Nachtmacher: Matthias Adam und Chris Gersch, Soulside

Daniel Weber

Dieses Wochenende feiert die Event-Agentur Soulside im Schmitz Katze ihr erstes kleines zweitägiges Festival. Hinter Soulside stehen die beiden Freiburger Nachtmacher Matthias Adam und Chris Gersch. Ein Portrait.



Inzwischen stehen drei Schreibtische im kleinen Büro in der Merianstraße. Chris Gersch sitzt links (auf dem Foto rechts), Matthias Adams Platz ist gegenüber am rechten Tisch. Das große Fenster im ersten Stock lässt einen Blick auf das Treiben in Unterlinden im Nordwesten der Altstadt zu, das Bächle schlingelt sich um den Unterlindenbrunnen, das Straßencafé wartet auf gutes Wetter. Der neue dritte Tisch im Soulside-Büro ist für Mitarbeiter Schrägstrich Helfer reserviert. „Wir haben jetzt zum ersten Mal Minijobber eingestellt, für das Promozeug“, sagt Adam. „Alleine bekommen wir das nicht mehr hin“, so Gersch. Im Raum stapeln sich Kartons mit Flyern und Plakaten.


Die beiden Anfangsdreißiger sind seit rund neun Jahren in Freiburg als Partyveranstalter aktiv. Vor rund zweieinhalb Jahren gründeten sie die Agentur Soulside. Angefangen hat alles im Z am Siegesdenkmal: Gersch, damals Lehramtsstudent und Hobby-DJ, organisierte gemeinsam mit Adam und sechs weiteren Freunden zum ersten Mal eine Party. Im Oktober, am Wochenende vom Erntedankfest. Die Party tauften sie Erntefunk. „Wir wollten eine Veranstaltung von Studenten für Studenten machen, aber dabei eben nicht das typische Walking-On-Sunshine-Ding runternudeln“, erinnert sich der gebürtige Schwabe, der seit 2000 in Freiburg lebt.

Hiphop, Funk, Soul und auch Electro waren die musikalischen Einflüsse für die Party. 500 Leute kamen. „Wir waren völlig überfordert“, erzählt Gersch, das „völlig“ betont er. Der kleine selbst organisierte Barbetrieb war am Anschlag. die angekarrte Soundanlage sowieso und die Tanzfläche voll. Für Gersch zählt dieser Abend zu den ersten Gehversuchen als DJ FunkMessiah. „Da musste halt irgendwas auf dem Flyer stehen. Am Ende stand FunkMessiah drauf, bei dem Namen ist es geblieben.“ Den DJ-Namen und die Reihe Erntefunk gibt es heute auch noch. Geblieben sind mit Gersch und Adam zwei Organisatoren nun mit eigener Firma.

"Du musst dich einfach durchbeißen"

Auf einem guten Weg seien sie damit, erzählen sie. Gersch, verhinderter Lehramtsstudent, konzentriert sich schon mehrere Jahre auf das Leben als Partyveranstalter und DJ. Sein Geschäftspartner tut das seit einem etwa einem Jahr auch. „Ich habe bis letzten Sommer noch bei einer Sicherheitsfirma in der Geschäftsleitung gearbeitet. Der Weckruf war dann ein Anruf von  Chris, der sagte: Junge, jetzt entscheid’ dich. Entweder wir oder die? Dann war klar, was ich mache“, so Adam. „Es ging zeitlich nicht mehr parallel. Ich war völlig ausgebrannt“, erinnert sich der gebürtige Hegauer vom Bodensee. Er ist seit 2002 in Freiburg, nach einem abgebrochenen Studium der Soziologie und Anthropologie lernte er im E-Werk Veranstaltungskaufmann („Das war dort sehr lehrreich“).

Neben klassischen Partys im Nachtleben (dazu zählt auch das Offenburger Nachtleben, und auch in Karlsruhe war Soulside schon aktiv) zählt nebenbei auch Promotion, Event- und Veranstaltungsservice wie etwa Stagemanagement zum Angebot der kleinen Firma. So komme es manchmal vor, dass man im Anzug im Konzerthaus stehe, um pensionierten Ärzten ihre Karte für 100 Euro zu verkaufen und zwei Stunden später im Hawaiihemd auf einer Bad Taste Party. Partys zu organisieren und durchzuführen ist indes das A und O.

Das Leben als Partyveranstalter in Freiburg ist dabei ein unstetes. „Es gibt wenig, was so viele Höhen und Tiefen hat. Von großer Euphorie geht es bis zu: Was mach ich hier eigentlich? Ich bin 30, ich stehe im Club, keiner kommt und ich lege 1000 Euro drauf. Wieso habe ich nicht doch irgendwie einen Bürojob? Der Gedanke ist aber relativ schnell weg“, fasst es Adam zusammen. „Du musst dich einfach durchbeißen. Ein bissl Glück gehört auch dazu“, fügt Gersch hinzu.

"Wir machen es halt jetzt doch schon seit rund neun Jahren"

Ihre bekannteste Veranstaltungsreihe – und die erfolgreichste regelmäßige – ist die monatliche Yum Yum Party im Jazzhaus. Eine Lizenzveranstaltung inmitten eines Mash-ups von Rap, Soul, Pop, Electro und Breaks, die es in mehr als zehn deutschen Städten gibt und auch schon mal in Moskau oder Shanghai gastiert. Gersch und Adam brachten die Reihe vor ziemlich genau zwei Jahren nach Freiburg und können aus einem Pool von Promomaterial, Visuals, exklusiven Remixen und DJs schöpfen, die alle mit dieser Reihe verbandelt sind. Die Etablierung von Yum Yum war der Startschuss dafür, Soulside richtig aufzuziehen. Einnahmen werden dabei immer wieder reinvestiert, einen Kredit haben die beiden Jungunternehmer noch nie aufgenommen. Ein Fakt, auf den sie stolz sind.

