Nachtmacher: Matthias Adam vom E-Werk

Jana Luck

Mit Matthias Adam zieht ein Freiburger Party-Urgestein ins E-Werk. Wer ist der neue Mann hinter dem Programm und was hat er vor? fudder hat ihn gefragt.

"Ich bin eigentlich kein Nachtmacher", stellt Matthias Adam gleich zu Beginn des Gesprächs fest. "Eher ein Abendmacher." Das festzuhalten, ist Adam wichtig: Denn viele Freiburger verbinden mit ihm vor allem eines – Partys. "Aber hier im E-Werk sind Partys und Konzerte nur ein Teil meiner Arbeit."


Aber von vorn. Im Juni hat Adam den Posten des Kulturmanagers und Ressortleiters Musik von E-Werk-Urgestein Wolfgang Herbert übernommen. Der war zuständig für das Theater- und Musikprogramm und "muss jetzt vertragsbedingt gehen", erklärt Adam. Denn das Wort "Rente" möge Herbert wirklich gar nicht. "Das E-Werk ist sein Lebenswerk", sagt Adam. "Ich bin Wolfgang sehr dankbar, dass er mir viel zugetraut hat und dass ich in seine Fußstapfen treten darf."

Der neue Posten ist sein Traumjob

2002 kam Adam nach Freiburg, um Soziologie und historische Anthropologie zu studieren. "Nach sechs Semestern habe ich das aber abgebrochen, das war mir zu theoretisch", sagt der gebürtige Hegauer vom Bodensee. Er lernt dann im E-Werk Veranstaltungskaufmann, arbeitet bei einer Sicherheitsfirma, steht im Schlappen acht Jahre lang hinter der Theke, "ja, eine Gastro-Affinität ist schon da", und gründet mit Chris Gersch die Event-Agentur Soulside.

Und jetzt ein fester Posten im E-Werk. Ist das nicht auch ein bisschen langweilig, nach all den Jahren als Freischaffender in den verschiedensten Jobs? "Man muss sich schon selber mehr zurücknehmen, das ist anders als in der Selbstständigkeit", sagt Adam. "Aber ich bin froh, dass ich da raus bin. Hier im E-Werk auf dem Posten zu arbeiten, das ist mein Traumjob. Nein, ich vermisse die Selbstständigkeit nicht."

Balance zwischen künstlerischem Anspruch und schwarzen Zahlen

Im E-Werk heißt es jetzt für Adam den künstlerischen Anspruch mit einer finanziellen Balance zu vereinen. Für den 35-Jährigen ist es dabei wichtig abzuwägen, was künstlerisch gut ist und was auch das Haus voran bringt. Neben Veranstaltungen, die eher den kulturellen Aspekt fördern, ist Pop abgesehen vom Finanziellen auch "toll, um zu sehen, was man alles so auf die Beine stellen kann", sagt Adam.

"Ich bin mächtig stolz auf den Laden. Unsere Techniker zum Beispiel sind super, auf die ist Verlass, die stellen alles auf die Beine. Bis zur verrücktesten Lichtshow." Als soziokulturelles Zentrum wird das E-Werk von der Stadt Freiburg und vom Land Baden-Württemberg institutionell gefördert. "Auch deshalb muss ich aufpassen, dass ich nicht mit Partys den freischaffenden Veranstaltern in Freiburg Besucher wegnehme. Die fragen dann: warum werdet ihr gefördert und wir nicht, ihr macht doch auch Pop?"

Weder Kapazitäten noch Räume für Partyreihen

Das E-Werk habe aber schwerpunktmäßig ohnehin ein anderes Profil und weder Kapazitäten noch Räume für Partyreihen. Und es ist Bühne, etwa für freie Tanz- und Theatergruppen, denen es nicht hauptsächlich ums Geldverdienen geht. Adam ist dabei aber wichtig: "Wir sind kein Bürgerhaus oder Jugendzentrum. Eine gewisse Portion Professionalität muss schon sein."

Überrascht von der Professionalität der neuen Generation

Matthias Adams lange Karriere im Freiburger Partygeschäft zahlt sich auch jetzt aus: er kennt die Menschen, mit denen er auch in seinem Posten im E-Werk zusammenarbeitet. "Ich war positiv überrascht, es gab schon so viele super Gespräche und Ideen für Kooperationen im Musikbereich", sagt Adam. Auch Workshops und Kurse sind geplant.

Wenn jemand mit einem tollen Konzept bei ihm anruft, ist Matthias Adam auch offen für Veranstaltungs-Ideen aus der jüngeren Generation. "Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit der jungen, professionellen Szene. Wir haben hier in Freiburg echt gute Leute", sagt Adam. Dabei sei er überrascht gewesen, wie professionell die meisten sind. "Wir waren damals nicht so erwachsen."

"Ich habe 365 Tage im Jahr mit Veranstaltungen zu tun, dann wird es irgendwann auch mal zu viel."

Erwachsen, das heißt in diesem Kontext: die Gaststättenverordnung zu kennen, Fluchtwege freizuhalten und den Brandschutz zu bedenken. "Heute sind da viele deutlich weiter als wir früher", sagt Adam. Eine Bereitschaft zur Professionalität ist ihm bei Kooperationen wichtig. "Festivaldeko aus Papier und Holz an der Decke ist zwar wunderschön, aber mit dem Brandschutz absolut nicht zu vereinbaren. So etwas sollten Veranstalter wissen."

Die wilden Zeiten sind vorbei

Adam gibt zu: Als er angefangen hat, "hat man auf sowas noch nicht so sehr geachtet." Heute sei das anders. Vor allem, weil es "diese Freestyle-Clubs in Freiburg einfach nicht mehr gibt. Die wilden Zeiten sind vorbei." Matthias Adam selbst geht nur noch ungefähr einmal im Jahr auf eine Party, sagt er. "Ich habe 365 Tage im Jahr mit Veranstaltungen zu tun, dann wird es irgendwann auch mal zu viel." Und: "Für mein Alter, also so Mitte 30, gibt es in Freiburg auch einfach zu wenig Angebote." Vielleicht die nächste Veranstaltungsidee?

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