Nachtmacher (1): Angelo Fattobuono

Sophie Guggenberger

Gern wird geschlaubergert, wer die Strippenzieher des Freiburger Nachtlebens sind und was sie tun. Das ist der Ausgangspunkt für unsere neue Serie Nachtmacher. Wir bitten diese Menschen ab sofort zum Interview: Anekdoten, Biographisches und Schräges rund um die Macht der Nacht. Zu Beginn spricht Angelo Fattobuono vom Liquid Club.





Wann bist du heute aufgestanden?

Um zehn. Nee, stimmt nicht, um 9.30 Uhr. Um zehn saß ich schon im Café Medico. Ich bin Frühaufsteher.

Wann lagst du im Bett?

Heute morgen irgendwann, ziemlich früh schon, um 2.30 Uhr circa.

Aufstehrituale?

Kaffee trinken, ins Bad und Zigarette rauchen. Wenn meine Freundin bei mir ist, rauche ich eine Zigarette danach und vorher trinke ich einen Kaffee. Zwischendrin gibt's Morgensex.

Dein typischer Tagesablauf?

Nach meinem Morgenritual rufe ich meine Emails ab und reagiere darauf, dann setze ich mich mit dem Amt für öffentliche Ordnung auseinander, wegen der Sperrzeitregelung. Zur Zeit ständig, mindestens eine Stunde. Danach sofort ins Medico für meinen Kaffee - das ist ein festes Ritual. Anschließend checke ich das Mitbewerberverhalten im Internet: was wird wann, wo geboten.

Am Nachmittag gönne ich mir ein Bad. Anschließend kann verschiedenes anliegen: Einkauf, Graphik, weil ich die Flyer auch selber mache. Ich telefoniere die einzelnen Mitarbeiter ab. Feedbacks holen, nach deren Befinden fragen. Ist dein Personal gut drauf, entsteht auch gute Stimmung. Das überträgt sich wiederum auf die Gäste und die Atmosphäre im Club. Der Schwerpunkt vom Tag liegt bei der Werbung. Zwei Stunden, bevor wir den Liquid Club öffnen, gönne ich mir Ruhe und gucke einen Film zum Runterkommen. Ab 22.30 Uhr bin ich dann im Club.

Ohne welche drei Dinge verlässt du ungern das Haus?

Handy, Fisherman's Friend, Geldbeutel.



Wie hat sich deine Karriere als 'Nachtmacher' entwickelt?

Vor 18 Jahren war ich ein Jahr lang Spüler im "Wienerwald" in Freiburg. Innerhalb dieses Jahres wurde ich dort Restaurantchef. Danach habe ich für ein halbes Jahr als Geschäftsführer ein Franchisesystem übernommen, das "Les Petites" im Hertie. Dann bin ich in eine Spielhalle reingerutscht, war dort innerhalb von drei Monaten Geschäftsführer und habe gutes Geld verdient.

Von da aus bin ich übergewechselt in die Vereinte Versicherung, habe dort meine dritte Ausbildung gemacht und mir dabei dann meinen ersten Porsche verdient. Vom Spüler zum Porschefahrer. Nach einer heftigen Steuerprüfung und der Erkenntnis, dass Geld nicht alles ist, bin ich weg von dieser Scheinwelt. Ich habe das "Shooters" in Merzhausen und Gundelfingen mit übernommen. Nachdem ich keine Billiardkugeln mehr sehen konnte, hatte ich aus einer Midlife Crisis heraus die Shooters-Geschichte aufgegeben und widmete mich dem Liquid Club: Neues Spiel, neues Glück. Ich wollte mal wieder erwachsene Leute um mich herum. Das Klischee eines geilen House-Clubs, loungemäßig. Ich wollte einen feinen Club gestalten, trotzdem zugänglich für Jedermann. Plus Fun-Faktor. Aber das ist in Freiburg quasi unmöglich.

Wann ist ein Club peinlich?

Wenn er geschlossen ist.

Welcher Song wird in deinem Club niemals laufen?

"Macerena" von Los Del Rio. Oder irgendwelche Mallorca-Ballermann-Geschichten.

Welche Styles servierst Du Deinen Gästen im Club?

