Nachtmacher (13): Johannes Dultz & Florian Hörr

David Weigend

Das sind zwei Männer, die Freiburgs kränkelnde Clubszene seit einem guten Jahr positiv beeinflussen. Der eine, Johannes Dultz (links, 23), hat schon früh in der Cohibar auf der Theke getanzt und seitdem einige Kontakte geknüpft; der andere, Florian Hörr (37), ist Versicherungskaufmann und vom Typ her grundsolide. Unter dem Namen "Paxyfication Events" veranstalten sie Partys. Uns luden sie zum Kaffeekranz ins Steakhaus.



Der Eine

Freiburg 1984. Johannes Dultz wird geboren. Er wächst auf in der Unterwiehre, genauer in der Maximilianstraße. Manche nehmen im Frühjahr einen Umweg in Kauf, um in der Maximilianstraße die Kirschblüte zu bewundern. Johannes verbringt die Nachmittage meist im „Institutsgarten“, in dem noch nicht die Villa Mammutbaum steht, sondern bloß der Mammutbaum. Bilderbuchkindheit. Die Wiehremer Winter sind in den Achtziger Jahren noch so kalt, dass man auf dem Goetheplatz Schlittschuhlaufen kann.

Mit 14 Jahren beginnt Johannes, sich fürs Nachtleben zu interessieren. Sein Cousin, Björn Kuschel, ist Geschäftsführer vom „Fiesta“ in Kirchzarten und vom „Cheers“ in Freiburg, später wird er das „Time Out“ in der Talstraße leiten. Johannes schmuggelt sich ins Sound; er lernt das Agar kennen und das Kagan. Er knüpft Kontakte. 2003 organisiert er eine große Party in der Max-Weber-Schule. Ein Jahr später macht er dort das Abitur.

Danach betreut er Großkunden eines Verlags, später bekleidet er den Posten des Eventveranstalters beim Onlineportal freiburg.eins. „Wir haben uns im gegenseitigen Einvernehmen getrennt, weil wir nicht die gleiche Eventphilosophie verfolgt haben“, sagt Dultz heute. Er muss ein wenig überlegen, bis ihm diese diplomatische Formulierung einfällt.



Der Andere

Günzburg 1971. Dort, wo Florian Hörr geboren wird, ist das Legoland noch nicht mal in Planung. Mit 14 Jahren zieht Florian um, nach Freiburg, in den Stühlinger. Zwei Jahre später beginnt er, sich für Partys zu interessieren, genauer, für deren Beleuchtung. Seine Abschlussfeier in der Hansjakob-Realschule schmeißt er quasi in Eigenregie.

Florian ist auch Anhänger des SC Freiburg. Er gründet den Fanclub „Schwarzwaldfüchse“ und führt ihn sechs Jahre lang. 1998 ist er maßgeblich an der Organisation der Aufstiegsfeier beteiligt. Er steht im Festzelt vor 6000 Fans, legt Modern Talking im Hitmix auf. „Das war ne geile Zeit“, sagt Hörr heute.

Er arbeitet hauptberuflich als Versicherungskaufmann. Am 20. Januar 2007 gründete er mit Johannes Dultz die GbR Paxyfication Events. Leben können die beiden davon noch nicht, den erwirtschafteten Umsatz titulieren sie als "moderat". Jedoch sprechen sie auch von einem "enormen Erfahrungswert im Jahr 2007", der sie auf eine Umsatzsteigerung hoffen lässt.

Florians Bruder Johannes Hörr ist durch Paxyfication übrigens an seine erste Residency im Liquid Club gekommen.



Der Name

Paxy ist der Spitzname von Johannes Dultz. Das kam so: 2001 verbrachte er den Sommerurlaub auf einem Surfercampingplatz im Gargano. Da gab es auch eine Freiluft-Tanzfläche. Die Musik, die dort gespielt wurde, gefiel weder Dultz noch seinem Münchner Kollegen. Deshalb boten sie an, einen Abend mit ihren mitgebrachten CDs zu bestreiten. Da sie einen Namen brauchten, nannten sie sich Paxy und Knaxy.

Auch wenn die Italiener den, nun ja, Wortwitz nicht verstanden – immerhin akzeptierten sie die Musik. „Super Anlage. Es hat brechend geregnet. Aber wir haben tierisch die Party abgerissen. Die Leute haben auf den Boxen getanzt.“ Knaxy will übrigens seinen richtigen Namen nicht preisgeben, da er heute für das amerikanische Sicherheitsministerium arbeitet.



Ammer

Die Veranstaltung, mit denen Paxyfication Events bisher das stärkste öffentliche Interesse auf sich zog („Der Wochenbericht hat einen guten Nachbericht abgedruckt“), war die erste Ammer Modelnacht am 23. November 2007 im Kagan. Der Kontakt kam zustande über Maik Uhlig von der Endinger Agentur La Photo. Dultz und Hörr trafen Ammer im Vorfeld zweimal. Das erste Mal im Hamburger H1 Club: „Die Party war schon in vollem Gange, als wir uns die Hand schüttelten“, erinnert sich Dultz. Das zweite Mal in Düsseldorf, in Ammers Hotelsuite.

Hörr sagt: „Michael Ammer ist ein netter Kumpeltyp, wenn die Kameras nicht laufen. Sobald sie aber laufen, spielt er eine bestimmte Rolle, wie ein Schauspieler. Dann gibt er den Playboy, gnadenlos. Ammer der Macho, Ammer der Ekeltyp. Das ist seine Marke.“ Die Ammerparty war schon ein kleiner Aufreger in der Partyprovinz Freiburg. Was die beiden Organisatoren aus der Johann-von-Werth-Straße daraus gelernt haben? Sie finden, sie haben das gut gewuppt und würden eine Party dieser Größenordnung jederzeit wieder veranstalten.



Bewusstes Feiern

Johannes Dultz studiert Event-Management an der Angell-Akademie und versucht nebenbei, Freiburg zu paxifizieren. Das heißt: einen Rahmen zu bieten für steiles, aber bewusstes Feiern. Dieser doch recht abstrakte Begriff kehrt immer wieder, wenn man das Tonband mit Dultzens tiefer, „Next“-verrauchter Stimme anhört.

Man muss sich Dultz vorstellen als einen, der viel unterwegs ist in der Clubszene und alles unter eine Kugel bringen will, was ihm gefällt. Zum Beispiel: „Die Deko aus dem King Kamehameha in Frankfurt, die Atmo aus dem Baby in München und die Scannershow aus der Nachtresidenz in Düsseldorf. Und achte mal auf die Positionierung des DJ-Pults. Da gibt’s Clubs in Zürich, da steht das Pult an jedem Abend woanders.“

Nebenbei betreibt Dultz eine Vermittlungsagentur für Animationstänzer(innen). Manchem fällt da das einfachere Wort "Gogo-Girls" ein. Dultz hört es aber nicht so gern. „Der Begriff Gogo hat ein schlechtes Image, weil man ein Bild im Kopf hat von 50 Kiddies, die mit ihren Handycams vorm Käfig stehen." Nein, Dultz beschreibt seine Tänzerinnen als Meisterinnen auf internationaler Ebene, faszinierend durch Power in Jazz, Modern Dance und Hip Hop. Beschreibungen, an denen sich sicherlich auch Michael Ammer delektieren könnte.

Mehr dazu:

  • Was: 1 Year Paxification Events mit Brothers Incognito feat. Eve Justine & The Missiles Live!
  • Wann: Heute, Freitag, 7. März, 22 Uhr