Nachtmacher: Laurin Rutgers und Robert Ribeiro von Lucky Booking

Lucas Dueck

Noch sind ihre Konzerte ein Geheimtipp: Lucky Booking veranstalten seit 2012 Partys mit Bands aus den Bereichen Pop-Punk, Singer-Songwriter und Folk. Woher ihr Idealismus kommt:



Laurin steht an der Gitarre, Robert sitzt an der Theke und trinkt Kaffee. Dann brüllt der Tonmann über die Tanzfläche und der Soundcheck ist unterbrochen. Die beiden gehen in den hinteren Teil, den Rotlicht-Bereich des Great Räng Teng Teng. Immerhin: Hier ist es etwas ruhiger - noch, denn bald schon werden die Gäste kommen.


Laurin Rutgers (23) ist an diesem Sonntagabend nicht nur als Veranstalter aktiv, er spielt auch mit seiner Band Redensart. Sein Studium der Musikwissenschaft hat er fast abgeschlossen. Mit seiner zweiten Band Casually Dressed tritt er auch ab und zu auf und ganz nebenbei arbeitet er bei der Booking-Agentur Flix Agency. Das klänge aber anstrengender als es in Wirklichkeit ist.

Robert Ribeiro (29) kam 2006 von Portugal nach Deutschland und hatte seine komplette Pop-Punk-Band Fed Up 74 im Gepäck. Im Gegensatz zu Deutschland gebe es in Portugal nicht so viele Locations in denen Punk-Rock gespielt wird. "Hier in Freiburg haben wir uns deshalb gleich zu Hause gefühlt." Mittlerweile hat Robert eine Ausbildung als Erzieher gemacht und spielt in seiner neuen Band Twice A Day.

Kennengelernt haben sich Robert und Laurin auf einem gemeinsamen Gig. Nach einer anschließenden Tour ihrer Bands beschlossen sie 2012 unter dem Namen Lucky Booking Partys zu veranstalten. Gute Freunde unterstützen sie dabei, stellen sich an die Kasse oder bekochen die Bands. Zu Anfang veranstalteten sie ihre Shows meistens im KTS. "Da kann man eigentlich machen, was man will - und bekommt den Raum voll." Mittlerweile hatten sie aber auch Shows im White Rabbit, im Slow-Club oder im Swamp.

Leidenschaft statt Umsatz

Die Bands kommen meistens aus den Bereichen Pop-Punk, Singer-Songwriter oder Folk. "Das sind dann Bands, auf die wir selbst Bock haben, denn dann ist man natürlich mit viel mehr Enthusiasmus dabei." Diesen Enthusiasmus brauchen die beiden auch: Geld verdienen sie mit Lucky Booking nämlich nicht. An nur zwei Shows könnten sie sich erinnern, mit denen sie Gewinn gemacht haben. Damit finanzierten sie wiederum ihre nächsten Shows.

Mit einem befreundeten Band-Mitglied der Deadnotes, einer Freiburger Punk-Band, veranstaltet Laurin auch Flur- und Kellerpartys. Das "legendäre SFLL-Kollektiv" nennen sie sich. Da nehmen sie dann gar keinen Eintritt, nur freiwillige Spenden. Für ihren Lebensunterhalt müssen die beiden Jungs von Lucky Booking also anderweitig sorgen.

Robert arbeitet als Erzieher, Laurin verdient bei der Flix Agency das Nötigste dazu. Zu entmutigen scheint sie das aber kaum. Natürlich könne es besser laufen und eine Show mit 300 Besuchern im Waldsee würde sie schon reizen. "Aber das ist jetzt nicht das große Ziel - das Risiko ist dann auch größer." Den beiden gehe es vor allem um den Spaß. Und darum, musikalische wie persönliche Kontakte zu knüpfen.

Laurin schaut immer mal wieder in Richtung Bühne. Der Auftritt rückt näher. Es scheint ihn regelrecht in den Fingern zu jucken. Was ist er lieber - Musiker oder Veranstalter? Er kommt kurz ins Stocken. "Ich glaube, wenn ich mich jetzt dazwischen entscheiden müsste, eine Show zu veranstalten oder eine Show zu spielen, dann spiele ich die Show lieber. Du gehst hin, hängst rum, trinkst Bier, spielst und gehst heim. Wenn du veranstaltest, hast du natürlich mehr Arbeit."

Das bekommen Laurin und Robert auch an diesem Abend zu spüren - ständig will irgendwer irgendwas. Wo kann ich meine Sachen abstellen? Was gibt es zu Essen? Wann bin ich mit dem Soundcheck dran? Es wird wieder laut.

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[Foto: Lucas Dueck]