Nachtmacher: Jakob Schlaak und Florian Bartsch vom Café Ruef

Jana Luck

Sie haben den Freiburgern ihr Café Ruef zurückgegeben - Florian Bartsch und Jakob Schlaak. Wer und wie sind die beiden? Ein Gespräch bei selbstgemachtem Eis vor Ort.

Es ist angenehm kühl im Gastraum, als Jakob Schlaak, 35, den schweren Samtvorhang hinter der Eingangstür zurückschlägt und zum ersten Mal an diesem Tag das Café Ruef betritt. Als er auch die Vorhänge vor dem Fenster abhängt, beleuchten Sonnenstrahlen den Mix aus altem und neuem Café.


Florian Bartsch, 33, und Sohn Joona kommen über den Hintereingang. Joona, anderthalb Jahre alt und blondschopfig, bringt das selbstgemachte Eis aus dem Café Ruef: "Mango", kräht er fröhlich, Vanille und Haselnuss gibt es auch. Jakob sortiert die Post, die er eben aus dem Briefkasten gefischt hat. Er und Florian schwatzen über den gestrigen Abend, ein Betriebsausflug in eine Brauerei war das.

Ihr Konzept überzeugte

Florian Bartsch und Jakob Schlaak kennen sich seit fünf Jahren. Sie haben zusammen und mit anderen Partys organisiert, auch im Ruefetto. Daher kam auch der Kontakt zum damaligen Eigentümer des Café Ruef, Jos Schumacher, zustande. Der fragte die beiden, ob sie sich vorstellen könnten, ein Konzept fürs Ruef zu schreiben. Konnten sie. Und taten sie.

"Zu dem Zeitpunkt stand das Café Ruef schon ein Jahr leer," sagt Jakob. Ihr Konzept fürs Café Ruef überzeugte. Wussten sie, worauf sie sich einließen, wenn sie es umsetzen würden? "Jakob und ich haben mal eine Zeit lang zusammen gewohnt und da immer schon rumgesponnen", sagt Florian, "wie man das halt so macht." Klar, die Café- oder Restaurant-Eröffnung als Plan B, wenn mal alles scheitert oder doof ist. Aussteiger-Logik.

Das Gastro-Handwerk liegt in der Familie

"Aber wir wussten, wenn wir das machen, können wir es auch", sagt Jakob. Denn: das Handwerk liegt in der Familie. Florians Onkel hatte in Köln ein Restaurant und der Weltenbummler Jakob half seinem Bruder in Berlin dabei, dessen Pizzeria aufzubauen. Er betrieb einen Foodtruck, mit dem er unter anderem auf dem Feel-Festival und der Fusion stand und Florian organisierte die Veranstaltungsreihe "Tanz dich glücklich" mit.

"Wir wussten beide, worauf wir uns einlassen, und dass die Gastro kein Zuckerschlecken" ist, sagt Jakob. Beim Blick auf Joona, der mit winzigen Happen konzentriert und andächtig sein Eis vernascht, fällt ihm auf: "obwohl, gerade schon!".

Das Ruef ist nicht der einzige Job der beiden

Für Jakob und Florian ist das Café nicht der einzige Job. Sie arbeiten auch weiterhin in den Berufen, für die sie ausgebildet sind. Jakob Schlaak ist studierter Wirtschaftsingenieur und hat in München, Berlin und Los Angeles Unternehmen beraten. "Mir kam das immer komisch vor, weil ich ja selbst noch nie ein eigenes Unternehmen hatte", sagt er. "So, als ob ich einem Bäcker erzähle, wie man backt und selber noch nie Brötchen geknetet habe."

Dafür hat Jakob schon einmal ein Hostel in Portugal gehabt. "Das hat sich so ergeben. Da war auch nicht viel Organisation dahinter, sondern die Mieter haben da gewohnt, dann aufgeräumt und dann den nächsten die Schlüssel gegeben." Florian Bartsch hat Deutsch und Geographie auf Lehramt studiert und arbeitet auch weiterhin als Lehrer, hat zwischendurch und immer noch Partyreihen organisiert.

Synergie vom Essen zum Trinken

War das Ruef eine Art Konsequenz für die beiden oder doch eher ein ungewöhnlicher Plan B? "Was ich in Städten wie München, Berlin und anderswo im Ausland so mochte, hat mir hier in Freiburg immer gefehlt: Ein Laden, in den du abends zum Essen gehen kannst, dann für Drinks bleibst und dann einfach nicht aufstehst, weil die Atmosphäre so gut ist und dir gar nicht der Gedanke kommt, zu gehen." Eine "Synergie vom Essen zum Trinken" nennt Jakob das.

Jakob und Florian ist es wichtig, dass das Café Ruef ihnen Spaß macht. Sie sind finanziell nicht nur von dem Gewinn aus der Gastronomie abhängig, "das würde auch ganz schön eng werden, obwohl es eigentlich sehr gut läuft", sagt Jakob. Sie stehen nicht jeden Abend hinter der Theke und können so die Arbeit noch genießen, sagen sie. "Wir wollen auch Musiker fördern und ihnen hier eine Bühne bieten", sagt Florian.

Und den Freiburgern ihr Café Ruef wiedergeben – in modifizierter Form. Auch der Zusatz "Naherholung" steht dafür: "Wir wollten einen Ort schaffen, an dem jeder einfach eine gute Zeit haben kann", sagt Jakob.

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