„Wenn Yum Yum nicht wäre, wäre es finanziell schwierig. Die Veranstaltung legt den Grundstock“ erzählt Adam. „Dazu können wir nebenbei noch ein bisschen was machen. Der Chris legt auf, ich mach das Servicezeug.“ Als im vergangenen Dezember der Gig mit dem Soundsystem der Hiphop-Gruppe Orsons vor gerade einmal einer Handvoll Jugendlicher im Jazzhaus über die Bühne ging, war das „finanziell die Talsohle von unserem Schaffen. Wenn das ein Jahr vorher passiert wäre, hätte uns das vielleicht den Kragen gekostet“, so Gersch. „Wir machen es halt jetzt doch schon seit rund neun Jahren. Man denkt, man kennt sich aus und dann klatscht dir so ein Ding rein“, kommentiert es Adam. Solche Misserfolge werden aber immer wieder folgen, das sagen ihnen auch Leute, die schon 20 Jahre im Geschäft seien. Höhen und Tiefen eben, wohl oder übel Alltag eines Veranstalters.

Gersch und Adam sind letztlich zwei der Sorte Mensch, die einfach machen müssen, etwas eigenes, ob das nun klappt oder nicht. „Auch wenn das mal in die Hose geht, steh ich danach da und denke mir: Fuck, das kann doch nicht sein. Das geht besser“, so Gersch. „Danach setzen wir uns zusammen und sprechen alles noch mal durch und suchen nach den Fehlern“, so Adam. Die können indes überall lauern: Wetter; konkurrierende Veranstaltungen; Mädchen, die nicht das richtige Outfit im Kleiderschrank finden; Jungs, die beim Vorglühen verglühen.

Undsoweiterundsofort. Man kennt das. Dass es noch auf keiner Soulside-Party zu einer Schlägerei gekommen und gerade bei Yum Yum anders als sonst auf Partys üblich die Frauenquote ziemlich hoch ist, ist Gersch und Adam wichtig. Die positiven Aspekte überwiegen am Ende immer. „Deswegen machen wir den Job ja auch“, sagt Gersch. „Es macht uns Spaß.“

"Man will ja auch nicht mehr mit 50 im Cub stehen und eine Hipster-Party veranstalten."

Als Veranstalter in Freiburg habe man mit Massenveranstaltungen mehr Erfolg, konstatieren sie. Die Big Medi Night in der Mensa sei dafür ein Beispiel. Alle können kommen, trinken und zu irgendwas tanzen. Adam möchte für die Zukunft nicht ausschließen, auch einmal ähnliche Projekte auszuprobieren: „Es ist halt ein Job, man will Geld verdienen.“ Treu bleiben müsse man sich aber, findet Gersch: „Ein paar Sachen habe ich schon gemacht, nach denen ich sage: Nee, das kann und will ich nicht mehr.“

Für die Zukunft haben sie sich jedenfalls vorgenommen, ihr Portfolio zu erweitern, kulturelle Ansätze werden gesucht, „ein bisschen ins seriösere Fach kommen“, wie es Gersch umschreibt. Ein erster ist etwa die Lesung mit MC Rene am Freitag zum Start des eigenen Festivals Im Schmitz Katze, wobei die Basis immer noch das urbane Lebensgefühl ist, das sich aus Hi-Hats und Bässen zusammensetzt.

Gespräche über eine Lesereihe im E-Werk werden zusätzlich geführt, und weitere neue Standbeine sollen folgen, darunter auch Konzerte. Gersch und Adam werden inzwischen von Unternehmern und Kulturschaffenden als Partner auf Augenhöhe gesehen. Inzwischen können sie bei Verhandlungen auch selbst mal „eine Ansage machen und nicht nur schüchtern dasitzen“, gibt Gersch zu.

Insgesamt gehe es einfach darum, gesund und stetig zu wachsen. Derzeit befinde sich Soulside laut Adam in einer Phase, in der man erkenne, dass die Arbeit nicht nur auf semiprofessionellem Niveau laufen kann, sondern auch eine Stufe darüber: „Irgendwann kann das alles also schon mal bis hin zu Firmenveranstaltungen oder Hochzeiten gehen. Man will ja auch nicht mehr mit 50 im Cub stehen und eine Hipster-Party veranstalten.“

Einen dritten Schreibtisch haben Gersch und Adam schon. Demnächst legen sie sich auch einen Transporter zu.

Mehr dazu:

Was: Soulside Festival Tag 1: Mc Rene Freestyle Show, Waldo The Funk, DJ Superior, Funk Messiah, Mind The Gapp, Enea, Gordon Shumway; Tag 2: Drunken Masters, Eloquence, DJ Ef:Em, Subjkts
Wann: Freitag, 24. Mai 2013, 20 Uhr; Samstag, 25. Mai 2013, 22 Uhr
Wo: Schmitz Katze
Eintritt: Freitag, 20 Uhr bis 23 Uhr 8 Euro, danach 10 Euro; Samstag, 22 Uhr bis 23 Uhr 8 Euro, danach 10 Euro
  • Fotos: http://fudder.de titel="">Yum Yum @ Waldsee (Juni 2011)
[Foto: Benedikt Nabben]