtfertigt. "Wir bieten mit unseren tollen DJS halt auch verlässliche Qualität."

Zum Ton im Jazzhaus, den bei den Konzerten viele als 'zu schwammig' kritisieren, sagt Michael: "Unser Raum ist kompliziert zu mischen, klar. Aber wir haben ganz hervorragende Tontechniker und ein ganz tolles, neues Mischpult." Eben jenes Mischpult ist Michaels ganzer Stolz, gerade für viel Geld angeschafft, sehr modern, in kaum einem anderen Club in Deutschland zu finden. Die richtige Adresse für Jammerei und Klagen wegen schlechten Sounds ist also nicht das Jazzhaus selbst, sondern die angereisten Tontechniker mit zu wenig Zeit zum Einmischen.



Und wie sieht Michael die Lage des Jazzhaus insgesamt? "Ich glaube schon, dass wir eine der wichtigsten kulturellen Institutionen in Freiburg sind, und wenn die finanziellen Möglichkeiten gesteigert werden könnten, fände ich das natürlich gut, damit wir ans Programm noch mal anders herangehen könnten." Aber auch jetzt ist er insgesamt zufrieden mit dem, was er und sein Team in den letzten fünf Jahren auf die Beine gestellt haben. "Das Jazzhaus ist national, international und für die Stadt Freiburg, natürlich, ganz ganz wichtig."