Ich würde gern die elektronische Schiene weiter ausbauen, aber die ist schwer zu koordinieren. Ansonsten läuft alles, was mit House zu tun hat, auch TecHouse. Aber auf keinen Fall Techno. Da möchte ich eine klare Unterscheidung. HipHop und R'n'B, ganz klar. Charts laufen natürlich auch. Der Mittwoch läuft "ab 25", aber das ist nicht so streng. An der Tür gibt's eine Gesichtskontrolle und wer reinpasst, passt rein. Der Abend richtet sich an Gastronomen und Leute, die nachts arbeiten und hier noch zwei, drei Stunden Entspannung suchen.

Was hörst du zuhause?

Ruhigen House, Minimal, Ambient. Rock auf dem Motorrad und im Auto.

Bei welcher Musik tanzt du?

Rock. Das läuft bei uns nicht.

Prominentester Act oder DJ in Deinem Club?

DJane Fengari aus Berlin.



Prominenteste Gäste in Deinem Club?

Fußballspieler vom SC, Eishockeyspieler, USC-Basketballer.

Das skurrilstes Erlebnis deiner bisherigen Laufbahn als Clubbesitzer?

Sowas erlebe ich ständig. Die ferngesteuerte, junge Dame, die plötzlich irgendwoher einen Besen nahm und anfing, den knallvollen Club zu reinigen. Oder neulich die Dame, die sich entkleidet hat und meinte, sie müsse nackt tanzen. Leute, die mit vollem Karacho rauslaufen wollen, die Treppe hochstürmen und dann gegen die blitzblanke Glastür knallen. Haben wir ungefähr fünfmal am Abend.

Wie erlebst du deine eigenen Veranstaltungen?

Ich kann sie nur selten genießen. Die Anspannung, der Perfektionismus ist da, obwohl man das ablegen sollte. Man hat Druck, aber gleichzeitig soll man Spaß ausstrahlen. Das ist nicht einfach. Ab und zu verziehe ich mich gern für ein, zwei Stündchen. Wenn die Leute gut drauf sind und shaken, dann brauchen sie mich nicht mehr.

Warum hast du zuletzt einen Türsteher zusammengeschissen?

Wegen Unhöflichkeit, Undiplomatie und dem Outfit. Kommt aber selten vor.

Erzähle von deinem ersten Discobesuch.

Ich war an meinem 17. Geburtstag das erste Mal in der Tangente, das jetzige Sound. Man könnte den Club mit dem heutigen Crash vergleichen. Eine Woche später fing ich an, dort zu arbeiten. Verbotener Weise als Minderjähriger. Neben meiner Ausbildung habe ich drei oder vier Jahre lang in der Tangente gearbeitet. Die Grufti-Szene dort war ziemlich geil.

Wo trifft man dich?

In meinem Stammcafé Medico. Guter Kaffee, hervorragendes Personal. Außerdem schätze ich den Drifter's Club.



Wunschkandidaten für deinen Club?

Rolling Stones.

Welcher Gast bleibt draußen?

Der Gewalttätige. Der zu junge, zu unreife. Ich gehe auf keinen Fall auf Masse.

Die perfekte Clubnacht?

Wenn die Leute rausgehen und sich bedanken, mir die Hände schütteln, mich abknutschen und sagen: "Danke, das war geil!". Da bekomme ich Gänsehaut.

Willst du dich auch bei jemandem bedanken?

Adriano Russo, für seine ständige, uneigennützige Hilfe. Dank auch an Matze alias Eazy M und Klangtherapeut.



Steckbrief

Name: Angelo Fattobuono
Alter: "alter Sack"
Herkunft: Freiburg
Spitzname: Angie
Bisherige Clubs / Veranstaltungen, etc.: Shooters Billard, Liquid Club
Musikstil: House / Elektro
Song: "Angie" von den Stones
Hobbys: Motorrad fahren, Billiard spielen und sich vermehren
Web: Liquid Club

Mehr dazu:

Am Freitag, 18.9., feiert Angelo den Geburtstag seines Liquid Clubs. An den Decks spielen DJ Sven Textor, J.Hörr und andere.